(tsch) Es ist die aufwändigste und teuerste TV-Produktion überhaupt. Die in den Cinecittà-Studios in Rom für 75 Millionen Euro gedrehte, von HBO, BBC, RAI und EOS Entertainment gemeinsam hergestellte Serie "Rom", an der rund 3.000 Statisten beteiligt waren, lief bereits mit großem Erfolg unter anderem in den USA und England. In Deutschland wurde die erste Staffel im vergangenen Jahr bei "Premiere" gesendet, und jetzt ist "Rom" endlich im Free-TV zu sehen. RTL II - und nicht wie vielfach angekündigt RTL - übernimmt die Ausstrahlung und macht das Spektakel zum Primetime-Event. Immer sonntags, 20.15 Uhr, gibt es nun die ersten zwölf Folgen der Geschichte der Legionäre Lucius Voreno (Kevin McKidd) und Titus Pullo (Ray Stevenson), die vor dem Hintergrund des Aufstiegs und Falls Caesars agieren, zu sehen. Und sehr wahrscheinlich wird die zweite Staffel der actionreichen und blutigen, aber von der Kritik überwiegend positiv aufgenommenen Serie noch in diesem Jahr folgen.
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Die alten Römer sagten einst: "Sechs Stunden Arbeit genügen; die folgenden Stunden des Tages rufen mit deutlicher Schrift: 'Lebe!' den Sterblichen zu." So sympathisch dieses frühe La Dolce Vita für den Besucher aus 40-Stunden-die-Woche-und-zwar-bis-67-Germanien klingen mag, das Leben im Alten Rom war für das gemeine Volk alles andere lustig. Der Alltag der Legionäre, der Stadtbevölkerung, der Arbeiter, Bauern und Sklaven wird in der neuen Serie als extrem hart, mitunter brutal und dreckig dargestellt. Wer höhergestellt war, hatte sich, der "HBO"-Serie zufolge, hingegen vor allem mit Intrigen und, ja, jeder Menge sexueller Ausschweifungen herumzuschlagen.
In dieser Sandalen-Saga wird intensivst gelebt, geliebt und gemordet, und zwar derart reichlich, dass RTL II das Original erst primetimetauglich zurechtstutzen lassen musste. Nun mögen zwar ein paar Blutspritzer fehlen, aber dem Erzählfluss, der leider etwas ungelenk ins Moderne adaptierten Serie ("Brutus, alter Sack! Was hast du denn hier verloren?") tut das kaum Abbruch.
Die Inszenierung haut einen um: Da wird rituell in Blut gebadet, die Lederpanzer sitzen den Herren wie auf die Brust gegossen. Die Frauen sind allesamt wunderhübsch und der Koitus - ja, so redete man laut Drehbuch damals - wird vor Bediensteten und in aller Ausführlichkeit ausgeführt, mal um der Lust willen, meistens jedoch mit machtspielerischen Hintergedanken. Rom selbst wird als wilder Moloch mit einer Million Einwohner dargestellt. Die Subura, der Armenbezirk, findet ebenso statt wie marmorne Lustbauten. Die Bilder erinnern an alte Wandgemälde in gedeckten Farben, mit ausladenden Säulenbauten und hektisch bevölkerten Plätzen. Zwischen den Pflastersteinen rinnt nicht selten Blut.
Die erste Staffel illustriert anhand zweier Soldaten die Geschichte des Imperiums, angefangen im Jahr 52 vor Christus bis zum Tode Caesars im Jahre 44 vor Christus. Titus Pullo (Ray Stevenson), der kernige Kämpfer, lässt sich ohne weiteres bei vollem Bewusstsein Schädelfrakturen operieren, während sein Mitstreiter Lucius Vorenus (Kevin McKidd) so ehrbar ist, dass er die eigene Frau Niobe (Indira Varma) nach acht Jahren Abwesenheit im Kriegsdienst mit den Worten "Du Hure" begrüßt. In Rom war Gnadenlosigkeit en vogue. Das zeigt zumindest die Serie, die in den USA zur Premiere knapp neun Millionen Zuschauer lockte - bei etwa 28 Millionen Abonnenten, denn auch HBO ist ein Pay-TV-Sender. Der BBC in England bescherte "Rom" mit 27 Prozent Marktanteil zur Primetime eines der besten Ergebnisse der Sendergeschichte.
Substanz erhalten die zwölf Folgen mit der Geschichte Caesars (Ciaran Hinds). Es wird erzählt, wie Caesar die Gallier besiegt, aber sein Widersacher Pompejus (Kenneth Cranham) in Rom an Macht gewinnt. Caesars Nichte Atia (Polly Walker) setzt alles daran, sich eigene Vorteile zu sichern, was sie im Großteil der Fälle mit Sex oder Mord erreicht. Für ihre Interpretation antiker Hemmungs- und Gewissenslosigkeit wurde Polly Walker für einen Golden Globe nominiert. Der Zuschauer lernt durch die doch recht zahlreichen Einzelschicksale die gewissenhaft recherchierte Historie Roms kennen - und erfährt nebenbei noch allerhand über den Umgang mit Sklaven wie Huren und über die beliebtesten Stellungen der Römer, in der Schlacht wie im Bett.
Sehr wahrscheinlich, so erklärt man bei RTL II auf Anfrage, wird die zweite Staffel der von der Kritik überwiegend positiv aufgenommenen Serie noch in diesem Jahr folgen. Im Pay-TV bei Premiere starten die neuen Folgen voraussichtlich schon im September 2007. Dass "Rom" nun bei RTL II und nicht bei RTL auftaucht, wird beim kleineren Münchner Schwestersender unter anderem mit dem idealen Sendeplatz am Sonntagabend begründet und damit, dass man sich mit Events wie "24" oder "Band Of Brothers" (ebenfalls eine HBO-Produktion) eine gewisse Primetime-Serienkompetenz erworben habe. Vor dem Start ins neue Serienspektakel befasst sich bei RTL II auch ein "Welt der Wunder - Spezial" (ab 19 Uhr) mit dem Alten Rom. Der Untertitel verspricht die perfekte Einstimmung: "Weltmacht Rom - Siegreiche Legionen, starke Frauen und skrupellose Herrscher" ...
Frank Rauscher
In der 100-Millionen-Dollar-Serie "Rom" fließt Blut durch die Straßen. (RTL II)
Zwei Männer, eine Fernsehserie: Lucius Vorenus (Kevin McKidd, rechts) und Titus Pullo (Ray Stevenson, links) rücken als Späher auf Rom vor. (HBO / RTL II)
Ort der Intrigen: Die Senatoren unterstützen den Antrag Catos (Karl Johnson, sitzend). (HBO / RTL II)
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