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Kelly Rowland

R'n'B ist Teamarbeit

Sängerin Kelly Rowland

(tsch) Es war Kelly Rowland und nicht etwa ihre beste Freundin Beyoncé Knowles, die abseits von Destiny's Child ihren ersten Nummer-Eins-Hit hatte. Man schrieb das Jahr 2002, da schmuste sich die Rap-Ballade "Dilemma" der hochgewachsenen Soul-Blondine in den USA, England und Deutschland an die Spitze der Charts. Ihren Sangesbruder, den Pflaster-Rapper Nelly, überragte sie dabei um einen halben Kopf. Danach war es eine Weile still um die mittlerweile brünett und langmähnig auftretende Sängerin. Sie hat sich Zeit gelassen für ihr zweites Solowerk "Ms. Kelly", das eindeutig mehr Destiny's Child beinhaltet als der Solo-Vorgänger "Simply Deep". Im Interview berichtet die 26-Jährige über selbstherrliche Produzenten im R'n'B-Geschäft, sie erklärt das Erfolgsrezept von Destiny's Child und verrät, welchen Exzessen sie sich bei Geheimtreffen mit den Ex-Kolleginnen Michelle und Beyoncé hingibt .

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teleschau: Warum haben Sie das Album "Ms. Kelly" genannt?

Kelly Rowland: "Ms. Kelly" steht fürs Erwachsensein. Dafür, dass ich jetzt viel mehr für mein Tun verantwortlich bin, aber auch ein größeres Vertrauen zu mir selbst habe. All dass steckt in "Ms.".

teleschau: Fühlten Sie sich denn unreif, als Sie Ihre alten Platten aufnahmen?

Kelly Rowland: Ich weiß heute auf jeden Fall genauer, was ich will. Mein erstes Soloalbum "Simply Deep" ist schon ein wenig unter Zeitdruck entstanden. Diesmal habe ich mir bei der Auswahl der Produzenten und Songwriter mehr Zeit gelassen. Außerdem brachte ich mich mehr ein, auch beim Songwriting war ich stärker involviert. Insgesamt kann ich sagen: Es hat mir ohne den blöden Zeitdruck viel Spaß gemacht, dieses Album aufzunehmen.

teleschau: Hatten Sie denn eine bestimmte Vorstellung oder ein Konzept, in welche Richtung dieses neue Album gehen sollte?

Kelly Rowland: Es gab kein Konzept. Aber wenn ich Musik hörte, wusste ich sofort, ob es das Richtige für mich war oder nicht. Auch wenn ich das nicht in Worte fassen kann. Mein Ohr und mein Herz führten mich ziemlich sicher durch die Produktion. Letztendlich geht es doch darum, dass sich die Musik für mich und die Leute da draußen gut anfühlt. Das zu erreichen, war mein Hauptziel. Ich finde, ich habe das geschafft.

teleschau: Das neue Album klingt mehr nach HipHop und Dancefloor als Ihr erstes Solowerk. Sind Ausgehen und die Clubszene für Sie heute wichtiger als früher?

Kelly Rowland: Das würde ich nicht sagen, aber das neue Album klingt in jedem Fall kraftvoller. Beim letzten Mal gab es viele Gitarren und zum Teil ein Rock-Feeling, diesmal ist der Rhythmus deutlich wichtiger, die Songs entfachen mehr Druck. "Ms. Kelly" steht den Genres Urban oder R'n'B in jedem Fall näher. Trotzdem hasse ich es, Musik in Schubladen zu packen.

teleschau: R'n'B war in den letzten zehn Jahren weltweit unglaublich erfolgreich. Sie haben das Genre durch Destiny's Child entscheidend geprägt. Wie gefällt Ihnen der R'n'B des Jahres 2007?

Kelly Rowland: Es gibt so viele verschiedene Künstler, die man unter dem Begriff R'n'B summiert - viele von ihnen machen großartige, aber völlig unterschiedliche Platten. Auch jetzt sind da wieder eine Menge innovativer Leute, denen ich gerne zuhöre: Rihanna zum Beispiel. Natürlich gibt es auch Leute, die mir fehlen: Jodeci oder Aaliyah gehörten zu meinen Lieblingskünstlern, deren Songs ich sehr vermisse. Andere, neue Musiker versuchen, in die Bresche zu springen. Insgesamt wünsche ich mir hin und wieder mehr Songs im R'n'B. Trotzdem ist das Genre für mich nach wie vor ziemlich okay.

teleschau: Es hört sich fast so an, als wünschten Sie dem Genre R'n'B bessere Songs. In der Tat scheint derzeit ein angesagter Produzent wichtiger zu sein als ein guter Songwriter. Sehen Sie das genauso?

Kelly Rowland: Keiner von beiden ist wichtiger als der andere. Jeder braucht den anderen, um eine großartige Platte zu machen. Außerdem benötigen beide einen tollen Sänger, der diese Songs den Leuten vermittelt. R'n'B ist meiner Ansicht nach Teamwork. Würde ich mit einem Produzenten ins Studio gehen, der die Meinung vertritt, dass allein sein Sound die Hit-Single ausmacht, würde das mit uns garantiert nicht funktionieren.

teleschau: Wenn Sie erzählen, dass Sie bei dieser Platte mehr am Songwriting beteiligt waren - wie schreiben Sie Ihre Songs?

Kelly Rowland: Auch hier kann ich sagen: Vieles passiert in Teamwork. Ich setze mich mit dem Songwriter oder dem Produzenten zusammen, wir probieren Dinge aus. Einen Song auf dem neuen Album, "Still In Love With My Ex", habe ich ganz alleine am Klavier geschrieben. Das hat mich gar keine Mühe gekostet, alles kam wie von selbst. Ich bin sehr stolz darauf.

teleschau: Sind Sie denn an einem Instrument ausgebildet?

Kelly Rowland: Ich habe mal ein bisschen Bass gespielt, aber ich war nicht besonders gut. Jetzt würde ich gern Klavier oder Gitarre lernen, das würde sicher eine Menge Spaß machen.

teleschau: Haben Sie in dieser Hinsicht konkrete Pläne? Es würde das Songschreiben sicher vereinfachen ...

Kelly Rowland: Sicher. Auf der anderen Seite gibt es so viele großartige Produzenten und Songschreiber da draußen. Und nicht jeder von ihnen ist ein toller Sänger oder Performer. So bleibt etwas für mich zu tun. Ich liebe es, über einen Instrumental-Track einfach so loszusingen. Früher dachte ich, ich könnte das nicht. Mittlerweile geht das, und es macht mir verdammt viel Spaß.

teleschau: Auf diesem Album verzichten Sie auf allzu viele Kollaborationen mit anderen Künstlern, die im R'n'B ansonsten recht exzessiv betrieben werden. Eine bewusste Entscheidung?

Kelly Rowland: Ich habe drei Gäste auf dem Album: Eve, Snoop Dog und Tank. Das sollte reichen. Schließlich steht mein Name auf dem Album, und dann sollte auch vor allem viel von mir drinstecken.

teleschau: Als Destiny's Child gegründet wurden, waren Sie 15 Jahre alt. Mit 16 unterzeichneten Sie ihren ersten Plattenvertrag. Fühlen Sie sich manchmal um ihre Jugend betrogen?

Kelly Rowland: Ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Meine Jugend war toll, sie spielte sich nur in einer eher ungewöhnlichen Umgebung ab. Während andere Mädchen mit ihrer Cheerleader-Truppe übten, ging ich eben zur Probe der Grammy-Verleihung (lacht). Das ist natürlich etwas anderes, aber ich genoss es.

teleschau: Viele Quellen wollen wissen, dass Destiny's Child in Sachen Plattenverkäufe die erfolgreichste Girlband aller Zeiten waren. Mit ein bisschen Abstand betrachtet - haben Sie heute eine Erklärung für diesen Erfolg?

Kelly Rowland: Wir haben verdammt hart gearbeitet und tun das immer noch. Wir hatten Hunger und wir hatten Leidenschaft für die Musik. Außerdem gibt es für jedes Bandphänomen eine bestimmte Zeit. Vielleicht waren wir genau die richtige Band für unsere Zeit. Jetzt gibt es eben die Sugababes oder die Pussycat Dolls.

teleschau: Trotzdem waren Destiny's Child sicher mehr als ein Pop-Phänomen. Ihr Stil hat das R'n'B-Genre revolutioniert, der Sound war verschroben, neuartig und ungewöhnlich ...

Kelly Rowland: Es war vor allem dieses sehr schnelle Singen, das unseren Sound ausmachte. Unsere Stimmen klangen gut zusammen, und wir haben es live gut rübergebracht. Eines Tages war Beyoncé mit Wyclef im Studio. Ich hörte sie zum ersten Mal in diesem Stil singen und fragte: "Was machst du da eigentlich?" Diese Technik haben später andere Gruppen kopiert. Trotzdem fühlt es sich cool an, wenn man sagen kann: Wir waren die Ersten, die das gemacht haben.

teleschau: Ihre Beziehung zu Beyoncé ist sehr eng. Sie sind quasi gemeinsam aufgewachsen. War es schwierig für Sie, als Sie ihre Freundin nach dem Ende von Destiny's Child nicht mehr so regelmäßig sehen konnten?

Kelly Rowland: Beyoncé ist für mich wie eine Schwester. Mit Michelle, der dritten Sängerin von Destiny's Child, ist es nicht viel anders. Sie lebt mittlerweile in Chicago, Beyoncé wohnt in New York und ich in Miami. Trotzdem sehen wir uns oft und haben nach wie vor eine sehr enge Beziehung. Manchmal treffen wir uns in Hotels, bestellen Berge von Essen und schauen zusammen Filme. Auf jeden Fall ist unsere gemeinsame Zeit immer eine sehr intensive. Neulich waren wir sogar zusammen im Urlaub. Wir treffen uns ganz oft, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Heute machen wir alle unser eigenes Ding - aber wir unterstützen uns dabei gegenseitig.

teleschau: Wenn Ihr Kontakt so ausgezeichnet ist, könnte es eines Tages auch eine Reunion von Destiny's Child geben?

Kelly Rowland: Das weiß ich nicht. Warten wir's einfach mal ab ...

Eric Leimann


Hat nun ihr zweites Solo-Album veröffentlicht: Kelly Rowland.
Hat nun ihr zweites Solo-Album veröffentlicht: Kelly Rowland. (Sony BMG / Mike Ruiz)

Kelly Rowland unterzeichnete mit 16 Jahren ihren ersten Plattenvertrag.
Kelly Rowland unterzeichnete mit 16 Jahren ihren ersten Plattenvertrag. (Sony BMG / Mike Ruiz)

Mit ihren beiden Kolleginnen von Destiny's Child trifft sich Kelly Rowland noch heute.
Mit ihren beiden Kolleginnen von Destiny's Child trifft sich Kelly Rowland noch heute. (Sony BMG / Mike Ruiz)

Datum: 21.06.2007

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