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Erdmöbel No. 1 HitsAnzeige Eines vorweg: Der Rezensent gönnt Erdmöbel allen Erfolg der Welt. Wenn die Plattenfirma sagt, man sei stolz, eine der besten deutschen Popbands überhaupt unter Vertrag genommen zu haben, dann ist das ausnahmsweise kein dummes Gewäsch, sondern ein Satz, den man schon stehen lassen kann. Aber: Warum kommen die bitte jetzt erst drauf? Erdmöbel veröffentlichten in den letzten Jahren großartige Alben wie "Bad mit Delfinen" und "Altes Gasthaus Love", die auf wirklich einzigartige Art und Weise die Klugheit des Jazz mit der Federleichtigkeit von Sixties-Pop und einem gewissen Anspruch verbanden. "No. 1 Hits" ist weiß Gott keine schlechte Platte", aber eben ein Coveralbum und deshalb nicht unbedingt der geeingnete Einstieg in die Welt der vor über zehn Jahren gegründeten Erdmöbel. Denn der Charme der Band liegt nicht nur in der zweifellos vorhandenen Fähigkeit des Arrangierens und Interpretierens. Dier schreiben schon auch ziemlich gute Songs, und das merkt man auf "No. 1 Hits" naturgemäß nicht. So muss man sich als Hörer an den Übersetzungen festhalten, die Markus Berges zu den Originalen anfertigte und die ein durchaus gelungener Leitfaden zur angloamerikanischen Popmusik der Gegenwart sind. Bedeutet: Erdmöbel spielen sich durch alles, was einmal irgendwie erfolgreich war und passen ihre Vorgehensweise dabei kaum dem Standing des jeweiligen Songs an. Ein "Smells Like Teen Spirit" wird mit der gleichen Genauigkeit umgeschrieben und umarrangiert wie "The Road To Mandalay" von Robbie Williams oder der Procul-Harum-Schleicher "A Whiter Shade Of Pale". Dass sich dem Nirvana-Fan bei "Riecht wie Teen Spirit" die Zehennägel kräuseln, dürfte klar sein, und in der Tat fällt der Song im vergleich zu der vor wenigen Monaten veröffentlichten Patti-Smith-Version deutlich ab. Spannend ist's trotzdem, wie die Tuba sich etwas windschief durch die Hookline bläst und alle Aggression mit chirurgischer Genauigkeit entfernt wird. Höhepunkte sind freilich andere Stücke: "Einer wie wir", die Übersetzung des Joan-Osbourne-Songs "One Of Us" irritiert mit ihrem gleich mal mit übernommenen Sendungsbewusstsein ("Ja, ja, Gott ist groß"). Der Crash-Test-Dummies-Song "Mmm mmm mmm mmm" wird zu einem nett anzuhörenden "Da war mal ein Junge." Eher überflüssig sind das zu augenzwinkernd swingende "Das Modell" (Kraftwerk) und "Der Weg nach Mandalay". Licht und Schatten, also, zusammengehalten durch eine konzeptionelle Klammer. Bleibt zu hoffen, dass bald eine Platte mit eigenen Songs folgt. Jochen Overbeck |
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