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Jeffrey Katzenberg

Zurück zur Menschlichkeit

(tsch) Ist die Wiederkehr des grünen Monsters aus dem Sumpf nun gelungen oder nicht? Die Kritik tendiert eher zum letzteren: "Shrek der Dritte" (Bundesstart: 21.06.) versagt, weil er komödiantisch und erzählerisch Schwierigkeiten damit hat, anzuschließen an seine beiden Vorgängerfilme. Doch wie schon bei verschiedenartigen Anlässen in der Filmgeschichte stehen die Chancen gut, dass die feuilletonistischen Einwände dem Publikum völlig schnuppe sind. Schließlich hat sich der beleibte Grünling als Marke etabliert und ist für die Kinobetreiber einer der wenigen so wichtigen Garanten für gute Umsätze an den Ticketschaltern. Keine andere Filmreihe aus der Welt der Animationskünstler hat bisher derart viele Kinogänger begeistert, kein unansehnliches Trick-Biest ähnliche Popularität genossen wie Shrek. "Er ist für mich zu einem Menschen geworden", öffnet dementsprechend Über-Produzent Jeffrey Katzenberg sein Herz und kündigt noch eine ganze Reihe weiterer Abenteuer mit seinem Liebling an.

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Doch mittlerweile sind die Fragezeichen größer geworden, ob sich die Geschichte nicht ausgekalauert hat. Nach dem fulminanten Original von 2001 folgte drei Jahre später eine Fortsetzung, die mit neuen Einfällen und Charakteren inhaltlich den Erfolg sogar noch steigern konnte, obwohl sich schon damals Kritiker zu Wort meldeten und Verweichlichungstendenzen erkannten. Ein Großteil der Kritik, vor allem zum jetzt in den Kinos startenden dritten Teil, fußt auf der natürlichen Aversion gegen kommerzielle Größe und Erfolg im Filmbetrieb.

Mit dem spektakulären Abgang Jeffrey Katzenbergs von der Disney-Bühne nach seinem Triumph mit "Der König der Löwen" hatten diejenigen, denen der harmonische Kurs des Trickfilmgiganten schon lange ein Dorn im Auge war, endlich einen Revolutionär entdeckt, der sich mit eigenen Konzepten und der selbstbewusst auftretenden Firma Dreamworks gegen den Goliath positionierte. Doch die zweifellos übertriebenen Erwartungen an Katzenbergs Projekte, ohne Unterlass mit allen Rohren, das heißt mit beißendem Witz und klugen Parodien auf den Klassenfeind zu feuern, musste irgendwann enttäuscht werden. Zumal es Katzenberg nach eigener Aussage nie um eine Rivalität mit Disney ging.

Die virtuellen Protagonisten der Shrek-Serie sind selbst zu Stars geworden, die nicht mehr nur gegen das Establishment, und sei es die Traditionen des animierten Erzählkinos, angehen können, wohl aber als Plüschfiguren oder Plakatware mittlerweile ebenso zur globalen Kinderzimmereinrichtung gehören wie Micky Maus und Donald Duck.

"Wo Disney lieb und süß ist, sind wir Rock'n'Roll", meint dagegen Benno Fürmann, der den Gestiefelten Kater spricht. Doch ob das so noch stimmt, ist fraglich. Als ein großer Teil der prominenten Shrek-Mannschaft kürzlich in Berlin zu Gast war, wurde auffällig oft von einer Vorbildfunktion gesprochen, die dem Film unterstellt wurde. Verantwortungsbewusstsein für Familie und Heimatland sei es, was gezeigt werden solle, betont auch Produzent Katzenberg. Und abgesehen davon, dass sich das ehemalige Paar Cameron Diaz (spricht Prinzession Fiona) und Justin Timberlake (spricht den Teenager Artie) auf dem Podium permanent neckte, gab es von den Hollywoodstars nur begeisterte Kommentare, wie viel Spaß ihnen die Arbeit gemacht habe und was es für eine Ehre sei, mit dabei sein zu dürfen bei einem solchen Erfolgsprojekt.

Shrek ist das geworden, auf was seine Macher von vornherein abzielten und nur die Träumer im Publikum stets zu verdrängen suchten: Ein weltweites Phänomen, das nicht mehr bloß giftig frotzeln darf, sondern der ganzen Familie, vor allem den Kleinen gefallen muss. Trickfilme, die allein für Erwachsene gemacht werden, haben noch nie funktioniert. Doch was ist falsch an Harmonie und Eintracht in der Familienunterhaltung? Der immer noch schier übermächtige Trickkonzern Disney dient Filmkritikern schon seither als dankbare Zielscheibe für Verwünschungen des Mainstream-Kommerzkinos. Längst ist die Walt Disney Corporation weit mehr als nur eine Metapher des Branchengoliaths. Der nimmermüde Medienkonzern betreibt neben dem traditionellen Filmstudio und den über den Globus verteilten Freizeitparks auch Fernsehsender und hat das Geschäft mit Family Entertainment in allen nur denkbaren Auswertungsketten nicht bloß geprägt, sondern sich seiner bemächtigt. Das muss, das will Katzenbergs Unternehmen Dreamworks Animation alles erst noch erreichen.

Das Studio Dreamworks, das Katzenberg gemeinsam mit Steven Spielberg und Musikmanager David Geffen gegründet hatte, wurde mittlerweile an den Paramount-Konzern verkauft, der seitdem die Produktionen Katzenbergs weltweit vertreibt. Dreamworks Animation dagegen ist weiterhin ein Einzelspieler im großen Feld der Filmkonglomerate. Im Gegensatz zum einzigen weiteren Independent-Studio Lionsgate, das sich auf kleinere Filmproduktionen spezialisiert hat, backt Dreamworks weitaus größere und kostenintensivere Brötchen: "Wir machen jedes Jahr zwei Filme, die jeweils bis zu 150 Millionen Dollar verschlingen und damit zu den teuersten des Jahres gehören. Wir sind Mainstream und sind stolz darauf", sagt Katzenberg.

Der 56-Jährige spricht von einer "spannenden Zeit", die vor ihm liegt. "Wir planen ein Broadway-Musical über Shrek und produzieren zwei Fernsehserien für Nickelodeon, basierend auf unseren Filmen. Beides ist Neuland für uns, genauso wie eine Eisshow, die wir mit einem europäischen Partner planen." Es wird also kein Entrinnen geben: Vor allem mit Shrek möchte die Dreamworks-Animation wachsen, vielleicht nicht zu der Größe Disneys, aber zu einem globalen Schwergewicht, an dem es im Animationsgeschäft kein Vorbeikommen gibt.

Der Produktionsplan ist voll: Bis 2010 soll es jedes Jahr einen neuen Trickfilmevent geben, darunter auch neue Shrek-Abenteuer. Dabei gibt Katzenberg zu, dass sich die Industrie selbst das Wasser abgräbt: "Was dem Animationsgenre schadet, ist nicht die wachsende Menge an Filmen, die in die Kinos kommen, sondern dass sich alle inhaltlich so sehr ähneln. In 2006 gab es entweder nur Fabeln oder Buddy-Movies zu sehen." Das habe teils eine ähnlich destruktive Wirkung gehabt, als wären mehrere James-Bond-Filme hintereinander gestartet. Er selbst habe den Trend angestoßen, weil er tierische Protagonisten für passender gehalten hatte als menschliche. "Dummerweise haben das auch viele andere erkannt", erklärt Katzenberg die Flut an gleichförmigen Trickfilmen.

So soll es nicht weiter gehen. Und weil ein Animationsfilm nun mal vier Jahre für seine Entwicklung benötigt, wird die geänderte Stoßrichtung noch einige Zeit auf sich warten lassen. Katzenberg setzt ganz auf Teamsport: "Das ist wie Fußball", erklärt er: "Unterschiedliche Talente ergeben ein Ganzes. Am Anfang war ich der Mannschaftskapitän. Dann zog ich mich in die Rolle des Trainers zurück. Und nun sitze ich in der Loge des Vereinsinhabers."

Dass er damit seinen Einfluss untertreibt, wissen seine Mitarbeiter nur zu gut. "Wenn Jeffrey Katzenberg etwas möchte, dann bekommt er es", witzelt Cameron Diaz und trifft damit doch den Kern. Katzenberg möchte Dreamworks wieder bissiger werden lassen: Als Nächstes kommen ein Bienenfilm mit Jerry Seinfeld und die Satire "Kung-Fu Panda" in die Kinos. "Wir werden das Animationsgenre neu erfinden", verspricht Katzenberg und kündigt eine Rückkehr zu menschlichen Helden an. Schließlich sei auch Shrek für ihn über die Jahre zu einem Menschen geworden, sagt's und lächelt. Für einen guten Freund riskiert man bekanntlich auch einiges. Wieso ihn also nicht noch ein paar mehr Abenteuer erleben lassen?

Leif Kramp


Erfolgsproduzent Jeffrey Katzenberg stellte in Berlin das neue Animationsabenteuer "Shrek der Dritte" vor.
Erfolgsproduzent Jeffrey Katzenberg stellte in Berlin das neue Animationsabenteuer "Shrek der Dritte" vor. (Universal Pictures Germany / Norbert Kesten)

Prominente Superstars wie Cameron Diaz (Bild) leihen den Figuren des Films im Original ihre Stimme. Auch in Deutschland wurden namhafte Schauspieler verpflichtet.
Prominente Superstars wie Cameron Diaz (Bild) leihen den Figuren des Films im Original ihre Stimme. Auch in Deutschland wurden namhafte Schauspieler verpflichtet. (Universal Pictures Germany / Norbert Kesten)

Esther Schweins spricht in der deutschen Fassung die Rolle der Fiona. In Berlin traf sie auf den "Shrek"-Schöpfer Jeffrey Katzenberg.
Esther Schweins spricht in der deutschen Fassung die Rolle der Fiona. In Berlin traf sie auf den "Shrek"-Schöpfer Jeffrey Katzenberg. (Universal Pictures Germany / Norbert Kesten)

Datum: 16.06.2007

Diskussion: "Jeffrey Katzenberg"

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