logo
Anzeige
Sonja Kirchberger

Kein Urlaub von uns selbst

Schauspielerin Sonja Kirchberger

(tsch) Schon erstaunlich, diese Augen! Noch aus der Höhle eines dunklen TÜV-Schachtes leuchten sie einen an, als strahlten sie von innen. Falls Blicke heimlich töten könnten - die Blicke der Schauspielerin Sonja Kirchberger könnten es zweifellos. Die makabre Underground-Szenerie - aus dem Munde des dekorativen Partners (Max von Thun!) trieft schon das Blut - ist Teil eines Foto-Shootings, das schon mal auf die heiße Nacht des "Shocking Shorts Award" Appetit machen soll, jenes Thriller-Kurzfilmpreises, den der Pay-TV-Kanal 13th Street (NBC Universal) regelmäßig anlässlich des Münchner Filmfests vegibt.

Anzeige

 

Nach getaner Arbeit nippt Sonja Kirchberger vorsichtig am Salat, weist aber aus Figur-Gründen das bereitgestellte Suppenschälchen mit saurer Sahne zurück. "Kein tierisches Fett", erklärt die Schauspielerin und fügt hinzu, sonst esse sie durchaus viel, und droht gar: "Ich esse Sie unter den Tisch".

Dass sie gemeinsam mit Muriel Baumeister, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Ralf Bauer, Max von Thun und dem Berlinale-Chef Dieter Kosslick auserkoren wurde, den Gewinner einer Studio-Reise nach Hollywood (Universal) auszumachen, freut die einst mit dem van Ackeren-Film "Die Venusfalle" berühmt gewordene Wienerin nicht wenig, ist sie doch ein absoluter Thriller-Fan. Zudem beginnt die ehemalige Film- und Schauspielstudentin (UCLA, Los Angeles) gleich das Wesen guter Kurzfilme zu erläutern: "Bei Kurzfilmen gibt es kaum Einschränkungen", erklärt sie, "bei ihnen gibt es wirklich den Director's Cut. Man sieht die Handschrift des Regisseurs." 13 Filme hatte die gestrenge Jurorin zu besichtigen. "Alle hatten eine gute Idee, aber nicht alle schaffen es, diese Idee auch hundertprozentig umzusetzen bis ins letzte Detail." Alles müsse eben stimmen: Schnitt, Schauspieler, Suspense, kurzum "die Temperatur des Films".

Was Horrorfilme und Thriller betrifft, so mag sie das "ausführliche kreative Töten" nicht. Sie sieht im Kino nur ungern Blut und bevorzugt stattdessen die indirekte Spannung wie im Horrormovie "Blair Witch" oder im Klassiker "M": "Man muss nur an das Pfeifen denken, und schon läuft es einem eiskalt den Rücken hinab." Dem hand-made-Movie gibt die Jurorin den Vorzug vor den überhandnehmenden digitalen Tricks. "Horrorfilme und Thriller kommen schneller in die Jahre" so glaubt sie, "weil sie häufig auf die Postproduction am Schneidetisch setzen".

Als sei das nun doch zu viel der grauen Theorie, überkommt Sonja Kirchberger urplötzlich die schöpferische Lust: "Es wird Zeit, dass ich endlich eine Anfrage für einen grausamen Horrorthriller bekomme", fährt es aus ihr heraus. Sie ist nach dem großen Anfangserfolg mit der "Venusfalle", der sie auf das Fach der Erotik-Ikone festzulegen schien, weite Wege gegangen und hat sich mittlerweile in fast allen Genres etabliert - vom Krimi übers Melodram bis zur Persiflage.

Im jüngst so erfolgreichen Edgar-Wallace-Verschnitt "Neues vom Wixxer" war sie als "Lady Dickham" an der Seite Blacky Fuchsbergers zu sehen - als "blonder Einzeller", wie sie ihre Rolle beschreibt, "mit einer Gucci-Tasche als Kopf, und die ist leider leer".

"Ich mag Slapstick, ich nehme mich gerne auch selber auf den Arm", sagt die Mutter einer 19-jährigen Tochter und eines sechsjährigen Sohnes, die bei der Ankunft auf dem Prager Flughafen erst mal den Abholer mit der hochgereckten "Wixxer"-Erkennungstafel umging, obwohl sie sagt: "Geschrieben finde ich den Titel wunderbar, nur mit der Aussprache tue ich mich ein wenig schwer."

Nach vielen Fernsehfilmen, bei denen sie stets an Bandbreite hinzugewann und auch längst ins reifere Mutterfach übergewechselt ist, wird ihr schon mal von wildfremden Menschen auf die Schulter geklopft: "Das war super gestern", oder auch: "War ja nicht ganz so", wird ihr dann erklärt. "Ich komme in eine Zeit, wo ich vermehrt ein 'Danke' höre", sagt sie, als wäre es eine Zeile aus einem Gedicht. Lächelnd nimmt sie hin, dass dieses "Danke" manchmal in leichte Schieflage gerät, etwa wie bei dem älteren Herrn, der neulich neben ihr im Flugzeug saß und sagte: "Ich seh' Sie jede Woche immer wieder gern!" Erst beim Abschied - "Auf Wiedersehen, Frau Maischberger!" - wurde ihr klar: Der nette Herr hatte sich schlicht in der Adresse geirrt.

Immerhin ist sie häufig in den Frauen-affinen Filmen der ARD zu sehen. Eine Neuverfilmung der "Zürcher Verlobung" ist eben abgedreht, die Arbeiten für den Utta-Danella-Stoff "Ich träum' dich in mein Leben" (Kirchberger: "Ich find' den Titel wunderbar") haben soeben in Oberbayern begonnen. Sie mag die Abwechslung in der Rollen-Wahl und sagt: "Ich geh oft kleine Schritte, nehme auch mal Zwei- oder Drei-Tage-Rollen an, um ein neues Gesicht zu zeigen, weil ich mich sonst selber auf Dauer nicht leiden kann." Sie brauche jemand, "mit dem man Tango tanzen kann", so sagt sie und ist froh darüber, dass sie Regisseure oder Produzenten auch mal gegen das Klischee besetzen. Und dann sagt die Kirchberger noch: "Das Einzige, von dem wir keinen Urlaub machen können, sind wir selbst." Ein Satz, der wirkt, als hätte sie ihn sich von ihrem Wiener Landsmann Arthur Schnitzler geliehen.

13th Street zeigt eine "Lange Nacht der Shocking Shorts 2007" am Samstag, 23.06., 20.13 Uhr. Der Siegerfilm steht am am Samstag, 30.06., 20.13 Uhr, auf dem Programm.

Wilfried Geldner


"Shocking Shorts"-Jurorin Sonja Kirchberger in der "Fabrik des Schreckens", dem Schauplatz der Preisverleihung im Rahmen des Münchner Filmfests am 28. Juni.
"Shocking Shorts"-Jurorin Sonja Kirchberger in der "Fabrik des Schreckens", dem Schauplatz der Preisverleihung im Rahmen des Münchner Filmfests am 28. Juni. (Gert Krautbauer / 13th Street)

Schon wieder ein Opfer für die gefährliche Frau mit den großen hellen Augen: Jury-Mitglied Max von Thun im Schacht, Jurorin Sonja Kirchberger obenauf.
Schon wieder ein Opfer für die gefährliche Frau mit den großen hellen Augen: Jury-Mitglied Max von Thun im Schacht, Jurorin Sonja Kirchberger obenauf. (Gert Krautbauer / 13th Street)

Sonja Kirchberger, hier beim Foto-Shooting für den Shocking-Shorts-Award des Pay-Senders 13th Street, mag das "ausführliche kreative Töten" nicht. Sie bevorzugt stattdessen die indirekte Spannung wie bei "Blair Witch" oder in Fritz Langs Klassiker "M".
Sonja Kirchberger, hier beim Foto-Shooting für den Shocking-Shorts-Award des Pay-Senders 13th Street, mag das "ausführliche kreative Töten" nicht. Sie bevorzugt stattdessen die indirekte Spannung wie bei "Blair Witch" oder in Fritz Langs Klassiker "M". (Gert Krautbauer / 13th Street)

Datum: 14.06.2007

Facebook aktivieren

Diskussion: "Sonja Kirchberger"

Um eine Diskussion zu "Sonja Kirchberger" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 186786

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Kate Hudson
    Wer sich an das hübsche "Band Aid" aus dem Achtungserfolg "Almost Famous" erinnert, das aus Liebe zur Musik zum suizidgefährdeten Groupie wird, der wird Kate Hudson nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Mittlerweile ...

    18.8. Kate Hudson in Der verbotene Schlüssel
    Es sind häufig kurze Szenen, puristisch in harmonischer Stille gedreht, die im Gedächtnis bleiben. In "Lost in Translation" war es nicht die Art, wie sie ihre Zigaretten rauchte, die Scarlett Johansson ...

    Almoust Famous
    Das Leben ist eine schnelle Sache geworden. Kein Kutscher, kein wochenlanger Ritt, um eine Nachricht zu überbringen. Wie viel Wärme versprüht in dieser Zeit ein handgeschriebener Brief statt einer E-Mail, ...

    Kate Hudson trennt sich von Chris Robinson
    In ihrer neuesten Romantikkomödie "Ich, du und der andere" (Start: 21. September) spielt Kate Hudson eine frisch Vermählte, deren junges Liebesglück (mit Matt Dillon) durch die ewige Anwesenheit eines ...

    MO: Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen
    Auf seinem Bett stapeln sich ihre Plüschtiere, die Schminkutensilien verdrängen sein Rasierzeug im Badezimmerschrank, und wenn sie unterwegs ist, muss die Liebe ständig am Telefon neu beschworen werden. ...

    Kate Hudson und Matthew McConaughey
    Hollywood hat ein neues Traumpaar - zumindest auf der großen Leinwand. Matthew McConaughey (38) dient schon seit mehreren Sommern dank gemeißelter Bauchmuskeln als Pin-up für seine weiblichen Fans, und ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 110 - id = 3238 - task = view - option = com_content - limitstart= 0