|
Anzeige: |
Martin Scorsese
"Wir müssen verstehen ..."(tsch) Jetzt hat er ihn. Endlich. Den lang ersehnten Oscar, den er im Februar für "Departed" erhielt. Aber Martin Scorsese (64) will mehr sein als ein preisgekrönter Regisseur. Er ist auch ein Filmfan mit großer Sammelleidenschaft und einer wichtigen Mission: Mit der "World Cinema Foundation" hat er es sich zum Ziel gesetzt, Filme aus allen Ländern der Welt zu restaurieren und sie einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Wie wichtig die Filmrestaurierung und Archivierung ist, zeigte sich Scorsese zum Beispiel bei dem Versuch, an eine Filmkopie von Luchino Viscontis "Il Gattopardo" (1963) heranzukommen - und das ist ein Klassiker! Von den vielen älteren und unbekannten Werken rund um den Globus gar nicht zu sprechen. Ende Mai präsentierte Martin Scorsese bei den Filmfestspielen in Cannes das Projekt und stellte seine Mitstreiter vor. Der türkischstämmige deutsche Regisseur Fatih Akin zeigte sich sofort begeistert von der Chance, bei solch einer Idee mitarbeiten zu dürfen. Unterstützer sind zudem Wong Kar-Wai sowie der Jurypräsident der Filmfestspiele 2007 in Cannes, Stephen Frears. An der Croisette stellte sich Scorsese den Fragen zu seinem Filmrettungs-Projekt und zur Zukunft des Kinos.Anzeige teleschau: Warum ist es für Sie so wichtig, Filme zu retten und wieder zugänglich zu machen? Martin Scorsese: Durch Filme beeinflussen nicht nur wir Regisseure uns gegenseitig. Sie öffnen auch die Tür zu anderen Kulturen und bringen uns dazu, andere besser zu verstehen - das Gefühl von Fremdheit zu überwinden. Wir leben in einer sehr gefährlichen Zeit, in der wir unbedingt mehr über andere Kulturen lernen sollten. Und wir müssen verstehen, dass wir im Grunde alle gleiche Bedürfnisse haben. teleschau: Gibt es ein Vorbild für die World Cinema Foundation? Scorsese: 1990 gründeten andere Regisseure und ich bereits die "Film Foundation", um in den USA Filme zu retten. Seitdem habe ich mit gewünscht, das auch international zu tun. Anfragen zur Restaurierung erhielt ich schon viel früher. Mir schrieben Mitarbeiter der Mexikanischen Cinemathek: "Bitte helft uns, unsere Filme verlieren die Farben und gehen kaputt." Damals konnte ich nichts ausrichten. teleschau: Wie genau wird die Arbeit der World Cinema Foundation aussehen? Scorsese: Die Vertreter der einzelnen Länder müssen sich jetzt an ihr Erbe erinnern und recherchieren, um die Filme überhaupt zu finden. Dann wird geprüft, in welchem Zustand sich die Filme befinden und was die Restaurierung kosten würde. Das übernehmen professionelle Restaurateure und Labore, die ein perfektes Netzwerk bilden. Einer ihrer Erfolge war zum Beispiel, nach der Auflösung der UdSSR in Tschechien einen neuen Soundtrack für einen Fritz-Lang-Film aufgetan zu haben. teleschau: Das britische und italienische Kino hat Sie sehr beeinflusst. Könnten Sie sich vorstellen, in diesen Ländern selbst auf die Suche zu gehen? Scorsese: Wenn ich mich dem Erbe dieser Filmländer widmen würde, bestünde die Gefahr, zum Filmkritiker zu werden. Das will ich aber nicht. Ich bin ein Filmfreund. Das können andere besser. Außerdem fehlt mir die Zeit. Ich bin sowieso schon Vollzeit mit der Foundation beschäftigt. teleschau: Welche Rolle spielen die Hollywood-Studios und Filmproduzenten bei der Arbeit ihrer Foundation? Scorsese: Es ist wie so oft - was kein Geld mehr bringt, wird vernachlässigt. In den USA sind 90 Prozent aller Stummfilme verloren und von den Filmen bis 1950 sind 50 Prozent nicht mehr vorhanden. Die Hollywoodstudios sind die Besitzer der Filme, und es ist für die Film-Archivare nicht einfach, überhaupt zu erfahren, was sie haben. Zudem halten sie es für ihr gutes Recht, die Filme wegzuwerfen, wenn sie sie nicht mehr benötigen. Dabei sind sie doch nur Wächter eines Erbes. Unsere Idee mit der Foundation war es, zwischen den Studios und den Film-Archiven zu vermitteln. teleschau: Wo werden die restaurierten Filme zu sehen sein? Scorsese: Das Filmfestival von Cannes ist der Platz, an den jeder kommt. Also werden wir die Werke jedes Jahr hier zeigen und dann damit in die Kinos gehen. Eine andere Möglichkeit ist ein Festival nur mit restaurierten Filmen. teleschau: Wie viel Geld benötigt die World Cinema Foundation? Scorsese: Unser Ziel ist es, zwischen 20 und 30 Millionen Euro zu bekommen, um die Foundation eine Dekade lang erhalten zu können. Wenn das nicht gelingen sollte, haben wir auf jeden Fall ein Sponsoring für fünf bis sechs Jahre. teleschau: Ist es dann die nächste Aufgabe, das Kino, wie wir es kennen, zu retten? Scorsese: Es wird sicher immer das Bedürfnis geben, eine Erfahrung in der Gruppe zu machen. Wie die Filme letztlich gezeigt werden, das ändert sich. Bisher war Zelluloid üblich, jetzt wird es digital. Aber das bleibt sicher nicht das Letzte. teleschau: Was halten Sie von modernen Produktionen, die lieber andere Filme zitieren als sich aufs Leben zu beziehen? Scorsese: Von meiner Generation, den "movie brats", wurde auch gesagt, dass wir uns nicht aufs wahre Leben beziehen würden. Das ist aber nicht wahr. Manche Dinge, die ich aus Sizilien kannte und in meinem Viertel in den Mietshäusern von New York erlebt habe, konnte ich - bis einige Leute vor zehn bis 15 Jahren gestorben sind - nicht offen sagen. Manches auch bis heute noch nicht. Also packte ich es in einen Film. Ähnlich ging es Spielberg, der als einer von 200 Juden in Phoenix Arizona aufwuchs. Er transferierte seine Erlebnisse in andere Welten. Wenn Filme jedoch nur den Stil und Inhalte anderer zitieren, werden sie so schnell vergessen sein wie das Popcorn, das man im Kino gegessen hat. Manchmal jedoch kann der Bezug auf schon Produziertes nicht vermieden werden. Das gilt übrigens auch für meine neue Rolling-Stones-Dokumentation. Diemuth Schmidt |
| Peter Bogdanovich | |
| Vier Stunden Dokumentarfilm, und jede Sekunde ist fesselnd: Peter Bogdanovich erzählt mit "Runnin' Down A Dream" die Geschichte von Tom Petty And The Heartbreakers. Der mittlerweile 68-jährige Filmemacher ... | |
| Nicolette Krebitz | |
| Qualität will sie liefern. Ihr Film sei kein Werbespot, erklärt eine in schwarze Strickjacke und schwarzen halblangen Rock gewandete Nicolette Krebitz im Gespräch. Oberflächlichkeit ist ihr ein Graus, ... | |
| David Cronenberg | |
| David Cronenberg ist erkältet: Seine Nase läuft, seine Stimme ist rau und wirkt gebrechlich. Ein seltenes Bild des Mannes, der mit seinen starr in die Höhe ragenden grauen Haaren schon als "Baron des Blutes" ... | |
| Marc Forster | |
| Frage: Wie kamen Sie zu diesem Film? Forster: Ich habe „Drachenläufer“ 2003 zum ersten Mal gelesen. Rebecca Yeldham, eine der Produzentinnen, gab es mir und wollte mich an Bord holen. Zu diesem Zeitpunkt ... | |
| Mike Nichols | |
| Mit seinen 76 Jahren hat Mike Nichols fast verlernt, deutsch zu sprechen. Der in Berlin geborene Filmemacher wanderte 1939 als Kind mit seinen Eltern nach Amerika aus und wurde dort zu einem der wichtigsten ... | |
| Gangs of New York | |
| Sie mögen sich, keine Frage. Schon drei Mal waren Regisseur Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio als Team erfolgreich. Nun steht nach "Gangs of New York" (2002), "Aviator" (2004) und "The Departed" (2006) ... |