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Sam Neill

"Ich bin mit mir selbst im Reinen"

Schauspieler Sam Neill

(tsch) Als er 1993 in "Jurassic Park" in der Rolle des Dr. Alan Grant vor höchst lebendigen Dinosauriern floh, war Sam Neill scheinbar auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Doch weit gefehlt: Für den bald 60-Jährigen (14.09.) hat es immer nur ein Bergauf gegeben. Auch wenn auf den Gehaltsschecks geringere Beträge zu finden waren, wuchs doch immerhin das Ansehen mit seinen wohl überlegt ausgewählten Rollen im fortgeschrittenen Alter. Seine Wandlungsfähigkeit stellte er in leichten Liebeskomödien, schweren Dramen und rasanten Thrillern unter Beweis. Mal war er der nette Mann von nebenan, mal der undurchsichtige Scharlatan. So wenig Sam Neill als Schauspieler zu fassen ist, so bodenständig gibt er sich im Privaten. Mit seiner Frau und seinen Kindern bewirtschaftet er eine Farm in Neuseeland und übt sich als Winzer. Für seinen neuesten Film dagegen ("Angel - Ein Leben wie im Traum", Kinostart: 09.08.) schlüpfte er in die Rolle eines britischen Verlegers zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Interview spricht der Charakterkopf über seine Sehnsucht nach Zuhause, seine Beziehung zu seinen drei Kindern und über Liebesszenen im fortgeschrittenen Alter.

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teleschau: In "Angel" spielen Sie einen Verleger. Wie ist Ihre Beziehung zu Büchern?

Sam Neill: Ich habe ständig eines dabei, meistens einen Roman. Ich habe eine besondere Schwäche für Trash-Novels, also richtige Trivialliteratur, am besten aus dem Science-Fiction-Genre. Dafür gehe ich eben nur selten ins Kino und schaue so gut wie nie fern.

teleschau: Sie sind fast 60 und besitzen eine besondere Wirkung auf Frauen jeden Alters. Woran liegt's?

Neill: Keine Ahnung. Dass ich aber auf der Leinwand so gut mit Frauen auszukommen scheine, liegt vermutlich daran, dass es eine Art Verbindung zwischen uns gibt. Mit weiblichen Kolleginnen zu arbeiten, ist stets eine sehr positive Erfahrung. Ich mag Frauen einfach lieber als Männer.

teleschau: Wie entspannt gehen Sie mit Liebesszenen um?

Neill: Wenn man eine Art Romanze spielt, dann ist es natürlicherweise einfacher, wenn sich die Protagonisten ausstehen können. Und ich glaube, dass ich wirklich sagen kann, dass ich mit allen Frauen, mit denen ich vor der Kamera gestanden habe, befreundet geblieben bin. Sexzenen sind natürlich immer extrem schwierig, auch wenn man sich gut versteht. Ich danke es daher meinem Alter, dass ich bei allen zukünftigen Bettszenen wohl nur noch im Pyjama und mit einem Buch in der Hand auftreten werde.

teleschau: In der Öffentlichkeit treten Sie immer akkurat und abgeklärt auf. Wie selbstsicher sind Sie wirklich?

Neill: Ich bin nicht sehr selbstbewusst, das war ich nie. Ich wüsste auch nicht, wie man das jemals bewerkstelligen sollte. Doch in meinem Alter wird man gemeinhin zufriedener mit sich selbst. So ging es zumindest mir: Ich komme mit meinem eigenen Ich mittlerweile recht gut zurecht, ich bin mit mir im Reinen. Das wurde auch Zeit, schließlich wäre es mit fast 60 Jahren sonst auch eigentlich zu spät. Man muss sich selbst akzeptieren, um glücklich zu sein.

teleschau: War es schwer, sich akzeptieren zu lernen?

Neill: Ich habe lange gebraucht zu verstehen, wer ich bin, was ich ehrlich denke und fühle und wo meine Prioritäten liegen. Sich selbst zu erkennen ist eine größere Aufgabe als die Welt zu erkunden.

teleschau: Einer ihrer nächsten Filme handelt von einem Zwillingspaar, das von bösen russischen Wissenschaftlern entführt wird und Experimente im Weltall über sich ergehen lassen muss. Wieso sind Ihre Rollenwechsel manchmal derart extrem?

Neill: Wir wissen noch gar nicht, ob der Film finanziert werden kann, doch klang das Thema recht ernsthaft. Es wird kein Trash-Science-Fiction sein wie aus einem der Bücher auf meinem Nachttisch. Es ist aber gut, sich zu verändern: Während "Unwiderstehlich" einen sehr realistischen Anspruch hatte, ist "Angel" stark stilisiert. Das macht meinen Job ja so interessant.

teleschau: Sie wechseln ebenso häufig zwischen guten und bösen Charakteren. Was liegt Ihnen besser?

Neill: Am einfachsten ist es, einen Bösewicht zu spielen. Das macht, ehrlich gesagt, auch am meisten Spaß. Die gutherzigen Rollen sind manchmal fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man trotzdem interessant bleiben möchte. Die guten Typen sind häufig leicht zu durchschauen, die fiesen dagegen haben oft mehrere Schichten und viele Gesichter. Das verschafft ihnen natürlich mehr Aufmerksamkeit.

teleschau: Ihre Frau Noriko Watanabe reist häufiger beruflich um die Welt als Sie.

Neill: Sie arbeitet als Make-Up-Künstlerin für Filmproduktionen, das ist richtig. Sie ist eine der besten Maskenbildnerinnen weltweit und reist daher auch viel. Aber auch ich habe üblicherweise bis zu drei Filmprojekte im Jahr, was bedeutet, dass ich etwa acht Monate von zu Hause weg bin. Letztes Jahr waren es sogar neun. Ich würde natürlich gerne mehr Zeit mit meinen Trauben verbringen, aber jeder hat zu arbeiten. Mein Leben ist spiegelverkehrt zu dem anderer Menschen: Wenn sie Urlaub haben, fliegen sie in die Fremde. Ich fliege nach Hause.

teleschau: Sie kommen viel herum: Wo sind Sie am liebsten?

Neill: Neuseeland kommt meinem Ideal vom perfekten Ort schon sehr nahe. Dort gibt es all das, was das Leben lebenswert macht, frei Haus: unberührte, wilde Natur, die Berge, das Wasser. Meine glücklichsten Momente habe ich hier mitten in dieser grünen Lunge erlebt: beim Angeln, was man in Neuseeland überall darf, oder beim Wandern. Obwohl ich New York, Berlin, London und viele andere Metropolen dieser Welt schätze, sehne ich mich doch nach diesem meinem Zuhause.

teleschau: Was machen Ihre Kinder?

Neill: Meine 25-jährige Tochter Maiko ist als R'n'B-Sängerin in London und hat eine eigene Band. Elena ist jetzt 16 Jahre alt und geht noch zur Schule. Tim ist 24 und hat gerade sein Universitätsstudium beendet. Er wollte ein Jahr an der frischen Luft verbringen, also arbeitet er für mich in den Weingärten.

teleschau: Waren Sie ein strenger Vater?

Neill: Das müssten Sie meine Kinder fragen. Aber sie sind, glaube ich, ganz zufrieden mit mir. Ich hatte keine spezielle Agenda, was die Erziehung anging. Ich habe mich nie als Experte aufgespielt, und ich meine, dass es so etwas wie bestimmte Regeln auch gar nicht gibt. Man muss viel improvisieren.

teleschau: Was geben oder haben Sie Ihren Kindern bereits an eigenen Erfahrungen aus Ihrer eigenen Jugend mit auf den Weg gegeben?

Neill: Mir war es wichtig, meinen Kindern die bestmögliche Bildung zu verschaffen, die sie überhaupt aufnehmen können. Danach heißt es: viel Glück! Sie müssen ihren eigenen Weg finden und eigene Erfahrungen machen. Wir können sie nicht auf alles vorbereiten, was ihnen im Leben begegnen wird.

Leif Kramp


Sam Neill spielt in "Angel - Ein Leben wie im Traum" (Kinostart: 09.08.) den verliebten Verleger Théo.
Sam Neill spielt in "Angel - Ein Leben wie im Traum" (Kinostart: 09.08.) den verliebten Verleger Théo. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Théo (Sam Neill) und Angel (Romola Garai) stehen am Tor zu Paradise House.
Théo (Sam Neill) und Angel (Romola Garai) stehen am Tor zu Paradise House. (2007 Concorde Filmverleih GmbH)

Für "Merlin 2 - Der letzte Zauberer" (RTL, Sa., 04.08., 20.15 Uhr) schlüpfte Sam Neill noch einmal in die Titelrolle des Zauberers.
Für "Merlin 2 - Der letzte Zauberer" (RTL, Sa., 04.08., 20.15 Uhr) schlüpfte Sam Neill noch einmal in die Titelrolle des Zauberers. (RTL)

Datum: 08.08.2007

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Diskussion: "Sam Neill"

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