logo
Anzeige
Transformers

Transformers

(tsch) Sie waren die Lieblinge all jener, die in den 80er- und 90er-Jahren ihre Kindheit verlebten und denen an einem verregneten Samstagmorgen nichts Besseres einfiel, als RTL einzuschalten. "Transformers", der Schrecken aller pädagogisch motivierten Eltern, erfreut sich bis in die heutige Zeit bei großen Teilen der Fünf- bis 15-Jährigen bemerkenswerter Beliebtheit, auch aufgrund der mittlerweile zu Sammlerobjekten avancierten Spielzeugmodelle. Für die Einen ist es die Faszination der Technik, der Gedanke daran, dass es Roboterwesen gibt, die sich ruckzuck von einer Maschine in eine andere verwandeln können, für die Anderen ist es die bloße Vorstellung von schier unbesiegbarer Macht, die von den übermenschlichen künstlichen Intelligenzkonstrukten aus dem All ausgeht. Und das gepaart mit dem Boygroup-Effekt. Denn auch die Transformers-Roboter bieten für jeden Zuschauer eine Identifikationsfigur.

Anzeige

 

Gut gegen Böse - auch der Transformers-Kosmos funktioniert nach dem altbewährten Dramaturgiekonzept. Der Sprung ins Kino ist daher nur folgerichtig. Mit Michael Bay hat sich ein Regisseur der Leinwandadaption angenommen, der die passende Philosophie für die Umsetzung des inhaltlich simplen, doch visuell spektakulären Stoffes mitbrachte. "Transformers - Der Film" ist grellstes Popcornkino mit dem Segen leichter Bekömmlichkeit - ein Actionstreifen, der den Augen keine Ruhepause gönnt. Es ist kein schlechter Film, nur sollte der Zuschauer seine Erwartungen an den Spielzeugzirkus anpassen.

Wer den Hintergrund der Geschichte versteht und akzeptiert, kann sogar über die recht lange Laufzeit, immerhin fast zweieinhalb Stunden, viel Spaß haben. Der existenzielle Kampf zwischen den außerirdischen Robotern, auf der einen Seite die menschelnden Auto-Bots, auf der anderen die skrupellos mordenden Decepticons, soll vermutlich einiges über die Gattung Mensch aussagen. Doch letztlich hat die Menschheit bei der eigentlichen Auseinandersetzung, deren Ausgang auch über das Schicksal des Planeten Erde entscheidet, nicht viel mitzureden. Schließlich haben die Waffensysteme der US-Army nur wenig gegen die Metallwüstlinge auszusetzen, was den Werbeslogan der amerikanischen Truppen in der wirklichen Welt augenzwinkernd kommentiert: "There's Strong. And then there's Army Strong".

Die Transformers - gut wie böse - suchen nach der Brille eines bereits längst verstorbenen Polarforschers, der bei einer Expedition ins ewige Eis den eingefrorenen Superbösewicht Megatron aufgestöbert hatte. Bei diesem ersten Kontakt zwischen Mensch und Alien brannte sich ganz besonders wichtiges Kartenmaterial in die Brillengläser, das den Weg zu "AllSpark", dem Ursprung der tranformerschen Existenz weist - und den Krieg zwischen Auto-Bots und Deceptions entscheiden könnte.

Der Enkel des Globetrotters, gespielt von Newcomer Shia LaBeouf, gerät mitten zwischen die elektronisch-mechanischen Fronten und hat seine Schwierigkeiten damit, die Ansprüche seiner Bittsteller zu befriedigen. Er hatte die Brille seines Großvaters unter dem Namen "Ladiesman217" bei eBay zum Verkauf angeboten - für die Elektro-Invasoren ein leichtes Fundstück. Dabei heißt es für den typischen Highschool-Außenseiter nicht nur, sich zwischen wohl meinenden und zwielichtigen Robotern zu entscheiden, sondern auch das Herz einer coolen Braut, um in der Etymologie des Films zu bleiben, mit aufopferungsvollen Taten zu erobern. Gespielt wird sie von Megan Fox, die weniger durch differenziertes Charakterspiel, als durch Schweißperlen auf leicht gebräunter Taillenhaut überzeugen soll.

So schwingt der Film beherzt zwischen hübschen, umeinander werbenden Jungdarstellern und rasanten Kampf- und Jagdsequenzen hin und her, Letztere wahlweise mit computergenerierten Riesenrobotern oder - in diesem Fall dann transformiert - mit schnittigen Autos, Panzern und all dem, was das Militärarsenal sonst noch an Fortbewegungsmitteln bereitstellt. Alle wichtigen US-Automarken kommen zur Geltung: Während Chevrolet (die Opel-Schwestermarke von General Motors) mit dem neuen Sportwagen-Modell Camaro das Gute im Transformer ausdrückt, darf Fords Mustang in der Strafverfolgungskleidung eines hochgezüchteten Polizeiwagens den fiesen Part übernehmen. Auch sonst gleicht die Szenerie einer Autoshow: Muscle Cars, SUVs und Customized Trucks glänzen und funkeln in den schillernden Lackfarben. Darüber hinaus verwandelt sich das Who-is-Who der Decepticons lieber in Kampfjets, die - gemeinsam mit den Hubschraubern der Menschen-Armee - vor der Abendsonne durch die roterdigen Weiten Nevadas flitzen.

"Transformers" ist Michael Bays geradlinigstes Unterhaltungsstück seit "The Rock": von Null auf Hundert in nur wenigen Sekunden, ein aufgemotzter, verlängerter Videoclip aus einem Guss mit dem Tiefgang eines Nichtschwimmerbeckens. Durch die dafür um so aufwendigere visuelle Extrapolierung blinkt, blitzt und leuchtet die Leinwand wie der Strip von Las Vegas bei Nacht. Selbst das Blau des Colorado Rivers, der am Hooverdamm gestaut wird, wo das große Finale beginnt, strahlt unnatürlich. Im starken Kontrast zur blassen Ausstrahlung der Leitfigur von Shia LaBeouf, die mit starken Sprüchen und einer gehörigen Portion Selbstironie zu punkten versucht, helfen die spröden Charaktere dennoch dabei, so manche Peinlichkeit in den Dialogzeilen zu überspielen. Bays wohl austarierte Balance zwischen blankem Nonsens und pointierter Übertreibung funktioniert, nur muss die wirkliche Welt noch daran arbeiten: Der Name "Ladiesman217" wird gerade als Internetadresse für 3.000 US-Dollar zum Verkauf angeboten - bei eBay.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2007, R: Michael Bay, D: Megan Fox, Shia LaBeouf, Josh Duhamel u.a.

Laufzeit: 143 Min.

Kinostart:
2. August 2007


Lennox (Josh Duhamel) wird von einem Transformers-Roboter bedroht.
Lennox (Josh Duhamel) wird von einem Transformers-Roboter bedroht. (2007 DreamWorks LLC / Paramount Pictures)

Mikaela Barnes (Megan Fox) und Sam Witwicky (Shia LaBeouf) werden von den Riesengiganten verfolgt.
Mikaela Barnes (Megan Fox) und Sam Witwicky (Shia LaBeouf) werden von den Riesengiganten verfolgt. (2007 DreamWorks LLC / Paramount Pictures / Robert Zuckerman)

Sam Witwicky (Shia LaBeouf) hat begriffen, warum die Autobots gegen die Decepticons kämpfen.
Sam Witwicky (Shia LaBeouf) hat begriffen, warum die Autobots gegen die Decepticons kämpfen. (2007 DreamWorks LLC / Paramount Pictures / Michael Desmond)

Datum: 29.07.2007

Facebook aktivieren

Diskussion: "Transformers"

Um eine Diskussion zu "Transformers" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 187911

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger
    Ein grüner Gnom mit fragwürdigen Grammatikkenntnissen und ein weißhaariger Hüne mit Hang zu schwarzen Klamotten stehen sich gegenüber und plaudern über alte Zeiten ... Klingt wie der Anfang eines skurrilen ...

    Krieg der Sterne - Special Edition
    Nurmehr Platz 20. Den Mythos "Star Wars" haben, zumindest, was das weltweite Einspielergebnis betrifft, längst andere überholt: "Harry Potter", "Der Herr der Ringe", "Fluch der Karibik" ... - ja sogar ...

    Matrix
    Nur wenige Filme können von sich behaupten, nachhaltig etwas verändert oder Maßstäbe gesetzt zu haben. "Matrix" darf das. Den Gebrüdern Andy und Larry Wachowski gelang 1999 ein intelligenter Science-Fiction-Thriller, ...

    Star Wars: The Force Unleashed
    Als George Lucas ankündigte, dass er drei neue Episoden seines legendären SciFi-Märchens zu drehen gedenkt, war die Erwartung der Fans immens. Das war auch vielleicht der Grund dafür, dass man im Nachhinein ...

    Bruce Willis führt erstmals Regie
    Sylvester Stallone hat es getan, Robert De Niro auch und Mel Gibson sowieso. Nun wagt sich Actionstar Bruce Willis ("Stirb langsam 4.0") ins Regiefach. In seiner ersten Inszenierung "Three Stories About ...

    Die Rückkehr der Jedi-Ritter - Special Edition
    Eine unbeschreibliche Karriere: Mit dem Erfolg von "Jäger des verlorenen Schatzes" im Rücken war Harrison Ford Anfang der 80-er zum begehrtesten Schauspieler Amerikas avanciert und hatte daher freie Wahl. ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 3275 - task = view - option = com_content - limitstart= 0