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DJ Bobo

Der Glaube an das Gute

Sänger DJ Bobo

(tsch) Welch Phänomen: Ein gelernter Bäcker und Konditor entdeckt in den 80-ern seine Leidenschaft für Musik, erobert die Turntables und tritt mit einfachen Tanzmelodien einen überwältigenden Siegeszug durch die ganze Welt an. Mit seiner Mischung aus Pop und Dancefloor verkaufte René Baumann alias DJ Bobo rund um den Globus bereits über 13 Millionen Alben und kann unzählige Gold- und Platinplatten in seinen Regalen stapeln. Nun hat der Schweizer eine neue Herausforderung gefunden: Mit der ersten Singleauskopplung "Vampires Are Alive" aus seinem neuen Album "Vampires" (das am 11. Mai erscheint) will er ins Finale des "Eurovision Song Contest" (Sa., 12.05., 20.15 Uhr, ARD) einziehen. Im Interview spricht der 39-Jährige über den Ärger, den ihm der Titel in seiner Heimat einbrachte, erklärt, warum Bushido-Fans in Wahrheit harmlose Jungs sind und wieso Casting-Shows nicht funktionieren können.

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teleschau: Wie entstand der Schweizer Beitrag "Vampires Are Alive"?

DJ Bobo: Zuerst stand das Thema fest. Vampire sind sexy, wild und hemmungslos. Es können viele Dinge in diese Wesen hineinprojiziert werden. Ich hatte die Möglichkeit, mich bei den Aufnahmen der Demos richtig auszutoben. Unsere Vampire sind keine Zombies, sondern Lebewesen mit Gefühlen. Wir betrachten das Ganze mit einem Augenzwinkern.

teleschau: In Deiner Heimat nahmen besorgte Christen das Thema sehr ernst und wollten den Titel verbieten lassen. Hättest Du jemals gedacht, die Nation derart spalten zu können?

DJ Bobo: Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen. Schließlich geht es hier um eine Rolle, die DJ Bobo spielt. Beim vorangegangenen Album war ich noch als Pirat unterwegs. Warum ich das mache, ist doch offensichtlich: Indem man hinter einer Maske verschwindet, eröffnen sich künstlerische Freiheiten, die sonst nicht da wären.

teleschau: War es nicht auch mal ganz angenehm, ein wenig kontrovers zu sein?

DJ Bobo: Ja und nein. Ja, weil ich es nicht erwartete. Nein, weil es um das Thema Religion ging. Kontrovers zu sein, ist zwar witzig, aber in diesem Fall verletzte ich offenbar die Empfindungen von Menschen - und das war absolut nicht meine Absicht. Es ist kein Skandal, über den ich lachen kann. Leute fühlten sich angegriffen, und ich reagierte mit Unverständnis, weil ich nicht nachvollziehen konnte, worum es ihnen ging. Bei so einer Geschichte gibt es deswegen auch kein Happy-End. Für die Medien jedoch bin ich spannender geworden. Einige sagten mir, ich sei nun glaubwürdiger.

teleschau: Wie definiert sich Deiner Meinung nach Glaube?

DJ Bobo: Durch meine Reisen in viele Länder entwickelte ich eine ganz eigene Vorstellung von Glaube. Mich beeindruckten viele Religionen, unter anderem auch der Buddhismus. Mit klaren Bildern habe ich meine Schwierigkeiten. Erst gestern versuchte ich meinem Sohn zu erklären, wieso Jesus am Kreuz hängt, warum er mit Nägeln daran festgemacht ist. Ich konnte es nicht. Ich fand nicht die richtigen Worte. Glaube an das Gute - vielleicht könnte ich meine Vorstellung von Religion so am besten definieren.

teleschau: Auch der israelische Beitrag entfachte eine große Diskussion. Der "Eurovision Song Contest" scheint sich zu einer Plattform für hitzige Debatten zu entwickeln ...

DJ Bobo: Diese Show ist in den vergangenen Jahren wirklich spannend geworden. Die Beiträge an diesem Abend erzeugen viele Emotionen, die durchaus Überraschendes zutage fördern können. Diese Vier-Stunden-Sendung ist mittlerweile sehr abwechslungsreich.

teleschau: Was hälst Du vom deutschen Beitrag "Frauen regier'n die Welt" von Roger Cicero?

DJ Bobo: Ich finde die Nummer einfach clever. Es ist toll, dass Deutschland mit Swing vertreten sein wird und einen Typen hinschickt, der speziell ist. Nur so kann man auffallen.

teleschau: Was gab den Ausschlag, selbst einmal Teil dieser Inszenierung sein zu wollen?

DJ Bobo: Ich schaute mir diese Show an und sah unheimlich viele bekannte Gesichter. Durch meine Reisen lernte ich auch immer die länderspezifischen Musikstars kennen, und ich begriff, dass die meisten Nationen ihre bekanntesten Künstler hinschicken. Der entscheidende Moment war jedoch der Beitrag der Schweiz im vergangenen Jahr. Der Titel "If We All Give A Little" stammte von Ralph Siegel, und die Truppe bestand aus sechs Leuten aus sechs verschiedenen Ländern. Weder konnte ich mitfiebern, noch regte ich mich auf. Ich fühlte mich einfach nicht berührt. Da sagte ich mir, dass das so nicht weitergehen kann. Wenn jemand aufstehen und die Sache in die Hand nehmen muss, dann bin ich das. Ich möchte die Schweizer Musikszene aufrütteln. Die Musiker bei uns haben viel zu wenig Selbstbewusstsein.

teleschau: Und deshalb getraute sich kein Schweizer mehr, für sein Land aufzutreten?

DJ Bobo: Da ist eine immense Angst vor dem Versagen vorhanden. Nach dem Motto: "Ich stell mich lieber nicht hin, denn wenn ich keine Punkte bekomme, was sollen dann die Leute von mir denken?" Das ist die vollkommen falsche Einstellung. Man muss den Kopf hinhalten - das ist alles.

teleschau: Aber eigentlich könntest Du Dir doch nach all diesen Millionen von verkauften Platten einfach einen faulen Lenz machen ...

DJ Bobo: Eine Stückzahl hat nichts Motivierendes und ist nichts Emotionales. Mit einer Hitparadenplatzierung verhält es sich ähnlich: Ob da jetzt eine fünf oder eine 15 steht, das löst bei mir nichts aus. Aber auf der Bühne spürt man die Leute, und deswegen sind diese Auftritte der eigentliche Gradmesser, wo man gerade steht.

teleschau: Du bist viel herumgekommen. Gibt es einen Ort, an dem Du noch gerne auftreten würdest?

DJ Bobo: Ja, in Teheran. Ein Freund, der den Iran bereiste, schickte mir mal das Foto eines Kiosks in der Hauptstadt, an dem es DJ Bobo-Flaggen zu kaufen gab. Außerdem schreiben mir viele Studenten aus dem Iran, dass sie meine Musik mögen. Sie dürfen sie allerdings nicht öffentlich hören. Das wäre ein Traum, einmal in diesem Land spielen zu dürfen.

teleschau: In der Mongolei warst Du auch schon unterwegs ...

DJ Bobo: Da kamen Menschen mit dem Pferd zum Konzert! Natürlich musste alles improvisiert werden. Die Bühne wurde mit Nägeln und Holz zusammengebaut. Bei einer Probe ist alles eingestürzt, weil das Gerüst einfach nicht hielt.

teleschau: Du schaffst es trotz Deiner Bekanntheit, Deine Privatsphäre zu schützen. Ist das besonders schwer?

DJ Bobo: Nein. Alle, die Gegenteiliges behaupten, lügen. Natürlich ist es manchmal schwierig, wenn viele Menschen einen auf der Straße ansprechen. Bislang waren die Reaktionen jedoch meist positiv. Vor zwei Jahren zum Beispiel, hatte ich einen Auftritt bei VIVA. Als Mann Ende 30 fragt man sich natürlich, ob das unbedingt sein muss, so eine Visite bei einem Musiksender. Bushido war am selben Tag bei MTV, und wir hatten beide den gleichen Eingang zu passieren. Da stand ein Horde von coolen Teenagern, die Hosen in den Kniekehlen, und ich musste da hindurch. Ich war fest davon überzeugt, ein rotes Tuch für die Jungs zu sein. Plötzlich schrien die: "Krass, der DJ Bobo." Die ganzen bösen Buben waren lieb und zugänglich und vergaßen, dass sie eigentlich ganz anders drauf sein wollten.

Julia Köhler


DJ Bobo will seine Schweizer Heimat beim Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki vertreten.
DJ Bobo will seine Schweizer Heimat beim Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki vertreten. (DJ Bobo / Yes Music)

Ist DJ Bobo ein böser Bube? Sein Song "Vampires Are Alive" sorgt in seiner Heimat für Aufruhr.
Ist DJ Bobo ein böser Bube? Sein Song "Vampires Are Alive" sorgt in seiner Heimat für Aufruhr. (SWR / Jes Music)

Versteht die Diskussion um seinen neuen Song nicht: DJ Bobo.
Versteht die Diskussion um seinen neuen Song nicht: DJ Bobo. (DJ Bobo / Yes Music)

Datum: 02.05.2007

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