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Suzanne Vega

Manhattan Love Affair

Sängerin Suzanne Vega

(tsch) "Ohne diese Stadt kann ich nicht leben", gesteht Suzanne Vega. Die 47-jährige Musikerin aus Manhattan hat auf ihrem neuen Album weit mehr zu bieten als bloße Fortsetzungen von Titeln wie "Luka" und "Tom's Diner", die ihr zu Weltruhm verhalfen. Folglich steht auch nach sechs Jahren Pause bei "Beauty & Crime" einmal mehr ihre Heimatstadt im Mittelpunkt.

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teleschau: Was haben Sie in den vergangenen Jahren gemacht?

Suzanne Vega: Zunächst war ich auf Tour, dann habe ein paar Sachen verwirklicht, von denen ich immer geträumt habe. Außerdem arbeitete ich an der Radiosendung "American Mavericks" mit und schrieb ein paar Artikel für die "New York Times".

teleschau: Worüber schrieb die Journalistin Suzanne Vega?

Suzanne Vega: Über die Frage, ob Bob Dylan ein paar Texte eines Poeten aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs "entlehnt" hat. Man bat mich um meine Meinung, also habe ich sie dargelegt.

teleschau: Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Suzanne Vega: Bob hat sie geklaut! (lacht) Aber ich habe auch betont, dass er schließlich Bob Dylan ist. Dem steht es frei, zu tun und zu lassen, was er will. Dylan ist Freigeist und Künstler. Der Mann ist ein Outlaw und schreibt schließlich keine Dissertationen für die Uni. Und wenn er Textfragmente oder Metaphern nutzt, um sie in seine eigene künstlerische Arbeit einfließen zu lassen, ist das okay für mich.

teleschau: Es gab einen Artikel von Ihnen, der behandelte überhaupt kein musikalisches Thema ...

Suzanne Vega: Ich weiß, worauf sie anspielen! Ich schrieb einmal darüber, wie es ist, in New York Autofahren zu lernen. Ein Albtraum! Grauenhaft. Erst recht in Manhattan. Kein Wunder, dass dort alle nur Taxi oder U-Bahn fahren. Ich hasse Autofahren sowieso. Ich nutze ein Auto höchstens, um mich im Rückspiegel zu schminken (lacht).

teleschau: Auch Ihr neues Album "Beauty & Crime" dreht sich um das Leben in der großen Stadt. Aber was veranlasste Sie zu der musikalischen Behauptung "New York Is A Woman"?

Suzanne Vega: Alle Männer, die ich kenne, sind von dieser Stadt überwältigt! Auch Frauen mögen New York, aber nicht in dieser typisch männlichen Hysterie. Männer sind so aufgeregt, wenn sie über die Stadt reden, über die Geschichte, die Theater, all die Filme, die hier entstanden sind. Ich habe Geschäftsmänner getroffen, die sich wie kleine Kinder benahmen, wenn sie hierher kamen. Das brachte mich zu dem Schluss, dass New York zwar gefährlich und hart, aber auch wundervoll und weiblich sein muss.

teleschau: Wo finden Sie ihre Geschichten?

Suzanne Vega: Ich gehe einfach durch die Straßen und sehe und erlebe meine Stadt bewusst. Und ich denke darüber nach, was ich sehe. Ich speichere diese Erfahrungen ab, und so ist es am Ende immer ein Mix aus dem, was ich sehe, was ich erfahre, was ich höre und was ich mir vorstelle. Daraus erwachsen meine Geschichten.

teleschau: Nehmen Sie sich auch Zeit, einfach nur durch die Straßen zu schlendern?

Suzanne Vega: Ich habe kaum Zeit. Es ist vielmehr so, dass ich aus dem Augenwinkel heraus wahrnehme, während ich die Straße herunterhetze, um pünktlich zu einem Geschäftstreffen zu erscheinen. Da bin ich typisch Frau: "Verdammt, ich komm schon wieder zu spät!" (lacht)

teleschau: Sie erweisen mit "Edith Wharton's Figurines" der New Yorker Autorin (1862 - 1937, Anm. d. Red.) eine musikalische Referenz. Sehen Sie sich in ihrer Tradition, als Beobachterin des New Yorker Lebens?

Suzanne Vega: Ja, nur nicht so zynisch. Edith Wharton wuchs in einer privilegierten Gesellschaftsschicht auf. Sie hatte sozusagen einen Tribünenplatz, um die Ereignisse zu beschreiben, die sie sah. Meine Kindheit war anders. Meine ersten Erinnerungen reichen zurück zu unserer Wohnung in Harlem. Ich wollte unbedingt aufs College. Und ich wollte so klug sein, wie es geht, um ein Stipendium zu bekommen, denn mit vier Geschwistern war studieren bei uns undenkbar. Ich habe sicherlich nur wenig Verbindung zu Edith Wharton, aber es ging mir darum auszudrücken, dass sie mit ihren Novellen eine Botschafterin der Frauen ist.

teleschau: Was bedeutet Zuhause für Sie?

Suzanne Vega: Spazieren zu gehen, mich wohl zu fühlen, umherzulaufen, kein Auto zu brauchen! Zuhause bedeutet, ins Café unten an der Ecke zu gehen, meine Nachbarn zu kennen. Der Gedanke, dass ein Museum oder ein Theater nicht weit weg ist, beruhigt mich. Ebenso der Gedanke, dass ich meine Gesichtscreme um die Ecke bekomme. (lacht)

teleschau: Können Sie die Vorzüge einer Nachbarschaft nutzen? Müssen Sie nicht ständig Autogramme schreiben?

Suzanne Vega: Ich sehe zum Glück ganz anders aus als auf den meisten Fotos von mir. Deswegen wissen viele Leute nicht, ob ich es bin oder nicht. Sie sind sich nicht sicher und sprechen mich nicht an. So habe ich meine Ruhe. Oder ich werde für jemand anderen gehalten und angesprochen. Einige sagen, ich sähe aus wie Isabella Rossellini. Dann bedanke ich mich artig und gehe weiter.

teleschau: Vielleicht sollten Sie die Gesichtscreme wechseln ...

Suzanne Vega: Vielleicht! Aber es kommen auch einige Leute zu mir und sagen: "Ich mag ihre Musik." Das ist schon wundervoll.

teleschau: Wie hat sich Ihre Stadt nach dem 11. September 2001 in Bezug auf Patriotismus und Nationalismus entwickelt?

Suzanne Vega: Es gab eine Zeit lang starke Strömungen in diese konservative Richtung - in New York und landesweit. Was darauf folgte, war eine große Unzufriedenheit, wie sich die Dinge in Bezug auf den Irak-Krieg entwickelten. Heute denken viele Leute anders, sind gespalten darüber, was Patriotismus bedeutet, wie weit er reicht und reichen sollte. Es gibt sehr viel mehr politische Gespräche und öffentliche Diskussionen. Dieses Gefühl der Einigkeit der US-Bürger hielt nicht lange an.

Stefan Woldach


Suzanne Vega ist New Yorkerin durch und durch. Doch mit dem "Sex and the City"-Feeling hat ihre Aufarbeitung der Stadt in ihren Songs wenig zu tun.
Suzanne Vega ist New Yorkerin durch und durch. Doch mit dem "Sex and the City"-Feeling hat ihre Aufarbeitung der Stadt in ihren Songs wenig zu tun. (EMI / Albert Sanchez)

Lange war es still geworden um Suzanne Vega.
Lange war es still geworden um Suzanne Vega. (EMI / Albert Sanchez)

"Beauty & Crime" heißt das neue Album von Suzanne Vega.
"Beauty & Crime" heißt das neue Album von Suzanne Vega. (EMI / Albert Sanchez)

Datum: 11.06.2007

Diskussion: "Suzanne Vega"

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Artikel ID 186090

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