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Jens Friebe In Hypnose

Jens Friebe In Hypnose

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Es ist einfach so: Wenn wir irgendjemanden aus diesem diffus abzugrenzenden Haufen, der sich deutsche Indieszene nennt, den Durchbruch gönnen, dann Jens Friebe. Nicht, weil er es unbedingt eher verdient als andere, vielmehr aus erzieherischen Gründen, weil wir den Menschen seine Musik ans Herz legen wollen. "In Hypnose" ist eine wichtige Platte - weil sie einen Weg geht, weil sie Geschichten erzählt, weil sie hilft, aber gleichzeitig sehr unterhaltsam ist. Und: Diese inhaltliche Größe wird musikalisch sehr angnehm und liebevoll illustriert. War der Vorgänger "Vorher Nachher Pictures" ein zwar viel versprechendes, aber wenig erklärendes Album, so erklärt sich "In Hypnose" von selbst, ohne auch nur eine Spur einfältig zu sein.

Friebe hat seine eigene Sprache gefunden. Er verzichtet auf übertriebene Verschlüsselungen, erzählt in seinen Liedern auf die gleiche Art und Weise, auf die seine Homepage gestaltet wurde: Vorhang auf für eine Show, bei der man mehr als nur Zaungast sein möchte. Weil sich da einer Gedanken über Dinge macht, die normalerweise nicht zu den bevorzugten Themenfeldern des deutschen Dreiminuten-Gitarrenpop sind. Natürlich, bei "10.000 Zeichen" ist das mit der allgemeinen Relevanz so eine Sache. Dass aber das moralisierende "Theke mit den Toten" bedeutend ist, steht wohl außer Frage. "Kaufhaus ist Paradies, Schlachthaus blutiges Verlies", singt Jens Friebe. Dogmatisches, das von den "Who Oh Oh"-Chören schnell aufgebrochen wird. Zu schnell, um zu irgendeiner Art von Diskurs zu führen - vor allem, weil anschließend "Jede Menge Ziele" eher diffuse Ablehnungsmechanismen transportiert.

Der schönste Song der Platte findet sich an zweiter Stelle: "Ich möchte Dir Bier, ich möchte Dir Schnaps geben. Nenn' mich Lawinenhund, ich suche Leben". Friebe singt hier über eine Art der Zuneigung, die unterbewertet und meistens als eher bedenklich angesehen wird, die aber fester Bestandteil der menschlichen Realität ist.

Popjournalismus, Fleischverzicht, Liebe: Friebe, dessen "Vorher Nacher Pictures" zumindest optisch einer Spielsammlung glich, hält die Augen nach wie vor offen. Musikalisch gibt er sich zugänglicher als früher, zelebriert eine Art Popmusik, bei der es nur noch selten Laptop-mäßig pluckert, sondern die nach Leben, nach Wärme, nach Bühne klingt, ohne gleich zur Verbrüderung aufzurufen. Denn immer noch wirkt der Kerl unnahbar, unkumpelig, und damit wie ein Gegenentwurf zum Niedlichkeitspop, der die Szene dominiert. Solche Leute brauchen wir.

Jochen Overbeck


Datum: 27.08.2005

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Diskussion: "Jens Friebe In Hypnose"

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