logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Fernsehprogramm Kino Film MI: Gottes Werk und Teufels Beitrag

MI: Gottes Werk und Teufels Beitrag

Gottes Werk und Teufels Beitrag

(tsch) Auch in diesem Haus voller Kinder hat der Teufel keine Macht. Das Waisenhaus, das Autor John Irving in seinem 1985 erschienenen Roman "Gottes Werk und Teufels Beitrag" (Filmadaption 1999) beschrieb, hat wenig Schwermütiges und schon gar nichts Bedrohliches. "Teufels Beitrag" findet im Leben draußen statt. Die meisten Kinder wissen das, oder sie ahnen es zumindest. Und doch sehnen sie sich nach Geborgenheit. Homer ist eines von ihnen. Als er erwachsen wird, rückt an die Stelle der Sehnsucht nach liebenden Eltern die Sehnsucht danach, die Spielregeln der Welt zu erfahren. Er muss weg.

Anzeige

 

13 Jahre vergingen, ehe der 900-Seiten-Roman fürs Kino umgesetzt werden konnte. Irving selbst schrieb das Drehbuch und wurde dafür mit dem Oscar ausgezeichnet, Regie führte der Schwede Lasse Hallström. Wie schon in seinem bemerkenswerten Kinofilm "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" oder auch in "Mein Leben als Hund" und später in "Chocolat" und "Schiffsmeldungen", sind Bildsprache und Erzählweise von entwaffnender Schlichtheit. Nichts lenkt ab von den mal heiteren, mal tragischen Ereignissen.

Im Mittelpunkt steht Homer (gespielt von Tobey Maguire, dem späteren "Spider-Man"), der nach einigen erfolglosen Vermittlungsversuchen seine Kindheit und Jugend in einem Waisenhaus verbrachte. Zu Dr. Wilbur Larch (Michael Caine), dem Leiter des Heims, hat sich eine Art Vater-Sohn-Beziehung entwickelt. Homer beobachtet dessen Methoden, seine herzliche Erziehung der Jungen und Mädchen, aber auch seine präventiven Eingriffe: Lurch führt, wenn er es für angebracht hält, Abtreibungen durch.

Es sind die 40er-Jahre, Amerika ist im Krieg, und Homer hält es nicht mehr im Waisenhaus aus. Als das junge Paar Candy (Charlize Theron) und Wally (Paul Rudd) abtreiben lässt, ergreift er die Gelegenheit und verlässt mit beiden seine Heimat. Sie bieten ihm einen Job als Apfelpflücker an.

In kurzer Zeit lernt Homer Gottes Werk, aber eben auch die "Beiträge des Teufels" im wahren Leben kennen. Er entdeckt die Liebe, begegnet aber auch einem Vater, einem auf den ersten Blick sympathischen Mann, der seine eigene Tochter missbraucht. Homer erlebt Freundschaft und erkennt die Macht des Todes. Er beginnt, das Schicksal zu begreifen und wird am Ende seine Aufgabe in der Welt verstanden haben.

So dramatisch die Ereignisse in Lasse Hallströms Film mitunter auch sind, so leicht und natürlich werden sie erzählt. Die skurrilsten Situationen sind, so scheint es, Teil des normalen Lebens. Der Zufall darf regieren, Homer muss reagieren. Er ist der komplexeste Charakter des Films: Die Ereignisse berühren ihn, machen ihn aber nicht wirklich zu einem anderen Menschen. Still, geduldig, manchmal fast schon etwas lethargisch geht er durchs Leben. Trotz manch epischer Behäbigkeit bleibt der Betrachter stets neugierig auf seine Entwicklung.

Jan Treber


Der sympathische Homer Wells (Tobey Maguire) hat seine eigenen Wertvorstellungen. Er versucht, sein eigenes Leben zu leben.
Der sympathische Homer Wells (Tobey Maguire) hat seine eigenen Wertvorstellungen. Er versucht, sein eigenes Leben zu leben. (kabel eins / Kinowelt Filmverleih)

Homer Wells (Tobey Maguire) beschließt, sein eigenes Leben zu leben. Doch die Realität holt ihn bald schon ein.
Homer Wells (Tobey Maguire) beschließt, sein eigenes Leben zu leben. Doch die Realität holt ihn bald schon ein. (kabel eins / Kinowelt Filmverleih)

Auf der Suche nach seinem eigenen Weg trifft der unerfahrene Homer Wells (Tobey Maguire) auf die hübsche Candy Kendall (Charlize Theron).
Auf der Suche nach seinem eigenen Weg trifft der unerfahrene Homer Wells (Tobey Maguire) auf die hübsche Candy Kendall (Charlize Theron). (kabel eins / Kinowelt Filmverleih)

Datum: 08.08.2007

Artikel ID 187599

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Schrecklich komisch: "Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected"
    "Ein Leben für ein Leben – Adam Resurrected" ist ein sehr besonderes Stück Kino. Der neue Film des „American Gigolo“-Regisseurs Paul Schrader ist eine amerikanisch- deutsch-israelische Produktion mit dem ...

    "Der Knochenmann" hat Schmäh
    Die Österreicher Wolfgang Murnberger und Josef Hader sind ein eingespieltes Duo. Mit „Der Knochenmann“ gelang den beiden zum dritten Mal ein aberwitziges und skurriles Meisterwerk. Hader schlüpfte für ...

    Beziehungschaos auf Französisch: "Küss mich bitte!"
    Ein Kuss kann ziemlich harmlos sein oder aber der Anfang einer Katastrophe. Das weiβ die junge Französin Émilie (Julie Gayet). Denn sie kennt die verrückte Geschichte ihrer besten Freundin Judith ...

    Wie fabriziert man "Vorbilder?!"
    Zwei Schauspieler mit typisch amerikanischen Jedermann-Gesichtern in einer bunten, netten Komödie zu sehen, deren Humor nur auf die sympathischen Hauptdarsteller gründet, ist keine Seltenheit. Seltener ...

    Ungebremste Lebensfreude: "Happy-Go-Lucky"
    Eine junge Frau lächelt unbeschwert auf dem bunten Filmplakat, das wie ein Lollypop aussieht. „Happy-Go-Lucky“, der Titel des auβergewöhnlichen Films, klingt schon nach guter Laune. Das hätte man ...

    Ein Lach-Klassiker: "Und täglich grüßt das Murmeltier"
    Schon der nihilistische Blick Bill Murrays bringt einen zum Lachen. Wie desillusioniert er jedoch guckt, wenn er denselben Tag immer wieder aufs Neue erleben muss, ist noch komischer. Im 90er-Jahre-Klassiker ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 3295 - task = view - option = com_content - limitstart= 0