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Natasha Bedingfield - Natasha Bedingfield

Natasha Bedingfield Natasha Bedingfield

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In Sachen Fräuleinwunder hat England halt doch die Nase vorne. Wo sich Avril Lavigne zwar kommerziell erfolgreich, aber was die Ideen angeht eher ratlos zwischen Pop und Rock verheddert, haben die Produzenten bei Natasha Bedingfield wieder mal alles richtig gemacht, ihr genau den Klang auf den Leib geschneidert, der momentan so viel Spaß macht: Ihr zweites Album kommt organisch daher, zitiert Reggae, erlaubt Bläsersätze und dicke, aber nie zu sehr technisierte Beats. Soundtechnisch dockt sie an den Tönen an, mit denen All Saints zuletzt Schiffbruch erlitten. Klar, eine Ecke näher am unbedingten Radiopop findet das schon statt.

Aber dass das nichts Schlimmes ist, zeigt der Opener "How Do You Do?", in dem sich ein extrem angezerretes Instrument, das bei dritten Hören zumindest vom Rezensenten als Ziehharmonika erkannt wird, einen guten Untergrund für die immer etwas angeraute Stimme der Londonerin gibt, die sich hier irgendwo zwischen R'n'B, HipHop und Pop bewegt. Sicher die beste Nummer des Albums, dass das folgende "I Wanna Have Your Babies" dieses Niveau hält, ist im höchsten Maße erstaunlich, liegt aber sicher vor allem an der Tatsache, dass der Beat auch hier so hochgeschraubt wurde, das man einfach mitgehen muss, wenn man auch nur ansatzweise Rythmus besitzt. Nur folgerichtig, dass der Song zur Single gemacht wurde.

So bleibt die 25-Jährige immer dann am besten, wenn sie ein bisschen aufs Gaspedal drückt - ganz einfach, weil Bedingfield nicht zuletzt wegen des immer leicht synkopierten Beats dann fast ein bisschen nach der Straße, fast ein bisschen schmutzig klingt. Dass da mit Greg Kurstin einer die Finger im Spiel hatte, der zuletzt das Album von Fräuleinwunder Lily Allen pimpte, verwundert ebenso wenig wie die Zusammenarbeit mit Adam Levine von Maroon 5. Und auch den ruhigen Stücken tut das gut: "Say It Again" würde ohne Beat sicher versumpfen - so ist genau der Gegensatz zwischen dem etwas harschen Groove, der Sixties-Orgel und Bedingfields facettenreicher Stimme der Motor, der Spannung schafft.

Es ist klar, dass nicht all diese Songs die Qualitäten halten. Wenn sich Bedingfield zu sehr am Soul und an US-Produktionsangewohnheiten anlehnt, versinkt sie in einer gewissen Mittelmäßigkeit, was Songs wie "When You Know You Know" und das folgende Interlude oder das sich wirklich mit Vollgas gegen die Wand schmalzende "Still Here" leider unterstreichen. Vielleicht liegt das daran, dass Natasha Bedingfield dann nicht mehr nach London, nicht mehr nach England, nicht mehr nach Europa klingt. Und genau das ist eben ihre große Stärke.

Jochen Overbeck


Datum: 14.05.2007

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