logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Flyboys - Helden der Lüfte
Flyboys - Helden der Lüfte

Flyboys - Helden der Lüfte

(tsch) Noch ehe sich Matthias Schweighöfer unter Nikolai Müllerschöns Regie als "Der rote Baron" in die Lüfte erhebt, kommen erst einmal andere Flieger-Helden zum Einsatz. Majestätisch ziehen sie in offenen Doppeldeckern ihre Kreise, grüßen huldvoll, bevor sie den Abzug ihrer Waffen durchdrücken, um die Gegner vom Himmel zu holen. "Von Richthofen and Brown" (1970) von Roger Corman kommt einem in den Sinn, Howard Hawks' "The Dawn Patrol" (1930) und natürlich auch "Wings", 1929 erster Oscar-Sieger in der Kategorie Bester Film und zudem für seine Effekte ausgezeichnet. William Wellman hieß sein Regisseur, ein legendäres Raubein, selbst begeisterter Flieger, der als Freiwilliger auf Seite der Franzosen in der berühmten, 1916 gegründeten "Lafayette Escadrille" Einsätze gegen die Deutschen flog. Von dieser Einheit, diesem ersten amerikanischen Kampfgeschwader, erzählt nun - ganz frei und dem Kino-Eskapismus verpflichtet - Tony Bill, angeblich seit dem 14. Lebensjahr Kunstflieger und zudem Experte in Sachen Erster Weltkrieg.

Anzeige

 

Bill, der als Schauspieler ("Frau mit Hund sucht Mann mit Herz"), Produzent ("Der Clou") und Regisseur ("Pinguine in der Bronx") alle Aspekte des Filmemachens bestens kennt, bleibt bei "Flyboys - Helden der Lüfte" zunächst am Boden, stellt seine Truppe zusammen und vor: Da ist etwa der Cowboy Blaine Rawlings ("Spider-Man"-Kobold James Franco), dem die Bank die Ranch gepfändet hat, der Millionärsspross Briggs Lowry (Tyler Labine), der sich seinem übermächtigen Vater beweisen will, der schwarze Boxer Eugene Skinner (Abdul Salis) oder das Großmaul Eddie Beagle (David Ellison), dessen Schießkünste mehr als zu wünschen übrig lassen.

Sie alle treffen sich auf französischem Terrain und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Bei drei bis sechs Wochen liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Piloten, so teilt ihnen der Gutmensch-Hauptmann Georges Thenault - der stets solide Jean Reno gefällt als Seele des Films - mit. Die französischen Nieuports sind den deutschen Fokkers weit unterlegen und auch zahlenmäßig haben sie eigentlich keine Chance. Kurz: ein Himmelfahrtskommando im Wortsinn.

Nach halbstündiger Exposition wird dann die Schwerkraft überwunden. Der Film hebt ab und nimmt Tempo auf. 22 echte Flugzeuge standen dem Filmemacher zur Verfügung, daneben rund 60 Millionen Dollar Budget und ein Heer von Digitalkünstlern, die für die rund 850 höchst realistischen CGI-Tricks verantwortlich zeichnen. In der Luft rauben einem die "Fliegerjungs" den Atem. Wenn die Doppel- und Dreifachdecker aus gleißendem Sonnenlicht zur Erde hinabstürzen und verwegene Loopings drehen, wenn Feuer aus den Motoren schlägt, Kugeln die Segeltuchrümpfe durchsieben und die Piloten in den Tod springen, um nicht bei lebendigem Leib zu verbrennen - Fallschirme wurden nicht ausgegeben, die Maschinen waren den Militärs wichtiger als das Leben ihrer Piloten.

In puncto Action hat Tony Bill alles richtig gemacht. Nur bei der wieder einmal "auf Tatsachen beruhenden" Story, verantwortet vom Drehbuch-Trio Phil Sears, Blake T. Evans und David S. Ward ("Schlaflos in Seattle"), hakt es, wie häufig auch die Maschinengewehre der Fluggeräte.

So wirkt die (tragische) Liebesgeschichte zwischen dem maulfaulen Rawlings und der herzensguten Französin Lucienne (Jennifer Decker) arg aufgesetzt, erschöpft sich die Figur des Geschwader-Leitwolfs Reed Cassidy (Martin Henderson), der es schon auf 20 Abschüsse gebracht hat, im Stereotyp: Einen Löwen hält er im zum Wohnheim umfunktionierten Chateau als Haustier, sein Treibstoff heißt Whiskey und ihm ist es letztendlich vorbehalten, das deutsche Flieger-Ass auszuschalten.

Bis es jedoch nach gut zweistündiger Spielzeit soweit ist, sterben die Draufgänger nach dem Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip. Reno blickt traurig, die Kameraden entsetzt und der Überlebenden wird im Abspann gedacht. In der Luft funktioniert dieses kalkulierte Fliegerdrama, aller Rest ist eher Bruchlandung.

Gebhard Hölzl

Credits:
V:Fox, USA 2007, R: Tony Bill, D: Jean Reno, James Franco, Jennifer Decker u.a.

Laufzeit: 139 Min.

Kinostart:
10. Mai 2007


Blaine Rawlings (James Franco) will um jeden Preis fliegen lernen.
Blaine Rawlings (James Franco) will um jeden Preis fliegen lernen. (2007 Twentieth Century Fox)

Schon nach kurzer Zeit wird Blaine (James Franco) mit der harten Realität des Ersten Weltkriegs konfrontiert.
Schon nach kurzer Zeit wird Blaine (James Franco) mit der harten Realität des Ersten Weltkriegs konfrontiert. (2007 Twentieth Century Fox)

Lucienne (Jennifer Decker) macht sich große Sorgen um ihren geliebten Piloten Blaine.
Lucienne (Jennifer Decker) macht sich große Sorgen um ihren geliebten Piloten Blaine. (2007 Twentieth Century Fox)

Datum: 06.05.2007

Facebook aktivieren

Diskussion: "Flyboys - Helden der Lüfte"

Um eine Diskussion zu "Flyboys - Helden der Lüfte" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 184711

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Die Fremde in Dir
    New York ist sicherer geworden. Es ist lange her, dass die größte Stadt der USA ein Moloch war und der Central Park sein horribler Kern. Noch in den 70-ern und 80-ern war vor allem nachts die Wahrscheinlichkeit ...

    Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street
    Johnnys Depp kann machen, was er will. Wenn er in einem Film auftaucht, dann ist das - ganz wenige Ausnahmen seien gestattet - schlichtweg ein Ereignis. Egal ob als Pirat, Schokoladenhersteller oder nun ...

    Death Sentence - Todesurteil
    Zynischer Höhepunkt der Welle übler amerikanischer Selbstjustizfilme" urteilte das "Lexikon des internationalen Films" wenig schmeichelhaft über "Ein Mann sieht rot" (1974). Neben einigen Filmkritikern ...

    Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben
    „Jeder von uns wüsste gerne, was einen nach dem Tod erwartet“: Damit erklärte der US-Regisseur Joel Schumacher seine Idee, einen Film über den Zustand des klinischen Todes zu drehen. Im hochkarätig besetzten ...

    Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt
    Der Horror ist am schlimmsten, wenn er psychologischer Natur ist. Denn wenn jemand Dinge sieht, die für alle anderen unsichtbar sind, lautet ihre Diagnose bloß: Der spinnt. So wird Tom (Kevin Bacon) mit ...

    Kill Bill Vol. 1: Tarantinos Martial-Arts-Epos
    Gnadenlos zoomt die Kamera auf das blutverschmierte Gesicht der jungen Frau. Auge in Auge sieht sie sich ihrem Mörder gegenüber, der ihr zum Lebewohl mit einem Taschentuch das Blut abwischt. "Bill" ist ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 2942 - task = view - option = com_content - limitstart= 0