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Revolverheld
Die Männer mit dem LuxusproblemBand Revolverheld (tsch) "Wir wurden von den Zahlen überrollt." Johannes Strate, Sänger bei Revolverheld, zieht Bilanz. Nachdem sich das Debütalbum seiner Band über 160.000-mal verkaufte, wollen die Nordlichter nachlegen. "Chaostheorie" heißt der Zweitling, der ein weiteres Mal offensiven Deutschrock zelebriert. Kristoffer Hünecke, der Gitarrist der Hamburger Combo, versucht sich an einer Erklärung für das Phänomen Revolverheld: "Es ist nicht selbstverständlich, mit der ersten Scheibe gleich solch einen Erfolg zu haben. Doch meist wird vergessen, dass wir nicht erst seit zwei Jahren als Band existieren. Eine lange Zeit harter Arbeit ist dem ganzen Hype vorangegangen." Anzeige
"Du musst dir einfach den Arsch abspielen." Johannes Strate bringt die Revolverheld-Philosophie auf den Punkt. Seit 2003, als zum ersten Mal in der bis heute aktuellen Besetzung geprobt wurde, erarbeiteten sich die Jungs konsequent ihren Ruf als Band mit jeder Menge Live-Qualitäten. Erst wurde der Norden erobert, später folgte der Rest von Deutschland. Auf das fleißige Touren führt Kristoffer auch den zweiten Platz hinter der Berliner Dancehall-Combo Seeed beim Bundesvision Song Contest im Februar 2006 zurück. "Viele sagen, dass wir durch den BVSC berühmt wurden. Doch das ist Quatsch. Um dort mithalten zu können, musst du dir im Vorfeld bereits eine Fan-Base erspielt haben." Als reine Newcomer-Band hätte dort niemand eine Chance. Das Debüt-Album "Revolverheld" stieg nach dem Auftritt in der Stefan Raab-Show noch einmal von Platz 87 in die Top Ten ein, "und zu jedem Auftritt kamen noch einmal ein paar hundert Leute mehr", wie Johannes stolz hinzufügt. Und nun, mit "Chaostheorie" im Gepäck, wollen sie ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen. Das gesamte letzte Jahr, auch während des Tourens, schrieben die Jungs an Songs, testeten zum Teil neues Material bereits live, bevor sie sich im Studio an die Arbeit machten. "Wenn wir erst dann mit dem Komponieren neuer Titel angefangen hätten, als die Plattenfirma das zweite Album produzieren wollte, hätten wir Panik geschoben." Kristoffer schlüpfte zusammen mit Niels Grötsch, dem zweiten Gitarristen der Band, ein weiteres Mal in die Produzenten-Rolle. Nichts überließen Revolverheld dem Zufall. "Als wir ins Studio gingen, um das Material einzurocken, hatten wir sogar zu viele Titel - ein echtes Luxusproblem." Johannes freut sich noch im Nachhinein über die entspannte Arbeitsweise. Das zweite Werk sei konsequenter und textlich reifer. "Es ist nicht mehr ganz so prollig", findet Johannes, der in eine Musiker-Familie hineingeboren wurde. Die Mutter ist Pianistin und der Vater als Sänger und Gitarrist unterwegs. Viele Band-interne Diskussionen hätten die Arbeit an "Chaostheorie" begleitet. "Wir sind beide etwas überehrgeizig", erklärt Kristoffer lachend. Nicht zur Debatte stand jedoch, in Englisch zu singen. "Selig hat uns damit angefixt", gesteht der Gitarrist. "Wir wandten uns nie von unserer Muttersprache ab, hörten gleichzeitig aber viel amerikanischen Rock. Revolverheld ist das Ergebnis aus der Mischung dieser beiden Einflüsse." Für die Nordlichter war es ein Anliegen, auf ihrem Album offene Kritik an Shows wie "DSDS" zu üben. In Titeln wie "Superstars" und "Hallo Welt" greifen sie unverhohlen die Mechanismen des Casting-Karussells an, "auch wenn wir bei Sony unter Vertrag sind und das gleiche Label auch Alben solcher Künstler herausbringt", erklärt Johannes. Da werde mit Träumen gespielt und das Gefühl verbreitet, ohne ein Star zu sein, sei niemand mehr etwas wert. "Das ist wie bei einem Autounfall, wenn alle stehen bleiben und gaffen." Doch irgendwann, so ist sich der Frontmann sicher, sei so ein Störfall beseitigt und das Interesse an diesen Künstlern Geschichte. Revolverheld sind bereits jetzt mehr als eine schnelle Nummer in der deutschen Musikszene. "Chaostheorie" wird dafür sorgen, dass sie weiter in den Charts und auf den Bühnen dieses Landes vertreten sind. Zudem gefällt den ehemaligen Kulturwissenschaftsstudenten Kristoffer und Johannes das Leben als Rocker verdammt gut: "Wir machen weiterhin das, was jeder Student macht: Wir feiern Partys, haben jede Menge Spaß und müssen nur ab und an härter arbeiten als so mancher Akademiker-Anwärter", erklärt Johannes. Die gängigen Klischees über den Rock'n'Roll-Lifestyle hätten sich in den vergangenen Jahren nur zum Teil bestätigt. "Ich kenne kaum deutsche Bands, die Drogen nehmen. Doch Sex gibt es jede Menge in diesem Business." Julia Köhler |
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