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Travis

"Sei was du willst - nur: sei weise!"

Sänger Travis

(tsch) "Ich kann verraten, dass die Songs wesentlich fröhlicher und freundlicher klingen, als zu '12 Memories'. Wir sind im Studio und wollen das nächste Album schnell fertig bekommen. Vermutlich kommenden Juni." Als Fran Healy, Sänger der sympathischen Schottenrocker von Travis, dies 2005 verkündete, ahnte er noch nicht, dass die Arbeit an "The Boy With No Name" etwas länger dauern würde. Aber die Wartezeit hat sich gelohnt, wie sicher nicht nur der Frontmann findet.

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teleschau: Albumtitel orientieren sich ja gerne am Inhalt. Worum geht es in "The Boy With No Name" ?

Fran Healy: Ich hatte zuerst Arbeitstitel wie "Lost And Found" und "Arrivals And Departures" im Sinn, da es bei diesem Album um Menschen geht, die in unser Leben traten oder von uns gingen. Mein Vater starb letztes Jahr - ich stand ihm nicht sonderlich nahe - und dann wurde mein Sohn geboren. Es machte also Sinn, das Ende eines Kapitels und den Anfang eines neuen zu beschreiben.

teleschau: Euren Sohn haben Deine Frau Norah und Du Clay genannt. Das Album blieb jedoch ohne Namen?

Healy: Den Namen Clay zu finden, war schon schwer genug. Komischerweise sind Menschen, deren Namen Alliterationen aufweisen, oft sehr erfolgreich: Cassius Clay, Björn Borg, Steven Spielberg. Und jetzt kommt Clay Krist (Anm. d. Red.: Seine deutsche Frau Nora heißt Krist). Klingt gut und lässt sich einfach merken. Eigentlich fand ich ja Jesus ganz gut - Jesus Krist! (lacht) Aber jetzt nimm dagegen mal Francis Healy! Das klingt doch schon scheiße! Aus dem wird nie was! (lacht)

teleschau: Du hast "My Eyes" für Clay geschrieben. Ist es leicht oder besonders schwer, ein Lied für sein eigenes Kind zu schreiben?

Healy: Ich schrieb den Song, als Nora und ich wussten, dass sie schwanger ist. Ich war sehr emotional. Das ist ein gutes Klima, um Musik zu schreiben. Deswegen war es ganz einfach. Wenn du traurig oder froh bist, ist es immer gut, denn es hat einen unerwarteten Effekt auf dein Songwriting.

teleschau: Worum geht es in dem Song?

Healy: Im Grunde darum, zu machen was du willst: Sei Mathematiker, Pilot oder Bauarbeiter, sei schwul oder hetero, sei was du willst - nur: sei weise! Du kannst der tollste, erfolgreichste Typ der Welt sein, aber wenn du nicht weise bist, bist du am Arsch!

teleschau: Nach "12 Memories" wolltet Ihr eine längere Pause einlegen, habt aber dann gleich weitergemacht. Das ist jetzt drei Jahre her ...

Healy: Der Prozess des Schreibens beginnt mit dem Gedanken, dass es ein ganzes Album werden und großartig klingen soll. Du kannst ins Studio gehen und schauen, ob du in einer bestimmten Zeit zehn, zwölf Lieder zusammenbekommst. Es gab eine Stimme in uns, die unbedingt arbeiten wollte, wir hatten "Three Times And You Lose" fertig, und der Ball war am rollen. Das schuf eine gewisse Zufriedenheit.

teleschau: Und schon gab's Urlaub ...

Healy: Genau. Du nimmst dir drei Monate frei, schreibst zu Hause weiter und gehst dann die nächsten drei Wochen ins Studio. Und jedes Mal, wenn du ins Studio kommst, hast du mehr Material fertig und Zufriedenheit und Selbstvertrauen wachsen. Als Band bekommst du nun mal nur durch fertige Songs Sicherheit. Deswegen dauerte es so lange, manchmal frustrierend lang. Nur so geht es für uns. Nicht gerade preiswert. Aber am Ende halten wir ein tolles Ergebnis in den Händen.

teleschau: War es schwierig, so lange an den Songs zu basteln?

Healy: Wir arbeiteten zweieinhalb Jahre dran. Das ist vielleicht nicht ganz Guns'n'Roses-Standard, aber auch nicht schlecht! (lacht). Für uns ist es jedenfalls lang.

teleschau: Was macht Ihr, um zu entspannen?

Healy: Ich weiß nicht mehr welcher Schriftsteller mal sagte, es sei sehr arrogant über etwas zu schreiben, bevor man aufgestanden ist, um zu leben. Du musst leben. Es geht darum, die Gedanken wieder aufzufüllen. Wir machen ganz normale Sachen: treffen Freunde, machen Urlaub, reisen und schauen uns nette Orte an.

teleschau: Dies ist Euer akustischstes Album bisher. Man erkennt Euch kaum wieder. Und trotzdem klingt Ihr unverkennbar ...

Healy: Interessant. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir denken. Ich sehe es nicht als so akustisch, sondern als das beste Band-Album, das wir bis jetzt gemacht haben. Im Grunde halten sich die akustischen und elektrischen Songs die Waage. Ich fand "The Invisible Band" und "The Man Who" viel akustischer. Wir haben vier Alben gemacht, und dieses verbindet sie alle.

teleschau: Du hast letztes Mal beim Ausblick auf dieses Studioalbum gesagt, Ihr wärt mit Mike Hedges, Nigel Goodrich und Brian Eno im Studio gewesen. Was ist daraus geworden?

Healy: Brian Eno war der Ausgangspunkt für dieses Album. Wir trafen uns zu einem verlängerten Wochenende mit ihm, und es war wirklich verblüffend. Er ist ein unglaublich interessanter Typ, irrsinnig intelligent, sehr enthusiastisch, sehr inspirierend. Wir jammten am Ende über zwei Tage aber das diente nur zum Warm-Up. Einige dieser Ideen arbeiteten wir aus, stellten dann aber fest, dass es das nicht ist. Das Gute daran war, dass es uns klar machte, wo unsere Stärken liegen: Wir können als Band zusammen Songideen gut ausarbeiten. Wir sind keine Jam-Band.

teleschau: Und wie kam es, dass "Zoolander" Ben Stiller auf dem Album Kuhglocke spielt und in Eurem Video zu sehen ist?

Healy: Wir waren zu jener Zeit völlig besessen von dem Sketch aus Saturday Night Live, den Christopher Walken spielte. Es war eine Persiflage auf den Blue-Oyster-Cult-Song "Don't Fear The Reaper". Christopher Walken spielt den Produzenten der Rock-Band, und die hat einen Typen, der die Kuhglocke spielt - absolut großartig. Du hörst den Song danach völlig neu. Als wir Ben trafen, baten wir ihn, ein wenig die Kuhglocke zu bedienen. Er ist wirklich urkomisch. Deshalb taucht er auch in unserem Video auf.

teleschau: Er war ja schon in vielen Musikvideos zu sehen: Bei Tenacious D, Jack Johnson, Puff Daddy ...

Healy: Ja, aber bei uns spielt er eine Rolle, die jeder lieben wird: einen Supermarktfilialleiter, der total angepisst ist. Es ist die beste Performance seiner Karriere. Checkt unser Video zu "Closer" aus!

Stefan Woldach


Travis brauchten für ihr neues Album etwas länger, als ursprünglich geplant. Doch nun steht "The Boy With No Name" in den Regalen.
Travis brauchten für ihr neues Album etwas länger, als ursprünglich geplant. Doch nun steht "The Boy With No Name" in den Regalen. (Sony BMG)

Der ganze Stolz von Travis: das neue Album "The Boy With No Name".
Der ganze Stolz von Travis: das neue Album "The Boy With No Name". (Sony BMG)

Fran Healy ist der Frontmann von Travis.
Fran Healy ist der Frontmann von Travis. (Sony BMG)

Datum: 06.05.2007

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