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Christiane Hörbiger

"Ich habe beschlossen, sehr alt zu werden"

Schauspielerin Christiane Hörbiger

(tsch) Seit mehr als 50 Jahren brilliert sie auf der Bühne, im Film und im Fernsehen. In Österreich gilt Christiane Hörbiger längst als Nationalheiligtum. Hierzulande wird die mit zahlreichen Preisen dekorierte Wienerin ihrer Nationalität zum Trotz als "Grande Dame des deutschen Films" beansprucht. Starke Frauen reiferen Alters sind das Metier der 68-Jährigen. Sei dies nun als männermordende "Gottesanbeterin" (2001) oder Lehrerswitwe im TV-Melodram "Mathilde liebt" (2005), in dem die Hörbiger auch vor "heiklen" Bettszenen nicht zurückschreckte. So lässt sie nun auch als rüstige Hobby-Detektivin Alma Mitterteich in der ZDF-Krimikomödie "Alma ermittelt" (Mo., 07.05., 20.15 Uhr) ihre jungen Mitstreiter ganz schön alt aussehen.

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teleschau: Als Alma Mitterteich zeigen Sie, dass auch ältere Frauen in der Lage sind, Heldenhaftes zu leisten. War der Part der resoluten Hobby-Spürnase wieder eine Paraderolle für Sie?

Christiane Hörbiger: So würde ich das nicht nennen. Alma ist einfach eine sehr witzig geschriebene Figur, eine ehemalige Kiosk-Besitzerin, der langweilig ist. Ihr Interesse konzentriert sich auf die Klatsch-Spalten der Yellow-Press und Kriminalromane. Sie ist zwar clever, aber den Leitartikel der "Zeit" würde sie nicht unbedingt lesen. Und plötzlich stolpert sie unvermittelt in einen Fall hinein, bei dem es wirklich eine Tote gibt.

teleschau: Alma geht bei ihren Ermittlungen sehr spitzfindig vor. Sie trickst die Jüngeren aus, indem sie deren Vorurteile gegen sie ausspielt.

Christiane Hörbiger: Wenn Sie mir das so in den Mund legen, bin ich dankbar (lacht). Ja, Alma gibt vor, seniler zu sein, als sie wirklich ist. Das ist sehr raffiniert und öffnet ihr merkwürdigerweise alle Türen, weil man der Dame einfach nicht sehr viel zutraut. Sogar ihr Lebensgefährte, gespielt von dem wunderbaren Michael Gwisdek, beginnt zu zweifeln, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat, und gibt ihr heimlich ein Mittel gegen Alzheimer ins Wasserglas.

teleschau: Auch die Kriminalkommissarin, die von Katharina Böhm gespielt wird, nimmt sie überhaupt nicht ernst. Dabei könnte sie von Almas Lebenserfahrung profitieren. Was ist Erfahrung heutzutage überhaupt noch wert?

Christiane Hörbiger: Ich glaube, dass Erfahrung immer wertvoller wird, je älter wir alle werden. Aber ich weiß es von mir selbst: Wenn man jung ist, will man keine Ratschläge annehmen. Ich bin schon sehr früh, mit Anfang 20, aus dem Elternhaus weg - auch um Bevormundungen oder Vergleichen zu entgehen. Man möchte sehen, wie weit man es alleine bringt. Ich habe nie gesagt, dass ich alles besser weiß, aber ich wollte den Dingen alleine auf den Grund kommen. Ab einem gewissen Lebensalter fängt man dann an zu sondieren, welche Ratschläge man sich von welcher Person holen sollte, und wer es gut meint oder vielleicht doch a bisserl neidisch ist.

teleschau: Würden Sie jungen Frauen heute noch raten, den Beruf der Schauspielerin zu ergreifen, obwohl die Branche vom Jugendwahn geprägt ist?

Christiane Hörbiger: Vor 20 Jahren hat man mich schon nach dem Jugendwahn gefragt. Aber er ist nicht gekommen! Ich sehe ihn nicht, den Jugendwahn! Das Thema, dass wir alle älter werden, und dafür vorsorgen müssen, das finde ich viel interessanter, und das ist auch in den deutschen Medien viel mehr vertreten. Ich halte es für einen Sieg für die Menschheit, wenn man so positiv darüber spricht, dass wir alle gerne am Leben sind. Wichtig ist dabei aber, dass man Freunde im selben Alter und mit den selben Problemen hat. Es ist schon etwas Gutes, wenn andere mit einem mitaltern.

teleschau: Mit 68 Jahren sind Sie zum ersten Mal in der Rolle der Ermittlerin zu sehen. Sind Sie selbst Krimifan?

Christiane Hörbiger: Es interessiert mich in Form dieser Komödie, die den beiden Autoren (Andreas Föhr, Thomas Letocha, d. Red.) wirklich gelungen ist. Ansonsten denke ich, je weniger Tote wir bei Fiktionsgeschichten im Fernsehen sehen in der heutigen Zeit, desto besser.

teleschau: Wie gut wären Sie denn selbst als Detektivin?

Christiane Hörbiger: Ich würde vor Angst sofort hinter die nächste Hausecke springen, wenn mich ein Verdächtiger nur anschauen würde (lacht laut). Mein ganzer Mut besteht in der Überwindung der Angst. Nein, nein, ich wäre ganz schlecht!

teleschau: Sind Sie denn neugierig?

Christiane Hörbiger: Frauen, die in der Nacht mit dem Hund losmarschieren, weil sie unbedingt wissen wollen, was es Neues gibt, denen kann ich nicht viel abgewinnen. Aber neugierig bin ich schon - aufs Leben. Für das, was mich wirklich interessiert, fürchte ich, ist mein Leben zu kurz, obwohl ich beschlossen habe, sehr alt zu werden (lacht). Ich würde so gerne die Lebensschicksale verfolgen können, von den jungen Mädchen von heute, die so stolz mit ihren hohen Stiefeln und Bluejeans durch die Straßen gehen. Werden sie heiraten, wird es ihnen gut gehen, bekommen sie einen Arbeitsplatz? Ich wäre gerne in der Lage, ihre Lebenswege länger zu beobachten. Aber ohne Ratschläge zu verteilen, sondern einfach nur als Mäuschen.

teleschau: Miss Marple war noch im hohen Alter geistig fit. Das lag wahrscheinlich daran, dass sie stets beschäftigt war. Wie lange möchten Sie denn arbeiten?

Christiane Hörbiger: Ach, ich habe keine Ahnung. Ich könnte jetzt sehr flott sagen, so lange man mich lässt. Aber das glaube ich auch nicht. Man muss Menschen um sich haben, die einem sagen, wann es genug ist. Nichts ist peinlicher, als wenn man glaubt, den Leuten noch vorspielen zu können, man sei viel jünger, als man in Wahrheit ist.

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, sich ganz vom Berufsleben zurückzuziehen?

Christiane Hörbiger: Nein. Ich mache jetzt drei 90-Minüter. Ich hoffe nur, dass ich gesund bleibe bis November. Darüber hinaus denke ich noch gar nicht.

teleschau: Mittlerweile liegt das Rentenalter in Deutschland bei 67 Jahren. Immer mehr Menschen können sich gar nicht leisten, mit der Arbeit aufzuhören, selbst wenn sie wollten.

Christiane Hörbiger: Ja, wenn sie denn Arbeit kriegen! Ich glaube, dass ältere Menschen ganz gerne in der Regelmäßigkeit des Arbeitens oder Gefordert-Werdens bleiben würden. Aber wie sollen sie länger arbeiten, wenn man sie rausschmeißt? Diesen Gedankengang verstehe ich eben nicht. Es ist das Problem des Arbeitsplatzes, nicht des Alters und des Noch-Könnens. Mit einem ähnlichen Problem müssen übrigens auch die berufstätigen Frauen kämpfen, wenn sie Mütter werden wollen.

teleschau: Was meinen Sie genau?

Christiane Hörbiger: Nun, ich wollte, ich hätte als junge Mutter einen Krippenplatz gehabt. Gott sei Dank war eine sehr liebe Frau für mein Kind da (Sohn Sascha Bigler wurde 1968 geboren, d. Red.), wenn ich Vorstellungen hatte. Aber ich hätte mir auch gewünscht, drei Jahre ausschließlich bei meinem Kind sein zu können. Aber dann hätte ich meinen Beruf verlernt. Am Theater ist ein Einstieg nach drei Jahren totaler Pause wahnsinnig schwer. Abgesehen davon, dass ihnen heute kein Mensch garantiert - auch wenn sie behaupten, das sei gesetzlich geregelt -, dass sie an einem Theater wieder die Position erreichen, die sie mal hatten. Selbstverständlich hat sich auch im Büro einiges geändert, wenn eine junge Mutter wieder einsteigen will. Vom Computer-Wissen möchte ich gar nicht reden.

teleschau: Hatten Sie je Angst um Ihre Arbeit?

Christiane Hörbiger: Ich habe sehr viel Theater gespielt und musste nie um eine Rolle bitten oder kämpfen - ein Leben lang nicht. Im Zürcher Schauspielhaus gab es zwei Frauen im selben Fach. Die waren froh, wenn sie mal nicht am schwarzen Brett angeschlagen waren und spielen mussten. Die hatten auch ihre Kinder. Zu mehr als einem haben wir es alle nicht gebracht, weil die Zeit und die Kraft nicht gelangt haben. Ich hatte nie das Gefühl, ich habe zu wenig zu tun. Das Problem war vielmehr: Habe ich genug Privatleben und kümmere ich mich genug um mein Kind, oder bleibe ich ihm etwas schuldig?

teleschau: Sie spielen sehr viel, vor allem Hauptrollen. Ist das anstrengend für Sie?

Christiane Hörbiger: Ja, das ist es. Ich arbeite zwölf Stunden am Tag. Manch einer behauptet, ich arbeite nur zehn, aber da sag ich: "Moment mal! Ich werde anderthalb Stunden geschminkt, 20 Minuten abgeholt und dann noch zehn Minuten schnell ins Kostüm gesteckt. Das ist genauso Arbeitszeit.

teleschau: Haben Sie ein Geheimrezept, wie sie sich bei dem Pensum fit halten?

Christiane Hörbiger: Gehen, gehen, gehen (lacht)! An der Luft mit flachen Schuhen. Und zwar so schnell wie möglich und so viel wie möglich. Das ist absolut gut für Sauerstoff und Hirn. Mein Arzt hat mir zweimal in der Woche eine Stunde verordnet, aber ich teile es lieber auf in 45 Minuten pro Tag. Vielmehr tue ich nicht für meine Schönheit. Aber ich schlendere dann nicht von Auslage zu Auslage in hohen Stöckelschuhen, sondern gehe so schnell, als ob ich vor jemandem davonlaufe (lacht).

Ute Nardenbach


Christiane Hörbiger ist auch mit 68 Jahren noch viel beschäftigt: "Ich hatte noch nie das Gefühl, ich habe zu wenig zu tun. Das Problem war früher vielmehr: Habe ich genug Privatleben, bleibe ich meinem Kind etwas schuldig?"
Christiane Hörbiger ist auch mit 68 Jahren noch viel beschäftigt: "Ich hatte noch nie das Gefühl, ich habe zu wenig zu tun. Das Problem war früher vielmehr: Habe ich genug Privatleben, bleibe ich meinem Kind etwas schuldig?" (teleschau)

Christiane Hörbigers Schönheitsrezept: "Gehen, gehen, gehen! Aber nicht mit Stöckelschuhen von Auslage zu Auslage."
Christiane Hörbigers Schönheitsrezept: "Gehen, gehen, gehen! Aber nicht mit Stöckelschuhen von Auslage zu Auslage." (ZDF / Elke Werner)

Die 68-jährige Christiane Hörbiger arbeitet seit mehr als 50 Jahren als Schauspielerin.
Die 68-jährige Christiane Hörbiger arbeitet seit mehr als 50 Jahren als Schauspielerin. (ZDF / Elke Werner)

Datum: 05.07.2007

Diskussion: "Christiane Hörbiger"

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