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Sophie Ellis-Bextor
Die Hochzeitsdisco-TänzerinSängerin Sophie Ellis-Bextor (tsch) Eine Weile war es ruhig um die Londoner Sängerin, die mit Hits wie "Murder On The Dancefloor" oder der DJ-Spiller-Hymne "Groovejet" um das Jahr 2000 herum das schönste Gesicht des Ibiza-Sounds darstellte. Sophie Ellis-Bextor, mittlerweile 28 Jahre alt, hatte eigentlich nie Lust, sich auf Clubsound und Dance-Kultur reduzieren zu lassen. Nach ihrem Disco-Debütalbum "Read My Lips", von dem 2001 über zwei Millionen Exemplare über die Ladentheke gingen, fand sie zwei Jahre später zu einem kantigeren Britpop-Sound. Das Album "Shoot From The Hip" hatte jedoch trotz ordentlicher Kritiken wenig Erfolg. Nach einer Babypause will die elegante Britin nun noch einmal angreifen. Ihre Waffe: eine Mischung aus Dance, Wave und Pop, gepaart mit mütterlicher Gelassenheit und einer gut geölten Muskulatur. Anzeige
"Songs zu schreiben, ist wie einen Muskel anzuspannen. Je öfter du es tust, desto besser klappt es." Mit diesem schönen Sinnspruch erläutert Sophie Ellis-Bextor, warum sie für ihr neues Album etwa 80 Songs schrieb, von denen wohlgemerkt um die 68 im Papierkorb landeten. "Ich habe sehr viele Produzenten ausprobiert und getestet, was ich mit diesen Leuten auf die Beine stellen kann. Dadurch kamen sehr viele Kooperationen zustande, die natürlich nicht alle zu etwas führten. Aber was soll's? Es gibt nichts zu verlieren. Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, dass man einen Tag zusammen im Studio verbringt und nichts dabei herauskommt." Ellis-Bextor hat die richtige Einstellung für einen Popstar, der die Massen erreichen will. Sie nimmt ihre Kunst nicht allzu wichtig, sieht deren Gegenwärtigkeit und ist dennoch mit Leidenschaft bei der Sache. Ihr neuer Sound ist eine Mischung aus alten Ibiza-Tagen, zeitgemäßem Elektro-Wave und cleveren Popträllereien im Stil der frühen Cardigans. Sie hätte durchaus das Zeug, mit akustischen Ohrenkriechern der Marke Madonna oder Kylie Minogue mitzuhalten. Die Melodien sind clever, die Produktion modern, am Underground sanft kratzender Mainstream und schließlich ist da noch diese bezaubernde Stimme. "Ich mochte schon immer Sängerinnen, die relativ natürlich klingen, klare Stimmen wie die von Julie Andrews. Ich wurde verglichen mit Chrissie Hynde, denn auch sie hat dieses Beiläufige und leicht Entrückte. Andere meinten, ich klänge wie Debbie Harry oder Nina Persson von den Cardigans. Das ist alles Musik, die ich mag. Die Vergleiche sind mir aber eher unangenehm - sie scheinen mir zu groß." Sophie Ellis-Bextor, die mit dem Bassisten Richard Jones von der britischen Band The Feeling verheiratet ist, genießt in Großbritannien den Status des Celebrity. Neben ihren Charterfolgen dürften auch Werbekampagnen und Modeaufnahmen dafür gesorgt haben. Die Tochter einer ehemaligen TV-Moderatorin der BBC liebt es, sich in geschmackvollen, divenhaften Posen fotografieren zu lassen. Und das, obwohl ihre erste Gruppe The Audience, der sie mit 16 als Sängerin beitrat, eine klassische Indie-Band war. Für die Engländerin ist diese biografische Unebenheit kein Widerspruch: "Ich mag klassische Porträt-Fotografie wie die von Richard Avedon. Sehr feminine, aber dennoch starke Posen. Ich finde Popstars toll, die etwas Überirdisches, Unerreichbares haben. Ich möchte nicht, dass meine Idole ganz normale Leute sind. Mystik, Campness, Bigger than live - das gefällt mir. Schon als kleines Mädchen schneiderte ich mir mein eigenes Oscar-Kostüm, das ich bei einer späteren Ehrung tragen wollte." Statt der Schauspielerei ist es nun die Musik geworden. Wobei Ellis-Bextor nach der Wendung vom Indie-Girl zur Ibiza-Königin und zurück nun wieder bei einer moderaten Form der Tanzboden-Kompatibilität angekommen zu sein scheint. Was muss man eigentlich tun, um ein Ibiza-Star zu werden? "Zunächst solltest du einen Hit haben, der in Ibiza in den Clubs läuft. Ich selbst bin da nur etwa zweimal aufgetreten, das hat Spaß gemacht. Aber ich gehe normalerweise nicht in solche Locations. Ich bin eher eine Hochzeitsdisco-Tänzerin. Da findet man ein bisschen Rock, Dance und Elektro - das ist die Mischung, die auch mir gefällt. Deshalb nenne ich mich ja auch Popmusikerin." Vieles muss stimmen, um mit Popmusik den Zeitgeist zu treffen: Der Song, die Produktion, der Star. Letztendlich geht es auch um Marketing-Budgets. "Es ist ein blödes Wort, aber natürlich ist dieses Album für mich so eine Art Comeback. Schließlich war ich ein paar Jahre weg." Angst oder Druck scheint diese junge Mutter und glückliche Ehefrau jedoch nicht zu empfinden. Vielleicht ist das die Entspanntheit einer Frau, die mittlerweile mehr hat als nur ihre Karriere. Was erwartet sie von ihrem dritten, vielleicht schwierigsten Album? "Ich habe keine Erwartungen, ich habe Hoffnungen", sagt sie und nimmt einen blond gelockten, dreijährigen Jungen auf den Arm, der in diesem Moment das Interview entschieden beendet. Sophies Sohn Sonny findet das Reden über Popkarrieren momentan wohl noch etwas langweilig. Eric Leimann |
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