The White Stripes Icky Thumb
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Es gab ja eine ganze Menge Menschen, die die White Stripes zuletzt nicht mehr mochten. Ihr Vorwurf: "Get Behind Me, Satan" (2005) sei zu poppig, gewesen, zu weit weg vom Ursprung des Duos aus Detroit, Michigan. All die werden sich über "Icky Thumb" freuen. Nashville, wo weite Teile der Platte entstanden, hat ein bisschen seiner Simplizität auf das Duo übertragen. Meg und Jack klingen wieder nach Musikern, die rumpeln wollen, die keine Angst vor Anachronismen und keinen Bock auf die Postmoderne haben. Das ist im zehnten Jahr der Bandexistenz nicht gerade eine Überraschung, dass plötzlich so etwas wie Inhalte transportiert werden, schon eher.Im Titeltrack rotzt es Jack White raus: "White Americans, what? You got nothing to do? Why don't you kick yourself out, you're an immigrant too!" singt Jack zu einem recht sperrigen Monster, das sich irgendwo zwischen Blues, progressivem 70er-Rock und Blues positioniert und so ziemlich das Unentspannedste ist, was die White Stripes in den letzten, sagen wir mal fünf Jahren veröffentlichten. Ebenfalls eine nette Spielwiese: Das immerhin gute 50 Jahre alte "Conquest", in dem die Mariachi-Bläser zielsicher ausflippen und keinerlei Mühe haben, gegen die doch deftig arrangierten Gitarren zu bestehen. Monsterrock eben, und deshalb nah dran am alten Material. Die Weiterentwicklung findet sich hier eher in der Struktur als im Klang. Bester Song aud der lauten Seite ist sicher "Little Cream Soda", in dem sich der so typische Bluesrock mit Thrash-Metal kreuzt, bevo Jack White irgendwann irgendwas losnuschelt. Beeindruckender sind freilich die ruhigeren Momente des Albums: "You Don't Know What Love Is (You Just Do As You're Told)" ist eine traditionalistisch arrangierte Country-Ballade, in der auch die Blues-Gitarre Whites angenehm weit hinten bleibt und der Versuchung, den Song zu verhackstückeln, widersteht. Etwas irritierend ist indes die neue Liebe zum Dudelsack, der hier gleich zwei Lieder dominiert, von denen eines, "St. Andrew (This Battle Is In The Air)" wirklich nicht so einfach zu hören ist. Zum Glück versöhnen die beiden letzten Songs: "Cath Hell Blues" ist das, was der Titel impliziert, "Effect And Cause" eine fast klerikale, aber trotzdem kratzig inszenierte Beinahe-Ballade über Ursache und Wirkung.
Jochen Overbeck
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