Sportfreunde Stiller
Das Brett ohne den BallBand Sportfreunde Stiller (tsch) Irgendwann, im Dezember. Eine der üblichen Schunkelsendungen im Öffentlich-Rechtlichen, das große Finale. Florian Silbereisen steht auf der Bühne, dazu alle, die in den dreieinhalb Stunden davor gesungen, getanzt oder einfach nur ein bisschen doof in die Kamera gegrinst haben. Sie singen. Sie singen den Sportfreunde-Stiller-Smasher "54 , 74, 90, 2006". Das zeigt zweierlei, einerseits, dass die vor nichts zurückschrecken. Andererseits, dass die Sportfreunde ihre Unschuld verloren haben, sich ihrer Rezeption da draußen in der freien Wildbahn nicht mehr sicher sein können. Ein "Ich möchte nicht, dass Ihr meine Lieder singt" wäre eine verständliche Reaktion auf den Overkill des letzten Jahres, der sein süßes Topping in zwei Nummer-eins-Positionen für eben erwähnte Single und das zugehörige Album "You Have To Win Zweikampf" fand. Doch Peter, Flo und Rüde gehen den anderen Weg. Sie machen weiter, so als ob nichts gewesen wäre. Peter Brugger erzählt, warum. Anzeige teleschau: Ihr habt im Juli auf einigen Club-Konzerten die Songs von "La Bum" das erste Mal live vorgestellt - und seid ganz schön abgefeiert worden. "Wunderbare Jahre" habt Ihr komplett einen Fan spielen lassen ... Peter Brugger: Machen wir gerne, aber das war schon großartig. Der hat das gut gemacht, ne? Zumal wir mit In-Ear-Monitoring arbeiten, der hat also überhaupt keinen Monitor-Sound gehabt. teleschau: Bei welcher Band hätte der 16-jährige Peter Brugger so etwas gerne getan? Brugger: Puh, schwierig. Ich kann es immer noch nicht ermessen, welchen Stellenwert wir für die Leute haben. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ich liebte früher die Black Crowes - denen bin ich förmlich hinterhergereist, später kamen dann Oasis. Solche Bands waren früher für mich die Größten. Ich möchte lieber gar nicht darüber nachdenken, dass wir für manche Menschen jetzt einen ganz ähnlichen Stellenwert besitzen. Deswegen wäre es jetzt vermessen, wenn ich uns da mit irgendjemandem vergleichen würde. teleschau: Irritiert das einen noch, dass man ganz offenbar irgendeine Art des Stellenwerts besitzt? Brugger: Du meinst, so nach dem Motto: "Wolltet Ihr nicht eigentlich zu der anderen Band?" (lacht) Nein, für mich ist es einfach Wahnsinn. Da stehen, in diese Gesichter zu schauen, zu hören, wie die mitsingen. Das ist schon ein großes Geschenk, das man genießen und auskosten muss. teleschau: Das Publikum hat sich aber doch mit der wachsenden Popularität radikal verändert. Welche Rolle hat da die Fußballplatte gespielt? Brugger: Das kann ich jetzt noch nicht sagen, da ist die Zeitspanne zu kurz. Und bei den paar Clubkonzerten, auf denen wir bisher unser neues Material vorgestellt haben, waren ja vor allem Journalisten und viele Leute, die ihre Tickets über einen Radiosender gewonnen haben. Ob wir tatsächlich mit "You Have To Win Zweikampf" viele neue Anhänger gefunden haben, wird erst die große Tour im Herbst zeigen. Das war aber eine Frage, die uns im Vorfeld der Aufnahmen zu "La Bum" durchaus beschäftigt hat. Man analysiert da natürlich ein bisschen - werden sich alte Fans von uns abwenden, werden neue dazukommen? Wir sind das gewohnt. Unser Publikum hat sich immer geändert, aber die Stimmung war immer eine gute. Und solange das so bleibt, machen wir uns eigentlich überhaupt keine Sorgen. Ich denke, mit den neuen Songs werden unsere alten Fans glücklich sein. teleschau: Der Themenkomplex Fußball ist raus aus der Platte ... Brugger: Auch darüber haben wir viel diskutiert. Wir waren teilweise vielleicht sogar zu verkopft und hatten erst einmal eine Phase, in der wir sehr abstrakte Texte schrieben. Wir merkten dann aber, dass diese Songs bei uns so überhaupt nicht zündeten, als wir die probten. Aber wir haben dann doch noch die Kurve gekriegt und die Stücke so erweitert, dass sie funktionierten. Ich glaube, die Platte ist sehnsüchtig, aber nicht traurig. Es ist eine ... nachdenkliche Aufbruchplatte. Ein rundes Ding. Oder wie der erste Song heißt: "Der Titel vom ersten Kapitel". Wir mussten da schon einiges ausloten. teleschau: Was war die musikalische Vorstellung? Wie sollte das Ding klingen? Peter: Ich war voll auf Razorlight gebürstet. Ich hörte das vorher die ganze Zeit und wollte, dass das alles etwas nach Razorlight klingt. (lacht) Halt offen, kein Brett, nicht zu viele Verzerrer. Aber das hat natürlich überhaupt nicht funktioniert, wir brauchen den Bums. Aber, auch wenn ich das Wort nicht besonders gerne mag: Ich finde, die Platte klingt ein ganzes Stück erwachsener. teleschau: Ist das auch eine Agenda? Du wirst schließlich auch älter, die Zielgruppe ist eher jünger ... Brugger: Eigentlich nicht. Ich versuche, diese Gedanken nicht aufkommen zu lassen. Ich möchte, dass die Musik uns entspricht und durchaus die Entwicklungen widerspiegelt, die wir persönlich durchmachen. Aber mit dem Altersprozess soll das nichts zu tun haben. Es soll halt nicht peinlich gefunden werden. teleschau: Berührt es Dich, wenn das jemand tut? Gerade in den Indie-Kreisen, aus denen Ihr ja kommt, seid ihr nicht nur gut gelitten. Brugger: Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass die Kritik von vielen Journalisten nicht objektiv ist. Die denken eher: Die Sportfreunde Stiller kann ich nicht cool finden, weil mich meine Kollegen sonst scheiße finden. Es ist so ein Spiel. Ohne, dass wir irgendwas anders gemacht haben, haben sich vor ein paar Jahren viele von uns abgewendet. Da ist aber auch viel Politik und Berechnung dabei. Und das finde ich schade, weil ich finde, dass man Musik einfach nicht nach irgendwelchen Coolheits-Faktoren beurteilen sollte. Um auf die Frage zu kommen: Klar, Kritik tut immer weh. Aber dass einen jeder mag, ist natürlich völlig unrealistisch. teleschau: Wo habt Ihr "La Bum" aufgenommen? Brugger: Wir waren zunächst zwei Wochen in Spanien, dann in Hamburg und dann wieder in Spanien. Dazwischen hatten wir Pausen, und so war das ganz cool. Es flog einem nicht die Decke auf den Kopf wie früher, wenn wir für sechs Wochen am Stück im Studio waren. Wir konnten ab und an ein bisschen reflektieren, uns überlegen, an welchen Songs wir noch arbeiten müssen und so. teleschau: Spanien - das klingt nach Urlaub ... Brugger: Natürlich, es ist angenehm, in einem Land aufzunehmen, in dem die Sonne etwas öfter scheint als zu Hause, das ist klar. Wir waren da jetzt insgesamt schon ein halbes Jahr, und sind es immer wieder gerne, auch weil wir mittlerweile schon ein paar Leute kennen. Aber in erster Linie nehmen wir da nicht auf, weil es so schön ist, sondern weil unser Produzent Uwe Hoffmann dort sein Studio hat. teleschau: Ihr seid jetzt seit elf Jahren im Geschäft. Was von den Dingen, die Du Dir damals vorgestellt hast, hat sich bewahrheitet? Brugger: Letztendlich konnte ich mir immer sehr wenig vorstellen. Wir hatten immer so Punkte, wo wir "Wow, was geht denn jetzt?" dachten. Der erste Auftritt auf dem Southside, dass man ein Album aufnimmt oder schlicht die Tatsache, dass man von der Musik leben kann und nicht mehr jobben musste. Das ging bei uns natürlich nur deshalb, weil wir immer viele Konzerte gaben. Mit Plattenverkäufen alleine verdient keine Band mehr genug. teleschau: Wobei Ihr jetzt ja sogar Gigs auf der Straße gebt ... Brugger: Ja, das war vor der Uni und am Eisbach. Das war schon ziemlich lustig und auch gut zu sehen, dass das ohne PA, auf einer niedrigen Basis noch funktioniert. Das ist ein netter Ausgleich zu den großen Konzerten. Jochen Overbeck |
| Eurovision Song Contest | |
| Zutiefst gespaltene Meinung: War es nun cool, dass die maskierten Monstermetaller Lordi letztes Jahr den vormals doch eher populärmusikalischen "Eurovision Song Contest" (ESC) für sich entschieden, oder ... | |
| No Angels - Destiny | |
| Was man schon sagen sollte: Die No Angels sind mit "Destiny" Interpretinnen geblieben, das Comeback führte nicht zu einem gemeinsamen Kreativitätsschub: Die vier, Anfang des Jahrtausends mit Songs wie ... | |
| Avril Lavigne - The Best Damn Thing | |
| Frau Lavigne ist erwachsen geworden, das ist eine Tatsache, die schon ein Blick in ihre Biografie verrät. 22 ist sie mittlerweile und darf damit auch in den USA so ziemlich alles, auf das sie gerade Lust ... | |
| Natasha Bedingfield - Natasha Bedingfield | |
| In Sachen Fräuleinwunder hat England halt doch die Nase vorne. Wo sich Avril Lavigne zwar kommerziell erfolgreich, aber was die Ideen angeht eher ratlos zwischen Pop und Rock verheddert, haben die Produzenten ... | |
| Pet Shop Boys | |
| "Irgendwo zwischen Chemmnitz und Düsseldorf", so sagt Chris Lowe von den Pet Shop Boys, seien sie gerade. "Hübsche Landschaft, wirklich. Wir sollten hier ein bisschen bleiben", fügt er an. Zusammen mit ... | |
| Pet Shop Boys - Cubism In Concert | |
| Es dauert nicht lange. Vielleicht zwei, drei Minuten, und dann ist klar, dass der Reiz der Pet Shop Boys immer noch aus zwei Grundingredenzien generiert wird. Einerseits ist da eine Eingängigkeit, die ... |