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Ode an die Freude

Ode an die Freude

(tsch) Eine ungewöhnliche Premiere: Es war die Zeit kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, da stimmten deutsche Kriegshäftlinge im japanischen Gefangenenlager Bando Camp Beethovens Neunte an. Am 1. Juni 1918 wurde die berühmte "Ode an die Freude" im "Land der aufgehenden Sonne" uraufgeführt. Nach ihr benannte der japanische Regisseur Masanobu Deme sein berührendes Drama über Menschlichkeit und Respekt in Zeiten des Krieges. "Ode an die Freude" (2006) beschreibt die Zustände in einer der liberalsten und menschenfreundlichsten Haftanstalten. Ein Zeichen, dass sich auch Gegner menschlich begegnen können.

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Im November 1914 kapitulieren deutsche Truppen in Tsingtao in China. Rund 4.700 Deutsche und Österreich-Ungarn werden als Kriegsgefangene ins japanische Gefangenenlager Bando Camp nahe Naruto City gebracht. Anstelle von Strafe und Folter erwartete sie dort jedoch die Milde des Lagerführers Toyohisa Matsue (Ken Matsudaira). Er ist ein Mann der Gerechtigkeit und Toleranz, ein Menschenfreund.

Seiner humanistischen Einstellung haben die Gefangenen ein nahezu sorgenfreies Leben zu verdanken. Die Geschichte besagt, dass die Deutschen in Bando Camp ihre Berufe ausüben durften, sich den schönen Künsten wie Theater und Musik hingaben. Sogar von Brausebädern und Massagen ist die Rede. Als jedoch der Krieg für Deutschland verloren ist, befällt die Gefangenen, vor allem Generalmajor Kurt Heinrich (Bruno Ganz), eine schwere Depression. Er sieht im Selbstmord den einzigen Ausweg. Um ihn davon abzubringen, wird der Lagerführer für den Gefangenen zum Freund.

Die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, zeigt eindringlich, dass Toleranz und Respekt auch dem Krieg nicht zum Opfer fallen dürfen. Diese Botschaft wird weniger mit Worten, sondern durch Matsues Taten vermittelt. Nicht zuletzt drückt sie sich durch die Musik aus, die als universale Sprache Grenzen sprengen und Menschen miteinander verbinden kann. Zum Höhepunkt des Films stimmt der Lagerchor zu Ehren von Matsue erstmals auf japanischem Boden "Freude schöner Götterfunken" aus Beethovens Neunter Symphonie an. Ein Moment, der nicht nur im Kino berührt, sondern auch in der Geschichte seine Spuren hinterlassen hat. Heute gilt die "Ode an die Freude" in Japan beinahe als nationales Kulturgut. Dort leutet sie seither jedes Jahr den Jahreswechsel ein.

Nina Fischer

Credits:
V:Buena Vista, J 2006, R: Masanobu Deme, D: Bruno Ganz, Ken Matsudaira, Hiroshi Abe u.a.

Laufzeit: 135 Min.

Kinostart:
12. Juli 2007


Der Lagerführer Toyohisa Matsue (Ken Matsudaira, links) und der gefangene Generalmajor Kurt Heinrich (Bruno Ganz) pflegen ein respektvolles, beinahe freundschaftliches Verhältnis zueinander.
Der Lagerführer Toyohisa Matsue (Ken Matsudaira, links) und der gefangene Generalmajor Kurt Heinrich (Bruno Ganz) pflegen ein respektvolles, beinahe freundschaftliches Verhältnis zueinander. (Buena Vista)

Der deutsche Gefangene Daniel Hansen (Henry Arnold) dirigiert den Lagerchor. Erstmals erklingt die "Ode an die Freude" auf japanischem Boden.
Der deutsche Gefangene Daniel Hansen (Henry Arnold) dirigiert den Lagerchor. Erstmals erklingt die "Ode an die Freude" auf japanischem Boden. (Buena Vista)

Lagerführer Toyohisa Matsue (Ken Matsudaira, links) und seinen Gefangenen, Generalmajor Kurt Heinrich (Bruno Ganz), verbindet nicht nur die Liebe zur Musik.
Lagerführer Toyohisa Matsue (Ken Matsudaira, links) und seinen Gefangenen, Generalmajor Kurt Heinrich (Bruno Ganz), verbindet nicht nur die Liebe zur Musik. (Buena Vista)

Datum: 07.07.2007

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