Es schien eine ganze Weile so, als hätte Macy Gray ein bisschen den Anschluss verloren. In den letzten Jahren war es verdächtig still um sie - während Künstler wie Joss Stone und John Legend die Federführung in Sachen organischer R'n'B übernahmen und produktionstechnisch ein neuer Stil Einzug in den Mainstream fand, machte sie: gar nix. Eine Greatest-Hits-Compilation erschien vor gut drei Jahren, das war's dann aber auch schon. Jetzt erscheint "Big" - neuer Versuch, neues Label, neues Glück, denn: Macy Gray besinnt sich auf ihre alten Stärken.
Vom Selbsttzweifel - immerhin hieß die letzte Studiorille The Trouble With Being Myself" - ist dieser Tage wenig zu hören, was keinesfalls Arroganz und Überheblichkeit generiert: Macy Gray beherrscht den gepflegten Soulpop aus dem Effeff, und das liegt auch, aber nicht nur an ihrer wunderbaren Stimme. Sie schafft auf "Big" eine Gratwanderung, mischt den Vintage-Sound der Motown- und Stax-Acts der 60er-Jahre mit einem sehr zeitgemäßen Popappeal und vielen Kniffen im Songwriting - man beachte nur das fast schwebende und trotzdem so dick arrangierte "One For Me" oder das folgende"Strange Behaviour", in dem die Bläser geschickt Vuadeville und Marching Bands der 30er-Jahre anzitieren. Höhepunkt ist freilich "Get Out", der wohl modernste Track des Albums - geschrieben und mitproduziert von niemand Geringerem als Justin Timberlake.
Auch sonst sind es große Namen, die Gray verpflichten konnte. will.i.am von den Black Eyed Peas war der wohl wichtigste Mann, was Produktion und Songwriting angeht und gibt auf dem rauen "Treat Me Like Your Money" auch gleich seinen Vokal-Einstand. Weiter auf der Gästeliste: Fergie und Natalie Cole, die aber an der Seite Macy Grays eher blass aussehen. Tolle Stimme, tolle Frau - von wegen Anschluss verloren!