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Laith Al-Deen

"Es sollte alles sehr klar werden"

Popsänger Laith Al-Deen

(tsch) Laith Al-Deen sitzt gemütlich im Münchener Gasthaus "Seehaus" und beobachtet die Schwäne, raucht eine Zigarette und genießt seinen Kaffee. Obwohl er einer von Deutschlands populärsten Sängern ist, macht er keinerlei Aufhebens um sich. Er ist ein Mann ohne Starallüren und Kapricen, dafür mit einer guten Portion Humor und fast ein wenig unsicher. Ein sympathischer Kumpeltyp, den man gerne als Freund oder Kollegen hätte und der über das neue Album "Die Frage wie" so einiges zu erzählen hat.

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teleschau: Es gibt eine große Überraschung: Das Lied "Frag nicht" ist so jazzy, wie man Dich gar nicht kennt. Könntest Du Dir vorstellen, mehr in dieser Richtung zu machen? Das neue Album ist ja sowieso sehr schlicht.

Al-Deen: Nicht schlicht, sondern "klar" ist das richtige Wort. Es sollte alles sehr klar werden und sehr akustisch. Wir haben nur Instrumente auf dem Album, keine Samples, die Band ist sehr involviert, bis auf zwei computerisierte Beats ist auf dem Album alles echt, das war uns sehr sehr wichtig. Wir sind damit bereits auf dem Weg zur nächsten Platte, die komplett unplugged werden soll. Dort wird die Band dann auch noch mehr eingebunden. Dann will ich auch, dass die mitkomponieren.

teleschau: Du weißt jetzt schon, wie Dein nächstes Album wird? Ist das immer so?

Al-Deen: Nein, das war jetzt völlig zufällig, weil die Band eben so stark mit dabei war. Wir haben zum Beispiel eine Live-Studio-Session gemacht, die wie ich finde, sehr schön ist. Aber da denkt man sich: "Das passt jetzt hier nicht so her", und verschiebt manche Nummern auf ein späteres Album. So ist schon bei der Arbeit an diesem Longplayer der nächste gedanklich mit entstanden ...

teleschau: Wie komponiert man denn zu viert? Sitzt man da wirklich gemeinsam am Tisch, und jeder sagt "Ich weiß was?"?

Al-Deen: Nein, oft genug hat einer schon eine komplette Nummer im Gepäck, und man setzt sich eher zu zweit hin. Dann kommt schon mal ein Dritter dazu, aber dann gibt es sofort Streit, und es wird sehr - äh - interessant und vielleicht auch fruchtbar. Aber am kreativsten kann man zu zweit arbeiten.

teleschau: Wie gut kennt Ihr Euch inzwischen, Steffen Britzke, Matthias Hoffmann, Ralf Hildenbeutel und Du?

Al-Deen: Da wir zusammen im Studio schreiben und die Schreibphase immer ein komplettes Jahr geht, kennen wir uns sehr gut. So gut, dass wir nicht mehr zusammen in den Urlaub fahren müssen. Das Studio ist in Frankfurt, ich pendle immer noch dahin. Ich wohne in Mannheim, das sind 80 Kilometer. Wir machen das so richtig nine-to-five-Job-mäßig.

teleschau: Klingt wie ein richtiger Beruf ...

Al-Deen: Genau, ich fahre morgens hin und um fünf zurück. Das mag man verrückt finden, aber ich habe mir das so rausgesucht, das hat einfach was! Du hast viel Zeit zu Hause.

teleschau: Liegt das an Dir, dass die Zusammenarbeit so gut klappt? Du giltst ja als äußerst kooperativer Mensch. Oder hattest Du einfach Glück mit den Dreien?

Al-Deen: Die Drei haben schon vor zehn Jahren als Technoproduzenten angefangen, im Pulk, sie kennen sich schon sehr gut. Davor haben sie in den 80er-Jahren Funkrock in einer Band zusammen gespielt, da konnte ich noch nicht mal eine Gitarre halten ...

teleschau: Stichwort 80-er. Ihr habt wirklich sehr viele Einflüsse aus dieser Dekade auf das Album genommen. Wollte das Trio da seine Wurzeln wieder ausgraben?

Al-Deen: Wir sind alle vier Kinder dieser Zeit, da kommt man nicht daran vorbei ...

teleschau: Was war das für ein Gefühl, zurück zu den Ursprüngen zu gehen?

Al-Deen: Das fühlte sich super an! Wir hatten einfach nicht den Anspruch zu sagen: Mensch, das muss unbedingt modern sein. Natürlich sollte der Sound auch nicht altbacken werden, aber das ist er ja dann gar nicht geworden, also das war alles eher Zufall.

teleschau: Ist es in Ordnung, wenn Du mit Seal verglichen wirst?

Al-Deen: Das greift schon, das ist ein bisschen der Sound von Trevor Horn, dem Produzenten. Über den kann man nur sagen: Hut ab, da sind wir alle Fan von. Und wir haben tatsächlich auch alle Seal-Platten zu Hause.

teleschau: Wie bist Du denn als Kind zur Musik gekommen?

Al-Deen: Ich konnte mich nicht zwischen Gitarre und Schlagzeug entscheiden und habe mich quasi als Kompromiss drei Jahre lang an der Heimorgel versucht. Da spielte ich auf diesem uralten und unendlich langweiligen Instrument daheim Weihnachtslieder. Mit der Schule kam dann das Interesse an Rock. Ich lieh mir von einem Schulfreund eine Gitarre, die habe ich heute noch. Auf der schreibe ich alles, die kriegt er auch nicht mehr. Dann kam die erste Band ...

teleschau: Wie hieß die?

Al-Deen: Die hießen immer irgendetwas auf Englisch, obwohl wir deutschsprachigen Heavy Metal gemacht haben. Das klang furchtbar, so wie Böhse Onkelz in schlecht. Ich war damals 14 und klang älter als jetzt mit 27. Wir hießen mal "Amplified" und einmal sogar "Violent Crime". Auf den Namen waren wir wahnsinnig stolz, völlig bescheuert, "gewaltvolles Verbrechen" - super Name! (lacht)

teleschau: Warst Du der Schulrevoluzzer?

Al-Deen: Nein, überhaupt nicht. Unser Bassist schrieb damals einen Text über den Falklandkrieg, den analysierten wir dann in Englisch gemeinsam. Aber Einserschüler war ich nicht. Ich hatte meistens Zweier und Dreier.

teleschau: Wie wurdest Du Sänger?

Al-Deen: Mit der nächsten Band, "Strange Attractor". Das war die Frankentaler Szene, wo auch Six Was Nine herkommen. Die Jungs machten Funk und Soul, und zufällig fiel denen der Sänger aus, als ich gerade dabei war. Da war ich dann vier Jahre, lernte sehr viel und traf die richtigen Leute. Mit 20 verdiente ich dann schon Geld, sodass ich mich entschloss, ganz Musik zu machen. Damals schrieb ich auch meine ersten Texte - auf Englisch, aber über die Themen, die mir am Herzen liegen. Über Freiheit, über Nächstenliebe.

teleschau: Stichwort Freiheit. Als halber Iraker könntest Du doch jetzt gut eingreifen und Dich politisch äußern? So als eine Art Botschafter ...

Al-Deen: Erstens arbeite ich nicht mit dem Zeigefinger, und zweitens wäre ich sehr unglaubwürdig. Ich bin schon so lange hier, mein Vater ist inzwischen Deutscher, und mit zwölf war ich das letzte Mal im Irak. Ich kann noch nicht einmal die Sprache, ich bin deutsch-englisch aufgewachsen.

teleschau: Wenn Du Kritik äußern würdest, würde man Dir zuhören?

Al-Deen: Nachdem im Irak bereits so viele schlaue und extrem gebildete Leute nach der kleinsten Kritik auf den Todeslisten stehen, wäre es eher gefährlich für mich, wenn ich mich äußerte.

teleschau: Dabei kannst Du äußerst streitbar sein, hast sogar einmal einen Komet zurückgegeben ...

Al-Deen: Das war doch ein Witz. Ich war gemeinsam mit Fettes Brot und Joy Denalane für Soul & HipHop nominiert. Ich als alte Soul- und HipHop-Nase (lacht). Ich habe ihn abgelehnt und habe gesagt, ich bin Volksmusiker. Nein, da hätte Pop draufstehen müssen, Pop National. Alles andere wäre ein Faux Pas.

Kati Hofacker


Laith Al-Deen: "Die Frage wie" unterscheidet sich vom Vorgänger in vielerlei Hinsicht.
Laith Al-Deen: "Die Frage wie" unterscheidet sich vom Vorgänger in vielerlei Hinsicht. (Sony BMG)

Der Mann hat früher mal in krassen Heavy-Bands gespielt: Laith Al-Deen.
Der Mann hat früher mal in krassen Heavy-Bands gespielt: Laith Al-Deen. (Sony BMG)

Neues aus Mannheim: Laith Al-Deen veröffentlicht "Die Frage wie".
Neues aus Mannheim: Laith Al-Deen veröffentlicht "Die Frage wie". (Sony BMG)

Datum: 03.09.2005

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