(tsch) Nachts, wenn (fast) alles schläft, wenn das neue Call-In-Fernsehen seine seltsamsten Blüten treibt, schlägt die große Stunde der Erotiksternchen. "Ach, kommt schon! 1.000 Euro für jede richtige Antwort. Tau-send Eu-ro!!" Die Blondine im roten Bikini fleht und leidet. Und da noch immer kein Anruf durchgestellt wird, greift sie zu ihren überzeugendsten Argumenten (75D) und reibt sich die Brüste mit einer Lotion ein. "Ich creme sogar noch mal - wie versprochen. Dafür will ich jetzt ne richtige Antwort!" Gerhard oder Ralf oder so heißt der Anrufer, der nach weiß Gott wie vielen kostspieligen Versuchen durchkommt. Aber: "'Autoradio' - ist nicht dabei! Mann, Mann, Mann. Immer diese falschen Antworten." Der Kurvenstar gibt sich beleidigt. Und resolut. "Pack ich eben alles wieder ein!" Strafe muss sein in diesem Spiel, das sich "DSF-Sportquiz" nennt, in seiner freizügigen Form in der Stunde vor Mitternacht zelebriert wird und von keiner besser gespielt wird als von der lustig "Hallihallo!" trällernden Cheyenne Lacroix ... Die 24-jährige Bonnerin mit französischen Wurzeln ist zweifellos der Star unter den Sternchen der neuen, skurrilen TV-Nacht - weil sie es schafft, selbst im Call-in-TV sympathisch rüberzukommen. Warum sich jemand so etwas ansieht? Wir wissen es auch nicht, wir ahnen nur, dass es nicht nur, aber auch mit den Maßen 95-62-91 zu tun hat.
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teleschau: Wären wir jetzt beim "DSF-Sportquiz", könnten wir zum Beispiel mit einem kleinen Ratespiel beginnen: "Wir suchen drei Charaktereigenschaften von Cheyenne Lacroix mit 'O'" ...
Cheyenne Lacroix: Oh Gott, das wird schwierig ... Vielleicht so: humorvoll, offen, extrem extrovertiert. Sternzeichen Schütze eben ...
teleschau: Cheyenne ... Ähem, lassen Sie sich eigentlich wirklich so anreden, auch im Privatleben?
Cheyenne: Natürlich. Warum denn nicht?
teleschau: Na ja, es klingt so ... Ach, egal, ja, warum eigentlich nicht. Also Cheyenne ...
Cheyenne: Es ist natürlich mein Künstlername!
teleschau: Also Frau Lacroix, wie fühlt es sich an, wenn man im ultra-knappen Bikini oder ganz oben ohne vor einer Fernsehkamera steht?
Cheyenne: Was denken Sie?
teleschau: Dass es vielleicht ein wenig kalt ist ...
Cheyenne: Ach nö. Ich sorge schon dafür, dass die Jungs mir das Studio behaglich warm machen. Grundsätzlich ist es für mich völlig irrelevant, ob ich etwas anhabe oder nicht. Ob Sie es mir glauben oder nicht: Je weniger ich anhabe, umso leichter fällt mir etwas - auch das Sprechen vor der Kamera oder zum Beispiel das live Moderieren auf Messen.
teleschau: Die meisten anderen Menschen würden wohl umso befangener werden, je weniger sie anhaben ...
Cheyenne: Normale Menschen schon. Aber vielleicht bin ich eben das genaue Gegenteil von normal (lacht): Zu viel Klamotten stören mich.
teleschau: Ist Ihnen bei Ihren nächtlichen Moderationsjobs bewusst, dass daheim vielleicht 100.000 einsame Männer zusehen - eigentlich nur deshalb, weil Sie sich ausziehen?
Cheyenne: Am Anfang dachte ich überhaupt nicht daran. Als das Angebot kam, überlegte ich ohnehin nicht lange, sondern ging ran, wie eigentlich immer bei neuen Jobs, nach dem Motto: "Das machste jetzt einfach mal!" Erst als meine Homepage wegen Überlastung zusammengebrochen ist und auch beim Sender enorme Publikumsreaktionen eingingen, wurde mir bewusst: "Oh Gott, Dir sehen da ja zig-Tausend Menschen zu!" Klar ist man dann etwas aufgeregter. Aber mittlerweile hat sich das wieder gelegt.
teleschau: Bieten Sie Ihren Zuschauern beim "DSF-Sportquiz" eine Art Schauspiel an, oder geben Sie sich da im Grunde authentisch?
Cheyenne: Ich bin größtenteils wirklich genau so, wie man mich da erlebt. Am Anfang, als ich noch ein bisschen aufgeregter, alberner und unsicherer war, war es auf jeden Fall zu einhundertprozent authentisch. Heute nehme ich mir natürlich schon die Freiheit, dem Publikum auch als Schauspielerin gegenüber zu treten.
teleschau: Was spielen Sie denn so?
Cheyenne: Sexy zu sein. Das muss ich spielen, denn das bin ich nicht.
teleschau: Ha Ha.
Cheyenne: Ne, ehrlich. Ich weiß gar nicht genau, wie das geht, sexy sein. Ich bin eben nicht der Typ, der sich lasziv räkelt oder so, sondern eher der Typ "immer gut drauf".
teleschau: Wie reagieren die Männer auf Sie?
Cheyenne: (lacht) So wie halt die meisten Männer auf blonde Frauen mit großen Brüsten reagieren. Aber Spaß beiseite: Die Reaktionen sind unterschiedlich. Ich bekomme übrigens auch viel Post von Frauen. Und die meisten Frauen wie Männer suchen eher den freundschaftlichen Kontakt, sie sehen in mir nicht die Frau, die daheim am Herd noch in Strapsen rumläuft, sondern sie sehen mich als das, was ich bin: als Kumpeltyp. Meine Fans sind sehr angenehm.
teleschau: Also lassen Sie die Männer in Ruhe und behandeln Sie nicht wie Freiwild, wenn Sie beispielsweise mal im Supermarkt einkaufen?
Cheyenne: Ne. Wenn ich einkaufen gehe, bin ich meistens nicht geschminkt, ohne Make-up. Da erkennt man mich gar nicht. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Jungs sich in der Regel nicht trauen, mich anzusprechen. Natürlich werde ich oft ein bisschen komisch angeschaut, am Flughafen zum Beispiel. Da spüre ich richtig, wie's bei dem Typen jetzt im Kopf rattert: Ist sie es, oder ist es sie nicht? Aber dann kommt höchstens am nächsten Tag mal 'ne E-Mail: "Sag mal, kann es sein, dass ich Dich gestern am Flughafen getroffen habe?" (lacht) Und das ist auch ganz okay so, dann bleibt mir wenigstens noch genug Privatsphäre.
teleschau: Sie haben Abitur, schnupperten in verschiedene Berufe hinein, begannen schließlich 2002 damit, Ägyptologie, Archäologie und Französisch zu studieren ... Jetzt ziehen Sie sich im Fernsehen aus, haben auf Messen gestrippt und Erotikfilme gedreht. Wie geht die Geschichte, die dahintersteckt?
Cheyenne: Vor etwa drei Jahren - ich machte gerade ein Praktikum zur Erzieherin - freundete ich mich mit einem Erotikmodel an. Ihre Arbeit hat mich so fasziniert, dass ich einfach mal mit ihr mitgegangen bin. Freilich konnte ich mir da noch nicht vorstellen, so etwas selbst zu machen. Im Gegenteil: Ich war damals noch extrem zugeknöpft und ganz brav. Aber die Zeit lehrte mich Besseres ... Ich probierte es aus, mich vor der Kamera auszuziehen, und merkte sofort: "Genau das ist es!" Innerhalb eines halben Jahres krempelte ich mein Leben komplett um.
teleschau: Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie sich das erste Mal vor Publikum auszogen?
Cheyenne: Ja, sehr gut. Ich hatte so weiche Knie, ich wäre fast von der Stange gefallen vor Aufregung. Aber es war super-toll.
teleschau: Und inzwischen? Ist es immer noch aufregend, sich vor Fremden auszuziehen?
Cheyenne: Je nach Laune. Entweder ich bin voll dabei, denke an nichts anderes und genieße es. Dann schaue ich mir die Gesichter der Leute an, will ihre Reaktion sehen. Oder aber ich bin nicht ganz so gut drauf, dann denke ich beim Strippen auch mal über die Hausarbeit oder so etwas nach ... Das geht, glauben Sie's mir.
teleschau: Wie findet Ihr privates Umfeld, was Sie tun?
Cheyenne: (lacht) Ich glaube, die hatten nichts anderes von mir erwartet. Ich war halt schon immer ein Querkopf. Aber ernsthaft: Mama dachte zunächst, ich hab sie nicht mehr alle. Papa erfuhr es erst ziemlich spät, weil er früher ein bisschen konservativ war. Aber inzwischen gehen sie alle beide ganz toll damit um. Sie sind stolz auf mich und gucken das "DSF-Sportquiz" sogar mit ihren Freunden zusammen an. Natürlich gab es auch andere Leute in meinem Umfeld, darunter auch so genannte Freunde, die ein Riesentheater anfingen und sich von mir abwandten ... Das war am Anfang wirklich schlimm für mich. Na ja, wenigstens weiß ich jetzt, dass die Freunde, die übrig blieben, wirkliche Freunde sind.
teleschau: Sie beschreiten da einen Karriereweg, der mehr Härte erfordert als andere ...
Cheyenne: Auf jeden Fall. Das ist ein super-hartes Geschäft. Auf den Messen hab ich das mitgekriegt: Da werden die Mädels von den Produzenten und Betreibern sehr schnell ausgetauscht. Sobald sie ihnen nicht mehr sexy genug waren, waren sie weg vom Fenster, und schon wurde das nächste Mädchen hochgejubelt.
teleschau: Sorgt das nicht für große Zukunftsängste?
Cheyenne: Bei mir nicht. Ich weiß, dass ich den Beruf in dieser Branche noch ein paar Jährchen mit Spaß machen kann, aber wenn meine Zeit gekommen ist, werde ich das schon selber sehen. Hoffentlich ...
teleschau: Also, wie geht die Geschichte der Cheyenne Lacroix weiter?
Cheyenne: Ich habe von meinem Leben auf jeden Fall andere Vorstellungen, als auf Dauer oben ohne im Fernsehen aufzutreten. Es hat sich inzwischen natürlich einiges relativiert. Was ich da tue, macht großen Spaß, aber ich weiß nicht, ob ich das bis an mein Lebensende machen kann und will. Ich plane sowieso ungern, in dieser schnelllebigen Branche kann ruckzuck alles vorbei sein. ich meine, vor eineinhalb Jahren bin ich noch auf Messen aufgetreten, und mittlerweile erkennt man mich durchs Fernsehen sogar am Flughafen. Es ist unsinnig, zu planen - ich kann nur hoffen.
teleschau: Gibt es eine Vision, etwas, das Sie in ein paar Jahren gerne einmal machen würden?
Cheyenne: Ach ja, da gibt es schon was. Mir schwebt ein neues erotisches Magazin im Fernsehen vor. So etwas fehlt ja seit einigen Jahren. Ein bisschen lustiger vielleicht, als das, was man aus den 90er-Jahren so kennt. Eben etwas Frisches, das zu mir passt.
teleschau: Sollen sich in dieser Sendung dann auch die Männer ausziehen?
Cheyenne: Nein, auf gar keinen Fall. Ich finde es nicht gerade männlich, wenn Typen anfangen zu strippen. Es gibt zwar ein paar Männer, die können das ganz gut, da ist es zumindest lustig - aber erotisch finde ich das nie.
teleschau: Gehört auch die Vorstellung von einer eigenen Familie zu Ihren Visionen?
Cheyenne: Ja. Ich wünsche mir eine Familie und Kinder. Da denke ich oft daran, und ich weiß, dass das natürlich nicht unproblematisch ist. Klar ist: Wenn ich schwanger werden würde, würde ich sofort meinen Job an den Nagel hängen, denn ich würde nicht wollen, dass meine Kinder damit konfrontiert werden. Meinen Traumprinzen habe ich auch schon gefunden.
Frank Rauscher
"Je weniger ich anhabe, umso leichter fällt mir etwas": Cheyenne Lacroix legt gerne ab. (DSF)
"Oh Gott, Dir sehen da ja zig-Tausend Menschen zu!" Die Aufregung hält sich bei Cheyenne Lacroix trotzdem in Grenzen. (DSF)
"Ich weiß gar nicht genau, wie das geht, sexy sein": Cheyenne Lacroix hat Humor. (DSF)
Datum: 05.07.2007
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