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Iris

Iris

(tsch) Momente der Stille kann es in "Iris" (2001) nicht genug geben, kein Zuviel an bedeutungsvollen Gesten - und vornehmer Zurückhaltung. Das biografische Porträt der Schriftstellerin Iris Murdoch befasst sich vordergründig mit der Krankheit einer lebenslustigen Frau, doch wesentlich beeindruckender ist die verzweifelt aufopfernde Liebe des Mannes, der mit ihr geht. Richard Eyres ("Stage Beauty", "Tagebuch eines Skandals") Drama wird nun im Ersten wiederholt.

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Iris Murdoch - von Kate Winslet in der Jugend und Judy Dench im Alter verkörpert - ist eine Rebellin, mindestens ab jenem Moment, in dem sie merkt, dass ihr Worte gehorchen. Sie genießt es in vollen Zügen zu leben, erobert den Literaturkritiker John Bayley (jung: Hugh Bonneville, alt: Jim Broadbent) und neben ihm zahlreiche andere Frauen und Männer. Bayley wird bleiben. 40 Jahre lang lebt der zerstreute Professor an ihrer Seite, vergöttert sie, bewundert ihren Elan und ihr Können. Zwar lässt er sich von Iris mit Füßen treten, doch das spielt keine Rolle. An dem Tag, an dem die Ärzte bei der mittlerweile gesetzten Iris Alzheimer diagnostizieren, drehen sich die Verhältnisse um.

Die große Autorin fällt vom Thron, ist auf die Unterstützung ihres Mannes angewiesen. Während sie sich die Frage stellt, wie man den Wahnsinn denn erkennen soll, schließlich lebe man doch immer in seinen Gedanken, beginnt der zerstreute Professor Haushalt und Tagesablauf zu organisieren. Einzigartig rührend erledigt er alles, blickt mit seinen meeresblauen Augen seine Iris an, trägt sie auf Händen, lobt sie weiter in den Himmel, und es steht ihm ins Gesicht geschrieben, dass er es nicht fassen kann, dass sie ihn genommen hat.

Wann immer der Blick auf Jim Broadbent gerichtet wird, berührt dieser Film am stärksten. Als Zuschauer bleibt man fast unfreiwillig an der Figur Bayley hängen. Während man an Iris abgleitet, transportiert er durch die ihm innewohnende Tragik Emotion. Langsam tritt der Gatte aus dem Schatten seiner Ehefrau. Etwas, das der echte Bayley nie geschafft hat. Er schrieb lediglich die Memoiren, die Richard Eyre, der derzeit an "The Other Man", der Verfilmung einer Kurzgeschichte von Bernhard Schlink ("Der Vorleser"), arbeitet, als Basis dienten. Wie eine späte Belohnung wirkt es, dass Broadbent den Oscar für seine grandiose darstellerische Leistung erhielt. Sein junges Alter Ego Hugh Bonneville wurde ebenfalls ausgezeichnet: Er war "bester junger Schauspieler" bei der Berlinale 2002.

Vera Seeberg


Seit 40 Jahren verheiratet: Iris Murdoch (Judi Dench) und ihr Mann John Bayley (Jim Broadbent).
Seit 40 Jahren verheiratet: Iris Murdoch (Judi Dench) und ihr Mann John Bayley (Jim Broadbent). (ARD / Degeto)

In der außergewöhnlichen Beziehung zwischen John Bayley (Hugh Bonneville) und Iris (Kate Winslet) hat die Literatin das Sagen.
In der außergewöhnlichen Beziehung zwischen John Bayley (Hugh Bonneville) und Iris (Kate Winslet) hat die Literatin das Sagen. (ARD / Degeto)

Kate Winslet und Hugh Bonneville spielen Iris und John als junges Paar.
Kate Winslet und Hugh Bonneville spielen Iris und John als junges Paar. (ARD / Degeto)

Datum: 29.06.2007

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Artikel ID 186183

 
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