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Pet Shop Boys

"Am Ende bleibt man da, wo man hingehört"

Band Pet Shop Boys

(tsch) "Irgendwo zwischen Chemmnitz und Düsseldorf", so sagt Chris Lowe von den Pet Shop Boys, seien sie gerade. "Hübsche Landschaft, wirklich. Wir sollten hier ein bisschen bleiben", fügt er an. Zusammen mit Neil Tennant ist dieser Tage in Deutschland unterwegs, um die Songs des letzten Studio-Albums "Fundamental" live zu performen - und so ganz nebenher eine Werkschau über das durchaus umfangreiche Schaffen der Londoner Pop-Legenden zu zelebrieren. Die gibt's übrigens auch als DVD - das Konzert, das die Band am 14. November im rappelvollen Auditorio Nacional in Mexico City gab, wurde mitgeschnitten und ist seit diesen Tagen im Handel erhältlich.

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teleschau: Ihr seid mittlerweile seit einem dreiviertel Jahr mit "Fundamental" unterwegs - wird's schon langweilig?

Chris Lowe: Nein, weil sich ja immer ein bisschen was ändert. Wir haben schon ab und an ein wenig an der Setlist geschraubt, mal einen neuen Song rein- und einen anderen rausgenommen. Wir arbeiten mit anderen Filmen, und spielen, auch wenn das jetzt nach einem Klischee klingt, jeden Abend vor einem andern Publikum!

teleschau: "Cubism" wurde in Mexico City mitgeschnitten - das ist traditionell ein gutes Pflaster für Euch.

Lowe: Ja, wobei man das nicht überbewerten darf. Wir haben eine sehr aufwändige, sehr lebhafte Show. Und am Ende ist eigentlich jeder am Feiern, egal auf welchem Kontinent. Aber richtig, in ganz Südamerika ist das Publikum fantastisch, auch in Argentinien und Brasilien. Wir haben das Konzert in Mexico City vor allem deshalb gewählt, aber auch noch aus einem Grund, der nicht so nahe liegt. Auf dem europäischen Kontinent werden wir immer für sehr britisch gehalten - dass wir in einem Land wie Mexiko so enorm erfolgreich sind, überrascht vielleicht den ein oder anderen.

teleschau: Zumal die Optik eine nicht sehr südamerikanische, sondern eher kühle, eher spartanische ist. Ein großer, teilbarer Würfel, Licht, Tänzer. Was ist das Konzept hinter dieser Tour?

Lowe: Wir haben bei dieser Tour mit der gleichen Bühnendesignerin zusammengearbeitet, die schon bei unserem Broadway-Musical "Closer To Heaven" dabei war. Sie entwickelte den Würfel. Ein Modul, das man auffalten und wieder zusammensetzen kann, das als Hintergrund dient, aber auch als Leinwand, als Transporträger für Licht und sogar als Ort, in dem man auftreten kann, das war die Grundidee. Ein anderer ganz wichtiger Punkt war das Spiel mit der Identität. Da standen eben drei verschiedene Versionen von uns, identisch angezogen, aber zwei waren naturgemäß nicht wir. Die Idee, Leute zu verwirren und die Show mit Doubles zu eröffnen, gefiel uns gut. Es ist einfach ein wahnsinnig starkes Bild.

teleschau: Es ist auch das Gegenteil des üblichen Rockstar-Prinzips. Ihr seid am Anfang der Show keine Individuen ...

Lowe (lacht): Naja, leider schon. Wir sind die alten Typen, die anderen sind nur so gekleidet wie wir, sind aber viel jünger. Bei einigen der Konzerte stehen übrigens auch Leute im Publikum, die so gekleidet sind, wie wir. Das ist sehr schön, wenn das Konzept der Show sozusagen die Bühne verlässt.

teleschau: Wenn Du zurückblickst - welche Tour war Eure spektakulärste?

Lowe: Sicher die zu "Performance", Anfang der 90er-Jahre. Das war wirklich eine Materialschlacht mit einem unfassbar komplizierten Set und sehr vielen Mitwirkenden. Damals hatten wir alleine zwei Leute, die sich um die Perücken gekümmert haben. Es war ein Abenteuer, übrigens auch ein finanzielles. Wir haben ein Vermögen verloren. Heute gilt die Agenda: Wir wollen eigentlich kein Geld mit Konzerten verlieren, das ist einfach nicht Sinn der Sache.

teleschau: Ihr spielt fast alle alten Hits - ist es schwierig, für so eine Welttournee ein Programm zu finden, das jeden Zuschauer begeistert?

Lowe: Da machen wir uns keinen Kopf. Ich bin irgendwann mal rüber zu Neil gefahren, da haben wir uns dann vor den Rechner gesetzt und einfach mal sein iTunes angeschmissen und geschaut, was wir so haben. Es gibt für gewöhnlich nur eine Bedingung: Wir wollen insgesamt ein anderes Set als auf der letzten Tournee spielen. Das neue Album war uns diesmal aber wirklich wichtig: "The Sodom And Gomorra Show" und "I'm With Stupid" mussten dabei sein.

teleschau ... und werden auf der DVD frenetisch abgefeiert.

Lowe: Ja, das war jetzt nicht die große Überraschung, wir wissen um die Stärke dieser Songs. Aber es war ein sehr schönes Gefühl, darauf erstmals Feedback zu bekommen. Das kriegst Du auf eine CD-Veröffentlichung eben nicht. Es war schön, zu sehen, wieviel Spaß es den Zuschauern machte.

teleschau: "Cubism" kommt mit einem Audiokommentar - was ist das für ein Gefühl, zwei Stunden lang über einen eigenen Auftritt zu sprechen?

Lowe: Ach, halb so wild. Du setzt Dich hin, da steht ein Mikro, und Du erzählst irgendwas. Es sollte wenigstens halbwegs informativ sein, ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen. Dabei waren wir diesmal nicht einmal betrunken. Bei der letzten DVD hatten wir Alkohol dabei, und das Ergebnis unterscheidet sich dann doch ein bisschen (lacht).

teleschau: Warum muss das deutsche Publikum auf den "Cube" verzichten?

Lowe: Der "Cube" war super, ganz klar. Das sind vor allem logistische Gründe. Nicht alle Bühnen sind groß genug, um damit zu arbeiten, in Hallen geht das leider oft nicht. Aber die Show ist trotzdem gut - langweilen muss sich keiner.

teleschau: Euer erstes Deutschland-Konzert der aktuellen Tour war in Berlin - eine Stadt, die Euch viel bedeutet.

Lowe: Berlin ist fantastisch. Kaum eine andere Stadt hat uns über die letzten Jahre so begleitet und sich gleichzeitig so verändert. Als wir zum ersten Mal dort spielten, stand noch die Mauer, das muss man sich mal vorstellen. Seitdem ist die Stadt einem ständigen Wandel unterworfen, an allen Ecken und Enden wird gebaut. Es war sehr schön, dort zu spielen und auch einige Tage frei zu haben. Wir hingen im Tiergarten rum, saßen in Straßencafés am Kurfürstendamm - und das alles bei herrlichem Wetter. Wir hatten Glück, tags darauf kam der große Regen.

teleschau: Bald ist die Tour vorbei - plant ihr schon das nächste Studioalbum?

Lowe: Gott bewahre, darüber haben wir uns wirklich noch gar keine Gedanken gemacht. Ich brauche auf jeden Fall erst mal eine Pause. Vielleicht haue ich erst Mal nach Ibiza ab oder so. Ich habe auch meine Freunde ewig nicht mehr gesehen und deshalb da so einiges abzuarbeiten.

teleschau: Wo lebst Du gerade?

Lowe: Eine gute Frage! Nirgendwo! Ich habe mein Anwesen in London letztes Jahr verkauft und trage sozusagen alle meine Habseligkeiten in Koffern herum (lacht). Ich muss mir echt was Neues suchen und würde eigentlich ganz gerne in London bleiben. Aber ich weiß nicht, ob Du die Immobilienseiten liest - es ist wirklich schwierig geworden. London ist die teuerste Stadt der Welt. Also ist es objektiv gesehen totaler Unsinn, da was zu kaufen. Aber ich wohne seit den 80er-Jahren dort. So gerne ich Berlin oder auch New York mag: Am Ende bleibt man da, wo man hingehört.

Tourdaten Pet Shop Boys:

13.05., Wolfsburg, Volkswagen-Arena

14.05., München, Zenith

15.05., Zürich, Volkshaus

17.05., Hamburg, Stadtpark

20.05., Stuttgart, Liederhalle

Jochen Overbeck


Neil Tennant und Chris Lowe (rechts) sind die Pet Shop Boys.
Neil Tennant und Chris Lowe (rechts) sind die Pet Shop Boys. (EMI)

Schillernde Farben: Neil Tennant auf der "Cubism"-Tour.
Schillernde Farben: Neil Tennant auf der "Cubism"-Tour. (Warner)

Ein multifunktionaler Würfel spielt bei "Cubism" die Hauptrolle. Mit im Bild: Neil Tennant.
Ein multifunktionaler Würfel spielt bei "Cubism" die Hauptrolle. Mit im Bild: Neil Tennant. (Warner)

Datum: 14.05.2007

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