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Bowling for Columbine

Bowling for Columbine

(tsch) Noch ist George W. Bush im Amt, noch kann Michael Moore aus seiner Antipathie für den US-Präsidenten reichlich Kapital schlagen. Nach "Fahrenheit 9/11" (2004), der kommerziell erfolgreichsten Doku aller Zeiten, tritt der wohlbeleibte Bad Boy nun nach: In seinem neuen Film "Sicko", der am 29. Juni in den USA startet und bei den Filmfestspielen von Cannes großen Anklang fand, torpediert er auf gewohnt naiv-unbequeme Weise das marode amerikanische Gesundheitssystem. Dem Rummel will scheinbar auch das Erste etwas abgewinnen und wiederholt zu später Stunde Moores Oscar-prämierten Film "Bowling for Columbine", in dem er den selbstverständlichen Umgang mit Waffen thematisiert, der auch vor Kids nicht Halt macht.

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Den Ausgangspunkt seiner Überlegungen zur Schießwut der Amerikaner stellt das Schulmassaker an der Columbine Highschool in Littleton dar. Hier eröffneten zwei Schüler das Feuer auf ihre Klassenkameraden und töteten sich anschließend selbst. Wie so oft wurde die Schuld auch bei den Medien gesucht. Zu einfach, glaubt Michael Moore. Er will andere Antworten und Wahrheiten finden, die schon lange nicht mehr hinterfragt wurden. So sieht er Parallelen zwischen der explodierenden Gewalt in Amerika und der Außenpolitik der letzten 50 Jahre. Das schlimmste Bombardement des US-Militärs während des Kriegs im Kosovo fand am 20. April 1999 statt. Dem Tag, an dem auch an der Columbine Blut floss.

Für seine satirische Doku geht Moore ungewöhnliche Wege: Mit dem von der US-Gesellschaft verteufelten Schock-Rocker Marilyn Manson entwickelt er im Gespräch die Idee von der tief sitzenden und geschürten Furcht im Volk weiter. Mit einem gnadenlos zynischen Comic à la "South Park" illustriert er seine Vermutung: Das mittelständische Amerika sei deshalb so verängstigt und auf Waffen fixiert, weil es wisse, dass sich seine Existenz auf gewaltsamer Landnahme und Sklaverei gründe. Und die Angst erhält jeden Tag in den Nachrichten und dem Reality-TV-Programm "Cops" neues Futter. Gauner, die mit ihren kriminellen Machenschaften Anleger in den finanziellen Ruin und die Arbeitslosenquote in die Höhe treiben, kommen hier nicht vor. Denn: "Nur was blutet, macht Quote."

Moore, zuletzt selbst in der US-Doku "Manufacturing Dissent" als "unseriös und manipulativ" gebrandmarkt, findet seine Feinde überall: rechte Milizen, Pressesprecher von Raketenherstellern, Polizisten und Reality-TV-Macher. Mit penetrant-naiven Fragen rückt er ihnen zu Leibe - das Ergebnis ist Sprachlosigkeit. Ob Angst vor Gewalt wirklich zu den paranoiden Überreaktionen führt, lässt sich schwer beweisen. Moore liefert zumindest einige schlüssige Argumente und wurde dafür mit dem Oscar belohnt.

Gerd Hilber



Michael Moore hat vor laufender Kamera ein Bankkonto eröffnet und ein Gewehr als Werbegeschenk erhalten.
Michael Moore hat vor laufender Kamera ein Bankkonto eröffnet und ein Gewehr als Werbegeschenk erhalten. (ARD Degeto)

Mit drei Schülern der Columbine High School, die das Massaker vom April 1999 als Invalide oder Querschnittsgelähmte überlebten, besucht Dokumentarfilmer Michael Moore (Mitte) den Supermarkt "K-Mart", wo die Amokläufer ihre Munition ganz legal kauften.
Mit drei Schülern der Columbine High School, die das Massaker vom April 1999 als Invalide oder Querschnittsgelähmte überlebten, besucht Dokumentarfilmer Michael Moore (Mitte) den Supermarkt "K-Mart", wo die Amokläufer ihre Munition ganz legal kauften. (ARD Degeto)

Michael Moore (rechts) spricht mit einem ehemaligen Schüler der Columbine High School, Schauplatz eines Amoklaufs im April 1999.
Michael Moore (rechts) spricht mit einem ehemaligen Schüler der Columbine High School, Schauplatz eines Amoklaufs im April 1999. (ARD Degeto)

Datum: 27.06.2007

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