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Der Italiener(tsch) Der Regisseur Nanni Moretti galt bisher als der "Woody Allen Italiens" - sein Manhattan ist Rom, und in der Hauptrolle seiner meist auch die eigene Befindlichkeit erkundenden Filme sieht er gerne sich selbst. Mit "Der Italiener" - gemeint ist hier Silvio Berlusconi - scheint sich nun ein anderer Vergleich aufzudrängen: "italienischer Michael Moore". Zumindest wurde der Start des Films zwei Wochen vor den Wahlen 2006 von der Linken in Italien wie eine Geheimwaffe erwartet. Was sie dann auf der Leinwand sahen, wirkte auf viele zu wenig anklagend und explizit. So oder so - Berlusconi verlor ein Amt und dem deutschen Kinopublikum bleibt über ein Jahr später ein Film, der mehr zu bieten hat als eine wütende Abrechnung. Ein leidenschaftlicher Mensch steht im Mittelpunkt der Geschichte. Einer, der das Kino liebt und mit Begeisterung und Überzeugung dem Publikum B-Movies wie "Die Polizistin mit den Stöckelschuhen" oder "Die Killermokassins" schenkte. Doch die Vorbereitungen für seinen Kostümfilm über Christopher Columbus laufen schlecht. Sein langjähriger Regisseur springt ab und auch die Geldgeber, auf die Bruno Bonomo (Silvio Orlando) bisher immer zählen konnte, wollen dem "Ed Wood Italiens" nichts geben. Auch zu Hause geht alles den Bach hinunter. Zwar hängen seine Söhne noch immer an seinen Lippen, wenn Bruno die Story seines Films "Katarakte" als Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Doch seine Frau und Ex-Hauptdarstellerin seiner Filme kann dem Trivialen weder auf der Leinwand noch in ihrem Leben mehr etwas abgewinnen und will sich offiziell trennen. Da kommt Teresa (Jasmine Trinca, bekannt aus Morettis "Das Zimmer meines Sohnes") mit ihrem ersten Drehbuch über einen korrupten Politiker und Medienmogul in der Hand gerade recht. Bruno, der inzwischen auch in seinem alten Filmstudio schläft, liest das Script mit Tunnelblick und malt sich im Kopf schon witzige Actionszenen mit vom Himmel fallenden Geldkoffern aus. Die Tatsache, dass es in "Il Caimano" ("Das Krokodil" - den Spitznamen erhielt Berlusconi von einem Journalisten) um den amtierenden Präsidenten geht, blendet er aus. Diese Tatsache überrascht ihn beim Gespräch mit ersten potenziellen Finanziers. Der TV-Sender RAI winkt ab, doch Bruno, der sich inzwischen mit der Tatsache angefreundet hat, etwas Bedeutsames ins Kino zu bringen, gibt nicht auf und setzt alle alten Kontakte in Bewegung. Doch die Schwierigkeiten hören nicht auf. Darsteller springen ab, es fehlt an Mitteln. Bruno kämpft an allen Ecken, auch um seine Frau und Familie. Eine Unmenge an Szenen mit unterschiedlichen Quellen verschmelzen in der Geschichte. Berlusconi ist in echten Archivaufnahmen zu sehen - Moretti führt noch einmal die peinliche Szene im Europaparlament vor, als der frisch geliftete italienische Ratspräsident einem Deutschen vorschlägt, den Kapo im KZ zu spielen. Zudem gibt es eine Berlusconi-Darstellung mit einer Art Doppelgänger in den Szenen, die sich Bruno nur in seinem im Kopf ausmalt. Michele Placido spielt wiederum den sexbesessen Leinwandstar Marco Pulici, der in "Il Caimano" die Hauptrolle übernehmen soll. Als Pulici vom Projekt abspringt, muss am Ende Nanni Moretti als "Schauspielerfreund" Brunos selbst ran. Jetzt gewinnt der Film, der sich bisher mehr durch die Kummerfalten von Brunos Leben schleppte, an politischem Pep. Berlusconi alias Moretti wird der Korruption beschuldigt und verteidigt sich und sein System. Moretti baut Originalzitate ein mit Schmankerl wie: "Ich war es, der dem Volk seinen Fußball, sein Fernsehen am Vormittag geschenkt hat." In einer Generalabrechnung in den letzten Minuten kotzt sich Moretti förmlich aus. Dabei kriegen auch die Linken ihr Fett ab. Warum einen Film über Berlusconi machen, fragt Nanni Moretti als "Schauspieler" einmal Teresa. Weiß nicht jeder, der es wissen will in diesem Land, von den Machenschaften? Sicher, aber dennoch ist das Bedürfnis, sich mit dem "politischen Abenteuer, das Italien zwölf Jahre paralysiert hat" (Moretti) samt des Werteverfalls mit langfristigen Folgen zu beschäftigen, verständlich und willkommen - wenn man es so charmant, persönlich und witzig umsetzt wie Moretti. Diemuth Schmidt |
Credits: Laufzeit: 112 Min. Kinostart:12. Juli 2007 |
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