Reportagen und Hintergrundberichte über Kino-Events; Porträts von Produzenten; Interviews mit Schauspielern und Regisseuren zu gesellschaftlichen Themen
Der große Glanz
Nur ein Thema schien noch wichtiger als Leonardo DiCaprio zu sein. Das Wetter. Denn diesmal fror man nicht nur, es bereitete einem womöglich gar körperliche Schmerzen. Berlin präsentierte sich ungeräumt, zentimeterdicke Eisschichten auf allen Straßen und Gehwegen sorgten für Voyeurismus der besonderen Art: Hinsetzen in eines der vielen Cafés am Potsdamer Platz und die Menschen dabei beobachten, wie sie mühsam die Balance zu halten versuchten. DiCaprio bewegte sich indes auf dem gefährlichen Terrain mit der erwarteten Sicherheit. Der Mann ist - keine Frage - ein Superstar, auch wenn er sich in den wenigen öffentlichen Auftritten nicht als solcher gibt.
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Die Berlinale gilt nun seit Jahren schon vor allem als Publikumsfestival. Kein anderes bietet so viele Karten, bei keinem anderen kommen die Fans so nah ran an ihre Idole. Hier treffen Hollywood und Kreuzberg ein ums andere Mal, nur getrennt von einem einfachen Zaun und zahlreichen Sicherheitsleuten, aufeinander. DiCaprio war einer der Stars. Shah Rukh Khan ein anderer.
Shah Rukh wer? Wird mancher fragen. Kaum einmal war der Andrang am bei den Fans längst bekannten Hinterausgang des Hyatt Hotels größer als bei dem 44-jährigen Bollywoodstar. Shah Rukh Khan fand denn auch lobende Worte den Deutschen gegenüber, würdigte deren "Sanftheit" und "Freundlichkeit". Nicht ausgeschlossen, so die Gerüchteküche, dass Indiens prominentester Kinostar demnächst zurückkehrt. Ein Dreh in Berlin soll noch in diesem Jahr vorgesehen sein. "My Name is Khan" heißt sein aktueller Film, der bei den Festspielen im Wettbewerb außerhalb der Konkurrenz lief und am 6. Mai in den deutschen Kinos startet.
Schon ab 1. April läuft "Greenberg", eine luftig-leichte Beziehungsdramödie mit Independent-Touch, fast ohne Slapstick-Momente. In der Hauptrolle: Ben Stiller, in seiner Heimat noch immer ein weit größerer Star als bei uns. Geschickt gab sich der 44-Jährige, mit modischer Brille und dezentem Bart, im Umgang mit der Presse und kokettierte mit seinem Image als einfacher Komödiant. Noch nie habe er mit einem Film an einem Wettbewerb teilgenommen, umso besonderer sei nun sein Besuch in Berlin für ihn.
Ewan McGregor und Pierce Brosnan kamen in die Hauptstadt, um ihren Politthriller "Der Ghostwriter" vorzustellen, bei dem Roman Polanski Regie führte und der auch bereits in den Kinos zu sehen ist. Polanskis Abwesenheit (er musste der Berlinale fernbleiben, da er wegen Missbrauchsvorwürfen in der Schweiz unter Hausarrest steht) prägte die öffentlichen Auftritte der beiden Darsteller. Kaum Platz also für den Humor, für den beide eigentlich bekannt sind.
Gekrönt wurde das Schaulaufen der Stars jedoch ohne Frage von Leonardo DiCaprio, dessen aktueller Film "Shutter Island" am 25. Februar in den Kinos startet. Es ist eine weitere Zusammenarbeit mit Martin Scorsese, die vierte insgesamt, sodass sich die Pressekonferenz sowie die wenigen Interviews, die DiCaprio gab, vor allem um die besondere Beziehung zwischen den beiden drehte. DiCaprio: "Ein Schauspieler wäre ein Narr, wenn er nicht die Chance wahrnehmen würde, mit Martin zusammenzuarbeiten. Er hat ein Gespür dafür, was Kino ausmacht und ist einer der größten Regisseure unserer Zeit". Ein Vertrauensverhältnis sei entstanden, was Scorsese untermauerte: "Leonardo ist ein außerordentlicher Schauspieler. Es ist wunderbar, wenn man seine Arbeit begleiten darf." Informationen zum privaten DiCaprio gab es wenig, sieht man von der Tatsache ab, dass Scorsese und DiCaprios Vater auf die gleiche Schule gingen.
Viel Interpretationsraum also für die Boulevardpresse, die sogleich über eine Verlobung in Berlin zwischen DiCaprio und seiner Freundin Bar Rafaeli spekulierten. Eine Vermutung, die inzwischen dementiert wurde, die aber das Fieber rund um den 35-jährigen "Titanic"-Star befeuerte. Eine Tatsache, die den Berlinale-Verantwortlichen wohl nur recht gewesen sein müsste. Denn wie schon seit Jahren ist es die Mixtur aus Glamour und Anspruch, aus Boulevard und Kultur, die den Reiz des einzigen deutschen Filmfestivals der A-Kategorie ausmacht.
Kai-Oliver Derks
Leonardo DiCaprio kam nach Berlin, um seinen Film "Shutter Island" vorzustellen. (2010 Concorde Filmverleih GmbH)
"Shutter Island" feierte bei den 60. Internationalen Filmfestspielen Berlin seine Weltpremiere, von links: Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley, Michelle Williams, Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio. (2010 Concorde Filmverleih GmbH)
Martin Scorsese gab den Fans bereitwillig Autogramme. (2010 Concorde Filmverleih GmbH)
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