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Shoppen

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(tsch) In fünf Minuten die eigene Person und all die Liebeserwartungen auf den Punkt bringen - Speed-Dating ist die brutal verkürzte Form des Kennenlern-Rituals, bei dem Empfindlichkeiten keinen Platz haben. 18 Singles treten in Ralf Westhoffs Film "Shoppen" in einem leeren, weiß getünchten Raum an, um sich im Rennen gegen die Stoppuhr vis-à -vis anzupreisen. Das Porträt einer Generation, in der man "reden können muss, um Sex zu haben".

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"Wir haben zwar verlernt, uns zu verlieben, aber einkaufen können wir." So bringt Autor, Regisseur und Produzent Ralf Westhoff das Prinzip des Speed-Datings auf den Punkt. Wer bezahlt, bekommt potenziell passende Partner präsentiert. Wie beim Einkaufen kann meist der erste Eindruck nicht mehr korrigiert werden. "Da brauchen wir erst gar nicht weiterreden", traut sich ein junger Mann zu sagen. Andere wollen es ganz genau wissen und fragen nach Allergien oder dem Kinderwunsch. Und während der eine sich für ein Designerstück hält, fühlt sich eine andere wie ein Schnäppchen auf dem Wühltisch, das keiner haben will. Auf das "sterile Scheißspiel" schimpfen die, denen es peinlich ist, überhaupt gekommen zu sein.

Sich clever verkaufen statt kopflos verlieben. Bei der Partnersuche zählen heute mehr denn je Kriterien, die erfüllt werden müssen. Auch wenn sie durchaus widersprüchlich sind: "Er soll eifersüchtig sein und tolerant." Also heißt es reden, reden, reden. Und während sich der Betrachter über die zarten Flirts, Beschimpfungen und Ungeschicktheiten der Teilnehmer köstlich amüsiert, stellt er sich heimlich die Frage: "Wie würde ich mich hier schlagen?"

Monologe, Dialoge und immer wieder geht die Kamera nah ran. Der pfiffige Blick hinter die glatten Fassaden der Großstadt-Singles lebt von der Vielzahl seiner gleichberechtigten Hauptfiguren. Der Typ aus der ewig zweiten Reihe, der penible Unternehmensberater, der potente Naturbursche, der attraktive Klammeraffe, die Verklemmte, die Freizügige, die Plappertasche, die Aggressive, die Arrogante, jeder der 18 Charaktere wird von einem Schauspieler verkörpert, der die Person glaubwürdig auf die Leinwand bringt. Exzellente Jungstars aus der Theaterszene hauchen den pointierten und nie platten Texten von Ralf Westhoff Leben ein. Eine Frischzellen-Kur auch für das eigentlich abgefeierte Genre Beziehungskomödie.

Der Aufhänger Speed-Dating ermöglicht es, die ewige Suche nach der Liebe kabarettistisch aufzuzeigen. Eine Bestandsaufnahme aus dem heutigen Leben paarungswilliger Großstädter. Es gibt ein bisschen Davor und natürlich auch ein Danach. Schließlich will man wissen, wie sich der Underdog aus dem Wohnwagen beim Date mit der traumatisierten Tochter aus gutem Haus schlägt.

Das dramaturgische Wagnis der vielen Hauptpersonen erweist sich dabei als erfrischendes Plus, das den Film lebendig hält. Am Ende hat man das Gefühl, alle recht gut kennengelernt zu haben. Ein flott gedrehtes Spielfilmdebüt mit kleinem Budget, das sich zum Publikumsrenner der letzten Hofer Filmtage entwickelte.

Diemuth Schmidt

Credits:
V:X Verleih, D 2006, R: Ralf Westhoff, D: Anna Böger, Sebastian Weber, Katharina Schubert u.a.

Laufzeit: 95 Min.

Kinostart:
03. Mai 2007


Bei einem Picknick in der Straßenbahn kommen sich Miriam (Kathrin von Steinburg) und Jörg (Sebastian Weber) näher.
Bei einem Picknick in der Straßenbahn kommen sich Miriam (Kathrin von Steinburg) und Jörg (Sebastian Weber) näher. (X Verleih AG)

Beim zweiten Treffen testen Susanna (Julia Koschitz) und Jens (Oliver Bürgin), ob sie wirklich zusammenpassen.
Beim zweiten Treffen testen Susanna (Julia Koschitz) und Jens (Oliver Bürgin), ob sie wirklich zusammenpassen. (X Verleih AG)

Noch ist Susanna (Julia Koschitz) skeptisch, ob sie ihren Traummann findet.
Noch ist Susanna (Julia Koschitz) skeptisch, ob sie ihren Traummann findet. (X Verleih AG)

Datum: 30.04.2007

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Artikel ID 184466

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