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The Dixie Chicks: Shut up and Sing

The Dixie Chicks: Shut up and Sing

(tsch) "Natürlich bin ich für die Redefreiheit. Aber bitte nicht in der Öffentlichkeit." Der Mann mit der Baseballkappe auf dem Kopf, dem Schnauzer im Gesicht und dem "Shut up Dixie Chicks"-Plakat in den Händen ist sich des von ihm geäußerten Widerspruches nicht bewusst. Er ist einfach nur wütend auf die drei Countrymusikerinnen, von denen sich eine, fernab der Heimat, kritisch über den amerikanischen Präsidenten geäußert hatte. Das ganze Ausmaß der Anfeindungen zeigt nun die Dokumentation "The Dixie Chicks: Shut up and Sing". Die zweifache Oscarpreisträgerin Barbara Kopple begleitete gemeinsam mit Cecilia Peck die Musikerinnen drei Jahre lang, um ein möglichst vielschichtiges Porträt der Countrygruppe zu zeichnen. Dies ist ihnen zum Teil auch gelungen.

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Dass diese Dokumentation auch das der Country-Musik wenig zugeneigte Publikum bewegen wird, ist der Tatsache zu verdanken, dass sich die Filmemacherinnen darauf konzentrierten, die Geschichte einer Freundschaft zu erzählen. Somit rückt das zweifelsohne erkennbare PR-Motiv immer wieder in den Hintergrund. Denn selbstverständlich ist dieser Film Teil der medialen Schadensbegrenzung, die die Dixie Chicks ihrer Karriere zuliebe betreiben mussten. Zu oft werden die drei Frauen als fürsorgliche, amerikanische Mütter gezeigt, und zu oft wird ihre Verbundenheit mit Texas betont. Doch im Gedächtnis haften bleibt vor allem die Art und Weise, wie Natalie Maines, Emily Robison und Martie Maguire gemeinsam diese für sie schwere Phase durchstehen. Ihre füreinander empfundene Loyalität wirkt nicht zur Schau getragen.

Es wäre ein Leichtes gewesen, Sängerin Natalie Maines allein für die Misere verantwortlich zu machen. Sie war es, die am 10. März 2003 bei einem Konzert in London die beiläufige Bemerkung fallen ließ: "Wir schämen uns dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt." Es war der Vorabend der US-Invasion im Irak, und in der britischen Hauptstadt waren Tausende auf die Straße gegangen, um gegen den Krieg zu demonstrieren. Von diesem Tag an sehen sich die bis dato unpolitischen Musikerinnen mit massiven Boykottaktionen der Country-Radiosender, Morddrohungen und öffentlichen Verbrennungen ihrer CDs konfrontiert. Doch anstatt sich auseinanderdividieren zu lassen, sich gegenseitig zu zerfleischen oder gar die Leadsängerin auszutauschen, halten sie zusammen.

Barbara Kopple und Cecilia Peck taten gut daran, sich auf diesen Aspekt zu konzentrieren, denn dass die Geschichte gut ausging, war abzusehen. Das Mitte 2006 veröffentlichte Album "Taking The Long Way", dessen Entstehung einen großen Teil der Dokumentation einnimmt, verhalf den Dixie Chicks zu einem fulminanten Comeback und wurde aus dem Stand Nummer eins der Billboard- und der Country-Charts. Aus der Krise konnten die Damen durchaus Kapital schlagen (was der Film etwas ungelenkt zu verschleiern versucht): Sie sind mittlerweile nicht mehr von der konservativen Countrygemeinde abhängig und konnten sich künstlerische Freiheiten herausnehmen, die sie bislang nicht hatten. Die Möglichkeit, mehr Rockelemente in ihre Musik einfließen zu lassen, macht den Dixie Chicks sichtbar Spaß.

Der Film ist eine klare Sympathie-Bekundung. Streckenweise fällt die fehlende Distanz der Autorinnen negativ auf. Zu sehr sind sie damit beschäftigt, den Beweis zu erbringen, dass die USA stockkonservativ sind, dass Kunst dort nur dann erlaubt ist, wenn sie sich der Macht unterordnet. Das Ganze ist ein ziemliches Zerrbild. Diese eindimensionale Sicht und diese unbedingte Nähe zu den Protagonistinnen ermöglichten jedoch auch Aufnahmen intimer Momente. Die Dixie Chicks scheinen großes Vertrauen zum Filmteam gehabt zu haben. So war die Kamera auch dann dabei, als Emily Robison nach der Entbindung das erste Mal ihre Zwillinge in den Arm nehmen darf. Kurz vor der Geburt bricht allerdings zwischen allen Beteiligten (inklusive der werdenden Mutter) noch einmal eine Diskussion über den Irak-Krieg aus. Denn auch wenn an einer Fortsetzung der Karriere der Dixie Chicks zu keinem Zeitpunkt wirklich gezweifelt wurde, so zeigen unfreiwillig komische Szenen wie diese, dass die Musikerinnen doch eine persönliche Katastrophe zu meistern hatten.

Julia Köhler

Credits:
V:Central, USA 2006, R: Barbara Kopple, Cecilia Peck

Laufzeit: 93 Min.

Kinostart:
9. August 2007


Natalie Maines (links), Emily Robison (Mitte) und Martie Maguire sind The Dixie Chicks.
Natalie Maines (links), Emily Robison (Mitte) und Martie Maguire sind The Dixie Chicks. (Senator)

Die drei Dixie Chicks gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem Natalie Maines (Mitte) Bush kritisiert hatte.
Die drei Dixie Chicks gerieten ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem Natalie Maines (Mitte) Bush kritisiert hatte. (Senator)

Eine erzkonservative Gruppe veranstaltete auf die Dixie Chicks eine Hetzjagd.
Eine erzkonservative Gruppe veranstaltete auf die Dixie Chicks eine Hetzjagd. (Senator)

Datum: 10.08.2007

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