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Travis - The Boy With No Name

Travis The Boy With No Name

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Vor drei Jahren brachten Travis, die Jungs aus Glasgow, ihr Album "12 Memories" heraus, das den zementierten Status als Pop-Olymp-Mitglieder leider ein wenig erschütterte. Nun versuchen sie es mit "The Boy With No Name" erneut - und besinnen sich dabei auf alte Qualitäten.

In der Zwischenzeit ist viel passiert auf dem englischen Markt - und auch privat: Sänger Healy wurde Vater, und die Zeit strich nur so dahin. Es bleibt also abzuwarten, ob die kurzlebig orientierte Musikbranche auf der Insel Travis nach einem schlechten Album und langer Pause noch einmal mit offenen Armen empfangen wird. Verdient hätten sie es, denn die Stärke von Songwriter Fran Healy, die Melodie, steht wieder völlig unverkrampft im Vordergrund. Gleich mehrere "Sing"-Nachfolger offenbaren sich bereits beim ersten Hinhören.

Ein lustiger Geselle ist Healy durch die neue Familiensituation auf jeden Fall nicht geworden, was der Band zugute kommt. Gemeinsam mit Brian Eno, Nigel Godrich und Mike Hedges arbeiteten Travis seit 2004 an dem Album und feilten an ihren Qualitäten, die sie berühmt machten: Melancholie und Melodie. Es erklingen Geigen, zarte Gitarren, Glockenspiele. Mit lyrischer Stimme singt Healy dazu seine elegischen, melancholischen Bögen, egal ob in der folkinspirierten, unkomplizierten Single "Closer" oder in den Balladen "3 Times And You Lose" und "One Night". Die Schwermut zieht sich - wie stets bei Travis - durch die stimmungsvollen, stets ein wenig klagenden Lieder, ohne sie zu beschweren. Das perfekt ausbalancierte Gleichgewicht von Dur und Moll, von poppiger Leichtigkeit und Wehmütigkeit wirken ausgeglichen und weder niedergeschlagen noch aufgesetzt fröhlich.

Selbst in heftiger rhythmisierten Tracks wie der Sixties-Beat-Hymne "Selfish Jean", der Rock-Erinnerung "Colder" mit ihren U2-Gitarren, dem stampfenden "Eyes Wide Open" oder den aus der Tristesse ein wenig herausblickenden Songs "Battleships" und "My Eyes" wirkt Healy stets ein wenig entrückt und betrübt. Auch Lieder à la "Big Chair", das mit der Bassarbeit im Untergrund an die 80-er erinnert, oder die akustischen "New Amsterdam" und "Out In Space" mit ihrer kernigen Lagerfeuerqualität können, ohne bleibende Traumata zu hinterlassen, an der Wiege des kleinen "Boy With No Name" abgespielt werden. Was nicht heißen soll, dass sie einschläfernd wirken. Sie sind einfach nur entspannt, bittersüß, melodiös und fast zärtlich. Ein Adjektiv, für das uns Healy als cooler Britrocker vermutlich töten würde.

Kati Hofacker


Datum: 09.05.2007

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