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Silbermond

Der Blick zurück, der Blick nach vorne

Band Silbermond

(tsch) Wenn man mit Silbermond spricht, hat man manchmal schon ein bisschen den Eindruck, das Ganze mit dem Erfolg sei eher ein Zu- oder gar ein Unfall, eine Sache, in die die Bautzener so reinrutschten. Denn auch wenn ihr letztes Album "Laut gedacht" sich sofort an die Spitzenposition der deutschen Hitparaden setzte: Die sind keine Stars. Würde man einem Taubstummen das Wort Bodenhaftung erklären wollen, man könnte es am besten mit einem Foto der Truppe um Stefanie Kloß machen. Die Message: Die sind wie Du und Ich. Tragen Second-Hand- oder eher abgerockte Klamotten und Chucks. Schieben im Tourbus die Chili-Peppers-CD in den Player und legen die Füße hoch. Gucken daheim ab und an im JUZ vorbei. Aber das ist Pop 2007 - da verschwimmen die Grenzen und die Abgrenzungen, nicht nur bei Silbermond, sondern auch bei ähnlich gepolten Acts wie Virginia Jetzt oder Juli. Würde einen nicht wundern, wenn man die in der Mensa trifft, oder im H&M. Dass sie trotzdem auf die große Bühne gehören, quasi eine Art Doppelleben führen, zeigt "Laut gedacht - Live". Sängerin Stefanie Kloß und Johannes (Bass) und Thomas Stolle (Gitarre) sprechen gerne darüber.

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teleschau: Ihr macht's wie beim Debüt: Erst die CD, ein Jahr später die Live-DVD. Ist das der Silbermond-Weg?

Johannes Stolle: (lacht) Nein, das ergab sich eigentlich erst während der Tour. Vorher fehlte auch die Zeit, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, weil wir ja die Konzerte und das Bühnenbild und so planen mussten. Aber wir merkten während der Wochen im Tourbus einfach, dass wir unfassbar viel erlebten - und genau das wollten wir den Fans auch vermitteln. Die Leute haben uns so herzlich und warm empfangen, das mussten wir festhalten. Und wenn's nur dafür ist, um unseren Kindern in 20 Jahren einmal zu zeigen: "Hey, wir waren mal 'ne Band!"

teleschau: Warum habt ihr für die DVD den Auftritt in Oberhausen gewählt?

Stefanie Kloß: Da war einfach der nötige Platz. Oberhausen war das größte Konzert der Tour und gleichzeitig der Abschluss. Wir waren also super eingespielt, und es war schön zu sehen, dass zum letzten Konzert auch noch mal viele Leute kamen, die vielleicht schon auf einem der Gigs waren, das Ganze aber noch einmal miterleben wollten. Wenn da 8.000 Leute "Das Beste" mitsingen, ist das einfach der Hammer.

teleschau: Wie ist es, mit dem Wissen um so einen Erfolg im Hinterkopf sich die alten Dachboden-Videos noch einmal anzugucken? Davon habt ihr ja eine ganze Menge auf die DVD gepackt ...

Johannes Stolle: Es hat Spaß gemacht, das ganze Zeug anzuschauen. Einige Songs, die man damals spielte, erkannte man gar nicht mehr! Ich bin gespannt, was die Leute dazu sagen werden, die meisten werden wohl viel lachen ...

Kloß: Es war schon der Wahnsinn, was da noch rumlag - wir mussten das Material aus locker vier, fünf Stunden Bändern, die unsere Eltern oder Freunde gemacht hatten, auswählen. Das alles anzuschauen, war extrem lustig, man sieht uns in der DVD ja auch immer eingeblendet. Oft dachte ich mir da schon: "Oh Gott, wie siehst Du denn da aus" oder "Mann, was hast Du da denn Unglaubliches an"! Aber es ist ein Teil der Silbermond-Geschichte und zeigt den Weg von unseren Anfängen als Coverband bis zu den ersten eigenen deutschsprachigen Songs ganz gut auf, finde ich. Man merkt vor allem: Sieben Jahre sind eine lange Zeit, da sammelt man viel Erfahrung.

Thomas Stolle: Man hat eben auch den Prozess der Selbstfindung noch einmal mit ein bisschen Abstand anschauen können. Es war schön für uns, zu sehen, wie sich Silbermond entwickelte.

teleschau: Jeder zweite Auftritt scheint damals in einem Etablissement namens "Tik" stattgefunden zu haben ...

Johannes Stolle: Das war so eine Art Bautzener Jugendzentrum, eine kirchliche Sache. Da hat wirklich viel stattgefunden, das ist auch ein bisschen das Umfeld, in dem wir uns kennenlernten - im Alter von 15 bis 19 Jahren haben wir da fast unsere ganze Zeit verbracht. Neulich waren wir wieder dort - und wurden ein bisschen sentimental. Da hängen noch Fotos von damals, auf denen wir drauf sind.

teleschau: Ihr mögt auch andere Städte - zumindest deren Ortsschilder ...

Kloß: (lacht) Ja, wir ließen uns auf dieser Tour in jeder Stadt, in der wir spielten, vorm Ortsschild fotografieren - weil wir dachten, dass wir den Leuten so zeigen, dass wir nicht nur in ihrer Stadt auftreten und uns anschließend verpissen, sondern dass das uns schon eine Menge bedeutet. Wir haben das Foto immer gemacht, wenn wir in die Stadt reinkamen und das dann am Anfang des Konzertes auf die Leinwände gebeamt. Und ab und zu hielt auch jemand an, wenn wir uns fotografieren ließen und schrie "Hey, Silbermond!"

Thomas Stolle: Es war ein schönes Ritual - und außerdem sieht man so ein bisschen was von der Stadt, weil man ja ein Schild finden muss, an dem man anhalten kann.

teleschau: Ihr habt insgesamt 49 Konzerte gespielt - wann geht man sich bei so vielen Terminen das erste Mal auf die Nerven?

Kloß: Das klingt jetzt wahrscheinlich ein bisschen kitschig, aber das ist bei uns nie ein großes Problem - weil wir uns einfach so lange kennen, dass wir wie eine Familie sind. Auch die meisten aus der Crew kennen wir sehr gut, und dann waren wir diesmal das erste Mal mit zwei Nightlinern unterwegs. Da findet schon die Rückzugsräume, die man braucht. Abends, nach dem Konzert, kann man sich verteilen. Einer sitzt oben und chillt, ein anderer mit der Crew zusammen unten - das ist für uns kein Problem. Ist ja nicht die erste Tour, die wir zusammen spielen. Anders wird's natürlich, wenn einer krank oder angeschlagen ist. Da nimmt man Rücksicht und versucht, nicht zu nerven. Und wenn's mal Zoff gibt, klärt man das - und dann isses wieder gut.

teleschau: Ihr seid in die Tour mit einem Nummer-eins-Album und einer Nummer-eins-Single gestartet. Gibt's da abseits der Bühne noch ein Privatleben oder werdet ihr von Fans belagert?

Kloß: Nein, unsere Fans wissen sehr gut zu unterscheiden. Die mögen die Band Silbermond, haben aber an Stefanie Kloß aus Bautzen gar kein so großes Interesse. Wir werden auch in Ruhe gelassen. Es ist schon eine gute Sache, dass wir nie so eine Hype-Band waren, der irgendwelche Teenager hinterher rennen oder vor deren Wohnung irgendjemand campt. Wir unterhalten uns echt gerne nach Konzerten mit den Leuten und freuen uns über jedes Feedback - aber ansonsten passt das alles.

Jochen Overbeck


Stefanie Kloß singt bei der Bautzener Nummer-eins-Band Silbermond.
Stefanie Kloß singt bei der Bautzener Nummer-eins-Band Silbermond. (Sony BMG / Olaf Heine)

"Laut gedacht - Live" zeigt Silbermond gewissermaßen als Stadionrock-Band von nebenan.
"Laut gedacht - Live" zeigt Silbermond gewissermaßen als Stadionrock-Band von nebenan. (Sony BMG / Olaf Heine)

Besonders beim Sichten alter Live-Bänder hatten Silbermond viel Spaß. Das Ergebnis gibt's auf der Bonus-DVD von "Laut gedacht - Live".
Besonders beim Sichten alter Live-Bänder hatten Silbermond viel Spaß. Das Ergebnis gibt's auf der Bonus-DVD von "Laut gedacht - Live". (Sony BMG / Olaf Heine)

Datum: 24.04.2007

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Diskussion: "Silbermond"

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