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Björk - Volta

Björk Volta

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Es menschelte ein wenig zu sehr, auf "Medulla", auch wenn die Ängste, die einige Fans ausstehen mussten ob der Mitteilung, Björk wolle ein Album nur aus Körpergeräuschen zusammenstellen, nicht erfült wurden. Aber die Platte war eine etwas verkrampfte und nur stellenweise überzeugende Angelegenheit. "Volta" geht mehr als nur einen Schritt zurück zum Pop. Die Isländerin erlaubt vergleichweise konventionelle Melodien ebenso wie zeitgeistaffine Bigbeats, für die unter anderem der Mann der Stunde Timbaland verantwortlich zeichnet. Vor einem Abdriften in den Mainstream oder gar die Bedeutungslosigkeit bewahrt sie dabei ihre Stimme - die immer noch auf die gleiche Art und Weise funktioniert wie weiland bei den Sugarcubes, aber auch ihr Eigensinn. Der ist für die Isländerin nach wie vor ein Kreativmotor, der sich diesmal gute 50 Minuten lang an sich selbst reibt und abarbeitet.

"Earth Intruders" gibt dabei den Weg auf angemessene Art und Weise vor. Björk singt zu einem musikalischen Unterbau, der dumpf nach vorne bounct, um gegen Ende völlig unvermutet einem maritimen Dschingderassabum Platz zu machen, das eine Melodie aus diversen Schiffshörnern und Möwengekreische generiert. Mag originell sein, hätte man aber offen gestanden auch weglassen können. Aber es ist Teil eines Spiels zwischen Holzbläsern und Drummachine, zwischen Organik und Technik, zwischen Anarchismus und Postmoderne, das auch den Rest der Platte definiert. Der ja recht massive Output der 40-Jährigen über die letzten 20 Jahre wird in Songs wie "Wanderlust" anzitiert, aber eben auf eine Art 2.0-Ebene gehoben, die wohl auch den beiden Schlagwerkern zu verdanken ist, die Björk für das Album verpflichtete: Chris Corsano arbeitete zuletzt mit Sonic Youth zusammen und ist jetzt fester Bestandteil der Björk-Band. Brian Chippendale spielt eigentlich bei Lightning Bolt, und die klingen in etwa wie ihr Name.

Früher Höhepunkt ist indes eine andere Zusammenarbeit: "The Dull Flame Of Desire" ist ein siebenminütiges Epos, dessen Grandezza vor allem dem New Yorker Sänger Antony (Antony & The Johnsons) zu verdanken ist. Dass "Innocende" danach wieder brennt, ist schlüssig - und offenbar Teil eines Systems. Denn Björk inszeniert "Volta" als Wechselspiel zwischen ihren verschiedenen Identitäten, als fein austariertes Kontrastprogramm, in dem eben nicht nur die Beats, sondern auch Avantgarde-Streicher ein ganzes Lied definieren dürfen ("I See Who You Are"). "Eigentlich wollte ich nur Spaß haben" sagt Björk selbst über diese Platte - fügt aber an, dass am Ende doch auch die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2005 heftige Spuren hinterlassen hätte. Da wäre er wieder, der Kontrast.

Jochen Overbeck


Datum: 09.05.2007

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