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Bon Jovi - Lost Highway

Bon Jovi Lost Highway

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Wer beim Titel "Lost Highway" befürchtet, Bon Jovi könnten auf ihre alten Tage noch zu psychedelisch-durchgeknallten Art-Poppern mutiert sein, kann sämtliche David-Lynch-Assoziationen getrost wieder vergessen. Selbstverständlich hat das neue Bon-Jovi-Album mit dem gleichnamigen Kultfilm nicht mehr gemein als eben den Titel. Und das klare Bekenntnis zur amerikanischen Landstraße und jenem damit verbundenen, für uns Europäer eher vagen Lebensgefühl, das im Bon-Jovi-Kosmos traditionell eine zentrale Rolle spielt. Die neuen Songs schmecken sogar wieder ein wenig mehr nach Staub, Benzin, Fernweh und dem Westen. Sie gehen, verglichen zum Vorgänger "Have A Nice Day", wieder ein bisschen tiefer hinein in die Gefilde der Country-Musik. Eine bodenständige Verortung, die Bon Jovi noch nie schlecht gestanden hat.

Was Bon Jovi da vom Stapel lassen, ist vor allem eines: grundsympathisch. Denn die Band macht erst gar nicht den Versuch, sich in puncto Härte, Schmalz und Hittauglichkeit noch ein weiteres Mal zu übertreffen und sich damit vielleicht auch allmählich ein bisschen selbst zu karikieren. Jon Bon Jovi, Richie Sambora, David Bryan und Drummer Tico Torres müssen sowieso keinem mehr etwas beweisen, also machen sie just das, worauf sie Bock haben.

Jetzt schalten sie halt mal einen Gang runter und cruisen einfach lässig drauf los. Ohne eigentliches Ziel. Ein bisschen links in die weite Landschaft gucken, ein bisschen rechts und dann - auf amerikanischen Highways kann man das - den eigenen Gedanken nachgehen. Nach genau einem solchen meditativen Trip klingt dieses Album: "Lost Highway" ist kein "Hammer-Album", keines, das die ganz großen Stadionhymnen am Fließband aus den Boxen feuert, sondern nicht mehr als relativ schlichter On-the-road-Rock mit einer gehörigen Country-Kante, einem ausgeprägten Live-Feeling und natürlich, wenn man sich erst mal richtig darauf einlässt, jeder Menge Hitpotenzial.

Bon Jovi wissen halt: Nur mit musikalischer Bodenständigkeit kann ein Titel wie "I Love This Town" nach einem aufrichtigen Bekenntnis klingen, nur mit Bodenständigkeit kauft man der Band die großen Weisheiten des Lebens ab: "It's okay to feel a little broken. Everybody's broken. You're allright", heißt es irgendwann zum allgemeinen Trost. Und wenn Jon Bon Jovi das zauberhafte Duett mit LeAnn Rimes "Till We Ain't Strangers Anymore" anstimmt, klingt die Liaison von Hardrock und Country so stimmig wie seit großen "Blaze Of Glory"-Zeiten nicht mehr. Ein Song, der nur noch von der - für Bon-Jovi-Verhältnisse geradezu kitschfreien - Ballade "(You Want To) Make A Memory" übertroffen wird. Die Einladung an das Mädchen, heute Nacht aus gutem Grunde ein wenig länger zu bleiben, kann man in keine treffenderen Worte packen. "Lost Highway" ist ein irgendwie ehrliches, ein durch und durch ­amerikanisches, ein erstaunlich akustisches, ein verdammt großartiges Bon-Jovi-Album!

Frank Rauscher


Datum: 11.06.2007

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