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Timothy Hutton

Unter dem Radar

Schauspieler Timothy Hutton

(tsch) Als Star der zweiten Reihe erarbeitete er sich einen soliden Ruf als Charakterdarsteller. Erfolge wie "Wehrlos - Die Tochter des Generals", "French Kiss" und zuletzt "Der gute Hirte" zieren seine Filmografie. Dennoch: Sein Gesicht wirkt unverbraucht - und das nach über 25 Jahren im Filmgeschäft. Timothy Hutton kann böse sein und nett, gebrochen und euphorisch. Meistens aber zeichnet seine Rollen ein unterschwelliger Ernst aus, der auch seinem natürlichen Charakter nicht fremd ist. Der bald 47-jährige Kalifornier hat ein besonnenes Auftreten, gibt sich zurückhaltend und neigt nicht zum Polarisieren. Verheiratet ist er mit der französischen Kinderbuchillustratorin Aurore Giscard d'Estaing, Nichte des ehemaligen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing (1974 bis 1981). Er selbst lernt immer noch fleißig Französisch - allein schon, weil ihm darin ihr gemeinsamer Sohn einiges voraushat. In seinem neuen Film "Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft" (Start: 09.08.) ist er ebenfalls in der Vaterrolle zu sehen. Seine Kinder treffen darin auf einen Außerirdischen, der die Gestalt eines Plüschhasen angenommen hat, und entwickeln daraufhin besondere Begabungen. Im Interview spricht Hutton über sein neues Leben in Frankreich, seine Zukunftssorgen, und er erklärt, wieso wir Kindern besser zuhören sollten.

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teleschau: In Ihrem neuen Film wird die Frage aufgeworfen, wie sich herausfinden lässt, ob die eigenen Kinder außergewöhnlich begabt sind. Wie versuchen Sie es?

Timothy Hutton: Indem ich zu Hause und bei ihnen bin, indem ich sie beobachte und mit ihnen rede. So viele Eltern hören heutzutage einfach auf, ihren Kindern Aufmerksamkeit zu schenken. Wir dürfen nicht nur mit unseren Problemen beschäftigt sein. Nicht nur unseren Kindern sagen, wie sie sich verhalten sollen. Wir müssen ihnen zuhören. Woher sollen wir wissen, wie sie wirklich sind? Das können sie uns nur selbst erzählen.

teleschau: Welche Meinung hat Ihr kleiner Sohn von dem Film?

Hutton: Er hat bisher nur animierte Filme gesehen: "Shrek", "Monster AG" und "Findet Nemo". Aber kürzlich war meine Frau mit ihm im Kino, und es wurde eine Vorschau zu "Mimzy" gezeigt. Als ich kurz eingeblendet wurde, fing mein Sohn an zu rufen: "Da ist Daddy!" Meine Frau flüsterte nur, es sei alles okay, doch er rief weiter: "Aber da ist Daddy, guck doch!" Peinliche Situation.

teleschau: Die Geschichte erinnert an "E.T. - Der Außerirdische". Ist das ein Manko?

Hutton: Das würde ich nicht sagen, im Gegenteil: Es wäre sogar ein schönes Kompliment. Wenn Zuschauer sich den Film anschauen, um "E.T." in einer neuen Form zu sehen, wäre das großartig. Ich glaube aber nicht, dass die Idee und das Thema des Films dem großen Vorgänger nachempfunden sind. Es geht vielmehr um die Vorstellung, dass Spielzeuge Kindern einen Blick in die Zukunft gewähren können - nicht um die Geschichte eines Außerirdischen.

teleschau: Ihre Frau ist Französin, und Sie leben wie auch Ihr Kollege Johnny Depp in Frankreich. Gibt es eine Gemeinschaft der frankophilen Hollywoodstars?

Hutton: Es gibt einige Schauspieler, die in Frankreich ihren Zweitwohnsitz haben und sich womöglich dort sogar auch noch sehr viel länger aufhalten als wir, darunter Johnny Depp, aber auch John Malkovich. Wir haben zwar nur eine Wohnung dort, aber ich fühle mich immer mehr mit Land und Leuten verbunden. Es sind jetzt schon knapp sieben Jahre für mich in diesem Land. Frankreich ist eine gute Basis, um in alle Welt zu reisen. Wenn ich Drehbücher angeboten bekomme, muss ich hin und wieder mal rüber nach Los Angeles oder New York fliegen, um Einzelheiten zu besprechen. Aber dazu muss ich nicht dort vor Ort wohnen. Wenn es um die tatsächlichen Dreharbeiten geht, finden die ohnehin ganz woanders statt: Allein in den vergangenen zwei Jahren drehte ich in Spanien, Südafrika, Österreich und Tschechien. Es ist also viel komfortabler, mitten in Europa zu wohnen. Aber zur Sicherheit habe ich immer noch mein Apartment in New York. Mein älterer Sohn ging dort zur Schule. Doch seit er aufs College geht, drängt es mich immer mehr nach Paris.

teleschau: Werden Sie in Frankreich bleiben?

Hutton: Wir mussten eine Entscheidung treffen, weil mein jüngerer Sohn gerade fünf Jahre alt geworden ist und er bald eingeschult wird. Soll er in Amerika zur Schule gehen? Ich denke da eher an Frankreich. Im Grunde haben wir uns längst entschieden. Er spricht auch schon perfekt französisch. Wir werden ihn auf jeden Fall auf eine bilinguale Schule schicken.

teleschau: Ihr Filmspektrum reicht von Blockbustern bis zu kleinen Programmkino-Filmen. Wie suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Hutton: Als ich gerade "Der gute Hirte" mit Robert De Niro abgedreht hatte, wurde mir die Hauptrolle in dem Indie-Film "When a Man Falls in the Forrest" angeboten. Darin spiele ich einen Ehemann, der verlernt hat, mit seiner Frau, gespielt von Sharon Stone, zu kommunizieren. Sie müssen herausfinden, wie sie in Zukunft miteinander zurechtkommen wollen. Es ist also das Porträt einer Ehe in einer Krisensituation. Mir hat der surreale Charakter der Erzählung sehr gefallen. Die emotionale Wirkung, die der Film auf die Zuschauer hat, ist faszinierend. Mitten in den Dreharbeiten bekam ich das Drehbuch zu "Mimzy". Es war rein zufällig, dass die Angebote Schlag auf Schlag kamen.

teleschau: Doch was interessierte Sie inhaltlich an den drei Geschichten? Gibt es ein übergeordnetes Merkmal?

Hutton: Es geht um Familien und deren Umgang mit Problemen. Darum, wie Menschen schwierige Momente meistern, wie sie weiterhin nach vorne blicken und sich aus einem Wust von Nöten freischaufeln. Aber ich suche nicht bewusst nach inhaltlichen Verknüpfungen, ich entscheide meistens aus dem Bauch heraus.

teleschau. Plagt Sie die Angst, dass Sie im Alter Schwierigkeiten haben könnten, genügend Rollen zu finden?

Hutton: Es gehört quasi zum Standardrepertoire der Sorgen eines Schauspielers, sich darüber Gedanken zu machen. Schließlich ist es ein extrem unvorhersehbarer Beruf. Die Anrufe deines Agenten verhelfen dir meistens auch nicht zu einer besseren Laune, weil ständig Druck aufgebaut wird, nach dem nächsten Film zu suchen, mit dem man sich auf dem Markt positionieren muss, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Doch lassen Sie sich gesagt sein: Nach 27 Jahren als Schauspieler kümmert mich das nicht mehr. Ich weiß, dass die Arbeit da draußen ist, und dass für uns alle genug da ist. Solange man kein öffentliches Image hat, das gegen einen arbeitet, braucht man sich nicht zu sorgen.

teleschau: Also keine Karriereplanung im klassischen Sinne?

Hutton: Davon halte ich gar nichts.

teleschau: Wie gelingt es Ihnen, für Paparazzi uninteressant zu bleiben?

Hutton: Ich fliege seit Jahren bewusst unter dem Radar. Dabei habe ich mich nie direkt gegen das Prominentendasein entschieden. Aber ich hielt mich von all den Film-Premieren und Partys fern, mit denen ich nichts zu tun hatte. Es ist doch unglaublich, dass unzählige Schauspieler bei Festivals über den Roten Teppich laufen, obwohl sie in dem Film gar nicht auftauchen. Die flehen förmlich nach öffentlicher Aufmerksamkeit.

teleschau: Sie gelten als eine der schillerndsten Figuren des so genannten "Brat Pack". Welche Erinnerungen haben Sie an die wilden 80er-Jahre?

Hutton: "Die Kadetten von Bunker Hill" war mein großer Durchbruch, das war 1982. Das Brimborium um das sogenannte "Brat Pack" wird heutzutage fälschlicherweise mit dem Film verbunden. Das rankte sich aber eher um Streifen wie "St. Elmo's Fire" und damals noch junge Schauspieler, die gerne miteinander herumhingen, wie Emilio Estevez, Chuck Nelson und Demi Moore. Ich hatte damit nichts zu tun und bin alldem sogar bewusst aus dem Weg gegangen.

Leif Kramp


Timothy Hutton stellte seinen neuen Film in Berlin der Öffentlichkeit vor.
Timothy Hutton stellte seinen neuen Film in Berlin der Öffentlichkeit vor. (2007 Warner Bros. Ent.)

Die Eltern (Timothy Hutton und Joely Richardson) der Kinder ahnen nicht, was vor sich geht.
Die Eltern (Timothy Hutton und Joely Richardson) der Kinder ahnen nicht, was vor sich geht. (2007 Warner Bros. Ent.)

Timothy Hutton (rechts), Rhiannon Leigh Wryn (vorne links), Chris O'Neil (vorne rechts) und Regisseur Robert Shaye kamen nach Berlin zur Präsentation von "Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft" (Start: 09.08.).
Timothy Hutton (rechts), Rhiannon Leigh Wryn (vorne links), Chris O'Neil (vorne rechts) und Regisseur Robert Shaye kamen nach Berlin zur Präsentation von "Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft" (Start: 09.08.). (2007 Warner Bros. Ent.)

Datum: 08.08.2007

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