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Verliebt in eine Hexe

Verliebt in eine Hexe

(tsch) Vielleicht wollte sie einfach mal ein "All American Girl" sein. Keine komplizierte Diva, sondern eine liebenswerte, etwas spleenige Frau, die sich einen Mann zum Heiraten wünscht, wie so viele Kino-Gängerinnen auch. Nicole Kidman kann momentan wohl tun, lassen und spielen, was sie will, und deswegen sei ihr der Ausflug gegönnt. Aber die Frage treibt den Zuschauer trotzdem um: Musste das sein? In der Komödie "Verliebt in eine Hexe" darf man der Kidman dabei zusehen, wie sie Meg Ryan spielt: Dafür tapst sie desorientiert durch die Gegend, trägt pastellfarbene Strickjäckchen und sieht so bonbon-süß aus, dass man fast Magengrimmen bekommt.

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Die Assoziation mit der blonden Schauspiel-Kollegin liegt schon deshalb nahe, weil die Regisseurin Nora Ephron dieser ein gut Teil des eigenen Erfolges verdankt. Ephron hat nicht nur das Buch zu "Harry und Sally" geschrieben, sondern zeichnet auch für "Schlaflos in Seattle" und "E-Mail für Dich" verantwortlich - in den Hauptrollen jeweils: Meg Ryan. Da ist es nahe liegend, alte Rezepte noch einmal in neuer Besetzung aufzubrühen, nur leider fehlt dem Film, was er im Titel verspricht: der Zauber.

Vorbild für "Verliebt in eine Hexe" ist die gleichnamige amerikanische Erfolgsserie aus den 60er-Jahren, die sich um die Beziehung zwischen einer Hexe und ihrem vollkommen irdischen Mann drehte. Nora Ephron nun hat sich zusammen mit ihrer Co-Autorin und Schwester Delia durchaus etwas einfallen zu lassen, um einem einfachen Remake der Story zu entgehen: Sie macht einen Film im Film daraus.

Nicole Kidman spielt als Isabel Bigelow eine Hexe auf der Suche nach einem Mann, der sie braucht. Sie will ein echtes Leben ohne Tricks und doppelten Boden und beschließt deshalb, der Hexerei abzuschwören - vorerst zumindest. Auf der Suche nach einem Heiratswilligen gerät sie ausgerechnet an den abgehalfterten Darsteller Jack Wyatt (Will Ferrell). Der ist auf der Suche nach einer Filmpartnerin, weil er eine Hauptrolle bekommen hat und das just in einem Remake von "Verliebt in eine Hexe".

Bezüglich der weiblichen Hauptrolle hat er feste Vorstellungen: Sie soll die Nase kräuseln können wie das Serien-Vorbild, und sie soll sich im Hintergrund halten. Beide Voraussetzungen scheint er in Isabel gefunden zu haben, die zur Überraschung aller Beteiligten eine mehr als ordentliche Fernseh-Hexe zu spielen imstande ist. Isabel jedoch hat bekanntlich andere Absichten und macht sich daran, Jack mit allen Mitteln ihrer Kunst zu bezaubern. Natürlich kommt es zu schmerzhaften Missverständnissen, und natürlich steht am Ende trotz allem ein romantisches Happy-End im Eigenheim.

Eine liebevolle Hommage sollte dieser Film werden, kein einfaches Remake - und das ist an sich eine nette Idee. Nur beschleicht den Zuschauer immer wieder das Gefühl, dass es sich hier um ein Remake des gesamten Genres "Romantische Komödie" handelt. Zu viele Versatzstücke tauchen auf, die sich zu keiner mitreißenden Dramaturgie fügen wollen: Wenn Jack und Samantha im Buchladen flirten, haben Hugh Grant und Julia Roberts das in "Notting Hill" schon einmal charmanter gelöst. Und wenn Nicole Kidman ihren Liebeskummer mit Eiscreme therapiert, beginnt man im Geiste nachzuzählen, wie oft man diese Szene schon gesehen hat.

Schade, denn mit ein bisschen mehr Fantasie und Mut wäre aus so guten Schauspielerin mehr herauszuholen gewesen. Am traurigsten freilich ist es, mit anzusehen, wie Michael Caine und Shirley MacLaine als Zaubervater und Hexendiva verschenkt werden. Keiner von beiden darf ausspielen, was in seiner Rolle steckt, während Will Ferrell des Komödiantischen allzu oft zu viel tun muss. Immerhin bleibt es Shirley MacLaine überlassen, einen der wenigen überzeugenden Dialogsätze zu sprechen, die das Drehbuch anzubieten hat: "Schauspieler sehen normal aus, manchmal besser als normal. Aber im tiefen Inneren haben sie kein tiefes Inneres", gibt die alte Dame der jungen Kollegin mit auf den Weg. Bei Filmen ist das manchmal ganz ähnlich.

Lena Grundhuber

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2005, R: Nora Ephron, D: Nicole Kidman, Will Ferrell, Shirley MacLaine u.a.

Kinostart:
01.09.2005


Isabel (Nicole Kidman) spricht für die Rolle der Samantha vor und erweist sich als unerwartet talentierte Film-Hexe
Isabel (Nicole Kidman) spricht für die Rolle der Samantha vor und erweist sich als unerwartet talentierte Film-Hexe (Sony Pictures Releasing GmbH)

Nigel Bigelow (Michael Caine) kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum sein Töchterchen Isabel (Nicole Kidman) unbedingt ein normales Leben führen möchte.
Nigel Bigelow (Michael Caine) kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum sein Töchterchen Isabel (Nicole Kidman) unbedingt ein normales Leben führen möchte. (Sony Pictures Releasing GmbH)

Iris Smythson (Shirley Maclaine, Mitte) hat in der Rolle der Hexenmutter Endora ihren großen Auftritt und spielt alle an die Wand.
Iris Smythson (Shirley Maclaine, Mitte) hat in der Rolle der Hexenmutter Endora ihren großen Auftritt und spielt alle an die Wand. (Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 27.08.2005

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