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2 Tage Paris

2 Tage Paris

(tsch) Jeder, der Julie Delpy in Richard Linklaters "Before Sunset" gesehen hat, wird sie für ihre den Film krönende Tanzszene lieben. Auch ihre Redeschlachten mit Ethan Hawke in den beiden Befindlichkeitsstudien zum Thema Beziehungen, "Before Sunrise" (1995) und "Before Sunset" (2004), waren beeindruckend. Die Französin beschloss: Das kann ich auch alleine und schrieb, was der dritte Teil sein könnte, ohne die anderen beiden: "Zwei Tage Paris".

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Natürlich ist Julie Delpys Regiedebüt keine offizielle Fortsetzung. Aber es würde passen: Im ersten Teil verfehlen sich ein Mann und eine Frau. Danach gehen sie zehn Jahre getrennte Wege, bei "Before Sunset" wird impliziert, dass sie zusammenkommen. Er Amerikaner, sie Französin. Was wäre, wenn sich nach einigen Jahren Beziehung das Umfeld änderte und der vertraute Mensch plötzlich sehr fremd wirkt? Genau davon handelt "Zwei Tage Paris", dem Ort, in dem auch Richard Linklaters Fortsetzung spielte. Delpy besetzte sich nun selbst in der Hauptrolle: Sie heißt Marion und ihr Freund Jack. Ein kurzer Zwischenstopp bei ihren Eltern, bevor sie wieder nach Hause in die USA fliegen, entwickelt sich zum explosiven Zusammenstoß mit der Vergangenheit. Da sind Männer, die sie lüstern ansehen, zweideutige Bemerkungen machen, was soll das? Ihre Eltern scheinen äußerst private Fotos zu kennen, was soll das? Und wieso muss er sich mit jedem noch so lächerlichen Klischee vom Amerikaner auseinandersetzen? Jack ist genervt. Die Situation droht zu eskalieren und man weiß nie genau, ob er hypochondrisch oder gerechtfertigt so wütend reagiert.

Diese Balance hält die 37-jährige Französin in ihrem Debüt sehr gut, wobei sie selbst die eher unbeliebte Rolle innehat. Immer an der Grenze zur zu engagierten, hysterischen Emanze, hat sie es nicht leicht, die Sympathien zu halten. Viel drolliger wirkt da Adam Goldberg, der Ben Stiller nicht unähnlich sieht und auch das gleiche Rollenprofil hat wie der erfolgreiche Komiker. Er ist ein großer Zyniker und Profi auf dem Gebiet des trockenen Humors. "Zwei Tage kein Sarkasmus", ist daher die Devise, die seine Freundin bei der Ankunft ausgibt. Daran halten wird sich keiner.

Deswegen ist es schwer, die Kurve zu kriegen und durchaus ernste Seiten, echte Verletzungen darzustellen. Dabei macht Goldberg das Beste aus dem ihm zugeteilten Raum. Den etwas größeren Anteil hat immer Julie Delpy. Sie führt als Off-Moderatorin schon in die Geschichte ihres eigenen Lebens ein. Nie, so sagt sie, werden die langweiligen Zeiten, die Gewohnheit illustriert. Immer nur die großen Dramen, der Anfang, das Ende. Doch was ist mit dem Unspektakulären dazwischen? Kurz bevor sie bei ihrer Vorstellung beginnt, deutlich in "Amelie"-Sphären abzugleiten, öffnet sich der Vorhang für die alles verändernden Tage in der alten Heimat.

Julie Delpy hat sich viel Mühe mit dem Drehbuch gegeben, möchte in erster Linie Nachvollziehbarkeit und Realismus in ihre Figuren legen. Das gelingt ihr genauso gut wie bei ihren alten Arbeiten zusammen mit Hawke und Linklater. Nur manchmal will sie etwas viel. Passend zu der ihr eigenen Hektik und einer Grundnervosität, packt sie immer was drauf, muss diese Kleinigkeit erzählen, dort noch etwas hinterfragen und einen weiteren Gag einfügen. Das führt im ersten Drittel zu einem gelungenen Komödieneinstieg, einer europäischen Version von "Meine Braut, ihr Vater und ich", wobei der Vater durch Familie, Freunde, Heimat und Vergangenheit ersetzt wird.

Irgendwann verliert Delpy mit ihren extrovertierten Wendungen ein wenig den Faden, und es wird schwierig, wieder in die Spur zu kommen. Dabei gehen ihre guten Ideen unter. Einmal mehr Sortieren und Extrahieren hätte dem Verlauf nicht geschadet, zumal in etwa so viel geredet wird wie bei "Before Sunrise/Sunset". Nur sind hier fünf, sechs Leute mehr, die ihren Beitrag abliefern, für den Zuschauer nicht unanstrengend. Die permanenten Richtungswechsel und die nie wirklich zugelassene Traurigkeit verhindern ein Durchschauen der Figuren.

Schließlich kommt man zu dem unbefriedigenden Schluss, dass man die beiden zwar begleitet, aber nicht kennengelernt hat. Was die vielen wahrhaftigen Momente, die verstreut herumliegen, nicht schmälern soll. Sie werden nur nicht zu einem Ganzen zusammengefügt. Delpy hat in dieses Familienprojekt viel Herzblut und all ihre Freunde und Verwandte gesteckt, vom Papa sind Kunstwerke zu sehen, sie selbst hat die Musik gemacht, und sogar um eine prominente Besetzung hat sie sich gekümmert, um den deutschen Markt zu erobern: Daniel Brühl hat einen völlig überflüssigen Cameo-Auftritt.

Claudia Nitsche

Credits:
V:3L Filmverleih, F / D 2007, R: Julie Delpy, D: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl u.a.

Laufzeit: 96 Min.

Kinostart:
17. Mai 2007


Marion (Julie Delpy) und Jack (Adam Goldberg) freuen sich auf ein romantisches Wochenende in Paris.
Marion (Julie Delpy) und Jack (Adam Goldberg) freuen sich auf ein romantisches Wochenende in Paris. (3L Filmverleih)

Lukas (Daniel Brühl, links) gibt Jack (Adam Goldberg) Tipps, wie die Beziehung mit Marion gerettet werden kann.
Lukas (Daniel Brühl, links) gibt Jack (Adam Goldberg) Tipps, wie die Beziehung mit Marion gerettet werden kann. (3L Filmverleih)

Rose (Aleksia Landeau, links) und Marion (Julie Delpy) müssen mit ansehen, wie sich Jack bei Marions Eltern blamiert.
Rose (Aleksia Landeau, links) und Marion (Julie Delpy) müssen mit ansehen, wie sich Jack bei Marions Eltern blamiert. (3L Filmverleih)

Datum: 14.05.2007

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