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Gogol Bordello Super Taranta!

Gogol Bordello Super Taranta!

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Eine Gypsy-Punk-Band, die Gogol Bordello heißt, aus neun Leuten besteht und ihre CD "Super Taranta!" nennt, muss man eigentlich liebhaben, bevor man den ersten Ton von ihr gehört hat. Vor allem, wenn man weiß, dass Gogol Bordello die derzeit sowieso angesagten Gypsy-Töne aus ihrer östlichen Heimat (sie sind Wahl-New Yorker) schon seit 1999 mit Two Step, Polka, Punk und Metal, Reggae, Dub und - auf "Super Taranta!" - nun auch noch mit Tarantella verquirlen. Auf der Bühne liefern sie nicht nur eine wilde Show, sondern auch noch Cabaret und Kostümorgien. Irgendwer hatte sie einmal als "The Clash, die einen Kampf mit The Pogues in Osteuropa ausfechten" bezeichnet, und das passt wahrhaftig.

Deshalb können Gogol Bordello in ihrer Wahlheimat USA inzwischen auf eine monströse Fangemeinde hinabblicken und auf Festivals wie "Live Earth" mit Madonna auftreten. Sie sind dicke mit den Veranstaltern von "Glastonbury", "Rock am Ring" oder "Reading & Leeds", bespielen osteuropäische Folkfestivals ebenso wie große Rockstadien und verschmelzen die Kulturen auf einem haarfeinen Grat zwischen Ost und West, Genie und Wahnsinn. Tatsächlich ist auch "Super Taranta!" genau der Schmelztiegel, der uns versprochen wurde, den aber auch schon Bands wie Manu Negra vorbereitet haben.

Das Album klingt nach Wahnsinn, nach Goran Bregovic meets Leningrad Cowboys, nach Krimimusik aus Rumänien oder Manu Chao bei einer Live-Session in den Karpaten. "Super Taranta!" klingt so, wie der Soundtrack von "Borat" hätte klingen müssen, so, wie die Fortsetzung von "Schwarze Katze, weißer Kater" werden muss. Wild, rattenschnell, brachial, ironisch und melancholisch-lustig, wie alle Zigeunerweisen. Herrlich, wenn Frontmann Eugene Hütz über "Zina-Maria" lästert, die ein Model werden möchte, sich über dumme oder geniale Zeitgenossen auslässt, stets am Rande des Herzinfarkts und kurz vor dem Explodieren. Einzig der Song "Alcohol" lässt einen entspannteren Rhythmus unterhalb der 100.000 BPM-Grenze zu.

Produziert wurde "Super Taranta!" interessanterweise vom Nick-Cave-Mann Victor Van Vugt, der der Kapelle aber allem Anschein nach völlig freie Hand ließ. Die östlichen Bläser samt der Ziehharmonika, das Fernweh und die Melancholie, die hier gnadenlos mit Rock und Punk, mit Knattergitarre, Rebellentum und Irrsinn gepaart werden, mit Dub und Soul und Disco, sind wundervoll! Ermüdend wirkt hingegen die brachiale Ostakzent-Brüllpose des Frontmanns, der seine Kollegen trotz ihrer Genialität immer wieder zur Staffage degradiert. Aber - das nehmen wir in Kauf.

Kati Hofacker


Datum: 20.07.2007

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