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Speed Racer

Die Berliner Luft duftet nach Hollywood

(tsch) Das muss man Benno Fürmann lassen: Selbst wenn er Teil eines Multimillionen Dollar schweren Hollywoodprojekts ist, bewahrt er die Contenance. Er gibt sich gar als abgeklärter Profi, der seine Kollegen aus Amerika mit süffisantem Lächeln kurzerhand auf einen Road Trip durch Deutschland einlädt - jedoch nicht in seinem eigenen, sondern in einem Mietwagen. Eine gewisse Distanz muss schließlich gewahrt bleiben, ebenso wie die augenscheinliche Coolness, die der 35-jährige Vorzeigeschauspieler seine Kollegen spüren lässt. Dass sich Fürmann als Gastgeber sieht, kommt nicht von ungefähr. Hollywood ist einmal mehr ins Umland Berlins eingetroffen und dreht in den Filmstudios von Potsdam-Babelsberg den neuen Blockbuster der Wachowski-Brüder, deren Name seit der "Matrix"-Trilogie hinlänglich bekannt ist. Gerade haben die Arbeiten zu "Speed Racer" begonnen, einem Rennfahrerfilm mit Familienqualitäten und jeder Menge Action, der am 08.05.2008 in die Kinos kommen soll. Neben Fürmann spielen Jung- und Altstars nebeneinander, darunter Emile Hirsch, Christina Ricci, John Goodman und Susan Sarandon.

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"Mit sechs Jahren schon habe ich die Zeichentrickserie im Fernsehen gesehen und wollte selbst Rennfahrer werden", zeigt sich Hirsch von dem Projekt begeistert, das ihm den Aufstieg in die erste Hollywood-Riege ebnen könnte. "Ich bin privat im Straßenverkehr äußerst zurückhaltend und fahre erst los, wenn alle angeschnallt sind. Vielleicht macht mich der Film ja nun endlich zum Rennfahrer."

Bisher fiel der 22-Jährige neben "24"-Blondine Elisha Cuthbert in der schlüpfrigen Highschool-Komödie "The Girl Next Door" und in dem Gangsterdrama "Alpha Dog" neben Sänger Justin Timberlake auf, mit dem ihn seitdem eine enge Freundschaft verbindet. Freunde könnte der umgängliche Emile Hirsch nun auch in Berlin-Brandenburg finden: "Ich gehe jeden Abend in ein anderes Restaurant, probiere alles aus. Nur Blutwurst schmeckt mir ganz und gar nicht." Andere lokale Eigentümlichkeiten dagegen wie die fehlenden Tempolimits auf deutschen Autobahnen sind bei den Besuchern aus Übersee weniger verpönt: "Ich bin eine echte Raserin und verängstige ständig meine Mitfahrer", offenbart sich zum Beispiel Christina Ricci.

Doch geht es im Film, dessen Dreh vier Monate in Anspruch nehmen soll, nicht nur um die Raserei. Was der Weltpresse kürzlich präsentiert wurde, ließ erahnen, welche Vision den Wachowskis von der Zukunft des Rennsports vorschwebt. So wird der Zuschauer zwar in ein buntes Gemenge aus realitätsnahen Computeranimationen eintauchen, in dem die Schauspieler zumindest optisch zur Nebensache werden. Doch schimmern in der Erzählung über einen leidenschaftlichen Jungrennfahrer, der sich gegen Bestechungen durch übermächtige Rennställe wehrt und dadurch auf die Abschussliste gerät, durchaus kritische Kommentare zur Situation des Profisports und zur Macht der Wirtschaft.

Im Wesen des Films aber Globalisierungskritik zu erkennen, mag Politaktivistin und Filmveteranin Susan Sarandon (60) offenbar nicht unterstreichen: "Meine große G8-Protestzeit hatte ich während des Gipfels in Schottland." Der liegt bereits zwei Jahre zurück. "Außerdem stehen solche Treffen angesichts dessen, was in meinem Heimatland im Argen liegt, nicht an oberster Stelle auf meiner Prioritätenliste." Sagt's und lässt jegliche Hoffnung verkümmern, dass bei "Speed Racer" Inhalt über Ästhetik siegen könnte.

Das Setdesign ist dabei bemerkenswert gewöhnlich und gefällt sich in farbenfrohem Retrolook. Da nicht nur aus Kostengründen, sondern auch wegen der kreativen Möglichkeiten auf den Bau einer Rennwagenflotte verzichtet wurde, sondern die Wagen mit Ausnahme des Heldengefährts "Mach 5" allesamt am Computer entstanden, spielt sich der Großteil des Geschehens vor blauen Wänden ab, was auf den ersten Blick ernüchternd wirkt. Was der privilegierte Besucher erblickt, ist die stereotype Einrichtungswelt der 60er- und 70er-Jahre vor grenzwertigen Blümchentapeten. Das Haus des Helden als Nostalgiehorror? "Wir wollten keine spezielle Zeit abbilden, sondern haben uns einfach von den damaligen Trends inspirieren lassen", rechtfertigt sich Produktionsdesigner Owen Paterson, der bei seiner Führung keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es die Optik ist, auf die es im Film ankommt.

Gegen inhaltlichen Tiefgang spricht auch die deutlich kommerzielle Ausrichtung des Filmprojekts. Produzent Joel Silver ("Matrix", Stirb langsam") spricht bereits von einem "globalen Event" und liebäugelt schon mit diversen Fortsetzungen. Niemand im Film, so das Versprechen, soll getötet werden. Nichts ist also wichtiger als die harmonische Familientauglichkeit, wobei gemutmaßt werden darf, wie die dennoch auftretenden Schurken bestraft werden sollen.

Benno Fürmann darf den Inspektor geben, der sich für schwache, aber traditionsreiche Familienbetriebe im Renngeschäft stark macht, um sie gegen die skrupellosen Machenschaften weltumspannender Konzerne zu schützen. Hirsch und Ricci spielen das Liebespaar im Mittelpunkt: Der drahtige Speed tritt dem Bösen mit entwaffnender Sportlichkeit entgegen, und seine geliebte Trixie unterstützt ihn dabei mit herzerweichender Loyalität. Was den Film vom Anime-Original aus Japan unterscheiden wird, sind die visuellen Spezialeffekte, die größtenteils erst erfunden werden mussten - seit "Matrix" das übliche Prozedere bei einem Wachowski-Film.

Für Produzent Silver, der schon die Terror-Satire "V für Vendetta" mit den Brüdern in Potsdam-Babelsberg drehte, ist Deutschland eine ernst zu nehmende Alternative im internationalen Produktionsgeschäft: "Zwar kann man überall auf der Welt Unterstützung für Blockbuster-Produktionen finden, doch Babelsberg und Berlin haben uns besonders gefallen." In weniger weichen Kriterien ausgedrückt, liegt die steigende Attraktivität des Standortes Babelsberg daran, dass das Unternehmen internationale Produktionen mit wachsender Vehemenz umwirbt. Dementsprechend betont Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG: "Für uns ist es immens wichtig, auf Hollywood-Niveau zu arbeiten."

Hollywood giert nach Geldgebern, also beteiligt sich die Aktiengesellschaft häufig auch finanziell an den Projekten und sorgt damit für ein geringeres Finanzierungsrisiko aufseiten der amerikanischen Produzenten. Auch für die Deutschen hat das Vorteile: Bereits 2005 schrieb das Unternehmen erstmals schwarze Zahlen und freut sich seitdem über Gewinne in Millionenhöhe. Immer mehr Großprojekte werden im größten Studiokomplex Europas gedreht: Charlize Theron schwitzte für "Aeon Flux" in den Babelsberger Studios, Tom Cruise schlug hier Purzelbäume für "Mission Impossible 3", und Matt Damon war bereits das zweite Mal für "Das Bourne-Ultimatum" als Agent ohne Gedächtnis zu Gast.

Aber auch eine zunehmende Zahl anspruchsvoller Werke wird im Großraum Berlin gedreht: Kevin Spacey sang hier als Bobby Darin in "Beyond the Sea", und Paul Verhoeven drehte Teile seines Weltkriegsdramas "Black Book" am selben Ort. Es kommt also nicht von ungefähr, wenn Joel Silver ankündigt, gerne und häufiger wiederzukommen. Nun muss sich der Aufwand nur noch an der Kinokasse auszahlen.

Leif Kramp


Emile Hirsch darf in "Speed Racer" mal so richtig aufs Gas treten. "Ich bin privat im Straßenverkehr äußerst zurückhaltend und fahre erst los, wenn alle angeschnallt sind."
Emile Hirsch darf in "Speed Racer" mal so richtig aufs Gas treten. "Ich bin privat im Straßenverkehr äußerst zurückhaltend und fahre erst los, wenn alle angeschnallt sind." (2007 Warner Bros. Entertainment / Norbert Kesten)

Ein Hollywood-Star in Berlin: Susan Sarandon (60) spielt eine der Hauptrollen in "Speed Racer" der Gebrüder Wachowski.
Ein Hollywood-Star in Berlin: Susan Sarandon (60) spielt eine der Hauptrollen in "Speed Racer" der Gebrüder Wachowski. (2007 Warner Bros. Entertainment / Norbert Kesten)

Benno Fürmann vertritt die deutschen Farben in der internationalen Großproduktion.
Benno Fürmann vertritt die deutschen Farben in der internationalen Großproduktion. (2007 Warner Bros. Entertainment / Norbert Kesten)

Datum: 11.06.2007

Diskussion: "Speed Racer"

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