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Apocalypto

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Das Gemetzel erfüllt die Erwartungen, die Brutalität überrascht nicht - wo Mel Gibson als Regisseur draufsteht, ist immer ein ähnlicher Mel Gibson drin. Der Australier polarisiert und hat keine Scheu vor drastischen Bildern, die das Leiden ausdrücken und die Gewalt visualisieren. Blut ist eben rot, und es fließt oder spritzt, wenn Menschen sich die Köpfe einschlagen. Also wird auch in "Apocalypto" (2006), wenn die Protagonisten nicht gerade wie wild durch den Urwald rennen, vor allem gehauen und gestochen. Das für den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominierte Schlachtfest, das in den deutschen Kinos mit nur gut 200.000 Besuchern deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, ist jetzt auf DVD erhältlich.

Mel Gibson zügelt seine Lust an exzessiven, hitzigen Bildern kaum, sodass seine furiose Expedition ins Innere des zum Untergang geweihten Maya-Reiches zwar anstrengend ist, aber auch in keiner Sekunde langweilig wird. Es gibt gute Naturburschen, die in so perfektem Einklang mit sich und der Natur leben, dass es fast schon unwirklich ist. Es gibt Krieger, die richtig böse, hinterhältig, zerfressen vor Neid und Geltungssucht sind. Es gibt Liebe, und es gibt Hass. Und es gibt eine Handlung, die so einfach wie nachvollzieh- und vorhersehbar ist. Der Film, beziehungsweise sein Protagonist "Pranke des Jaguars" (Rudy Youngblood) gehen von A, dem heimischen Dorf, nach B, der Stadt der Mayas, und zurück nach A.

Das reicht völlig aus. Und Gibsons Beschränkung darauf ist so konventionell, wie genial. Der Intellekt wird nicht überfordert, sodass alle Verarbeitungskapazitäten für die primären Sinne "sehen" und "hören" frei sind. Denn "Apocalypto" ist voll wilder Energie, der Film kommt nie zur Ruhe, gönnt sich keine Pausen, ist ständig in Bewegung. Es gibt kaum eine Einstellung in der die Kamera und damit das Publikum verschnaufen können. Es ist immer etwas los, es wird gejagt, gerannt, gemordet, geopfert, gekämpft und wieder gerannt.

Mel Gibson zeigt die Apokalypse einer Zivilisation, die auf der einen Seite hoch entwickelt, auf der anderen Seite aber archaisch und brutal geblieben ist. Bei Gibson wird dekadente Überheblichkeit mit faschistoiden Tendenzen - die Rede des Hohepriesters gipfelt in der Feststellung der Überlegenheit des eigenen Volkes - von Dürre, Pest und Sklaverei flankiert. Dieses Katastrophenkonglomerat, diese vier apokalyptischen Reiter, überlebt keine Zivilisation. Die Gefangenen sollen hier geopfert werden, einigen wird das Herz rausgerissen und der Kopf abgehackt - was natürlich wieder sehr plastisch dargestellt wird.

Die Dramaturgie ist ansonsten erzkonservativ, die Figuren sind lediglich erschaffen worden, um der historischen Vision des Regisseurs, seiner Schilderung der sündigen Verdorbenheit einer hoch entwickelten Zivilisation - eine Art Doku-Fiktion wenn man so will - das für die Aufmerksamkeitsspanne notwendige Leben einzuhauchen. Das Publikum soll dabei bleiben, soll fühlen und erleben. Gibson macht das mit simpel gestrickten Mustern und den grundlegensten Emotionen, zu denen ein Mensch fähig ist und schafft es gerade mit dieser Reduzierung auf ein einfaches Weltbild, einen Eindruck vom Leben in einer fernen Zeit an einem fremden Ort zu vermitteln.

Die temporeich geschnittenen, kraftvollen Bilder stellten auf DVD hohe Ansprüche an den Transfer. Nahezu verlustfrei übertragen, glänzen sie durch hohe Detailgenauigkeit und Schärfe auch in den hektischen Szenen. Ein pompöser DTS-Sound sorgt für die adäquate akustische Begleitung. Die DVD - sie erscheint im Steelbook - beeindruckt mit einem knapp einstündige Making Of, das auf spannende und unterhaltsame Weise viele Infos zur Filmentstehung vermittelt. Der Audiokommentar von Mel Gibson und seinem Co-Drehbuchautor Farhad Safina ist hingegen etwas fade.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,85:1 (anamorph)
sprachen Mayathan (DTS / 5.1)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Making Of; Audiokommentar Mel Gibson (Regie, Drehbuch), Farhad Safinia (Drehbuch)
laufzeit 133 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(USA 2006, R: Mel Gibson, D: Rudy Youngblood, Dalia Hernandez, Jonathan Brewer u.a.)


Mel Gibsons "Apocalypto" ist trotz extremer Brutalität und einfachem Strickmuster eine gelungene und kraftvolle Expedition in das untergehende Reich der Mayas.
Mel Gibsons "Apocalypto" ist trotz extremer Brutalität und einfachem Strickmuster eine gelungene und kraftvolle Expedition in das untergehende Reich der Mayas. (Highlight (Constantin))

Mit letzter Kraft versucht "Pranke des Jaguars" (Rudy Youngblood) zu fliehen.
Mit letzter Kraft versucht "Pranke des Jaguars" (Rudy Youngblood) zu fliehen. (Highlight (Constantin))

Die Schwangere "Sieben" (Dalia Hernandez) bangt um ihren verschleppten Ehemann.
Die Schwangere "Sieben" (Dalia Hernandez) bangt um ihren verschleppten Ehemann. (Highlight (Constantin))

Datum: 04.06.2007

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Diskussion: "Apocalypto"

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