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Kurt Russell

Wenn die Maske fällt ...

Schauspieler Kurt Russell

(tsch) Ein echter Schurke sein, das ist eine Chance, die er sich nicht entgegen lassen wollte. Quentin Tarantino machte ihm dieses Angebot, und Kurt Russell sagte zu. Klar. Und so ist er nun Stuntman Mike, ein narbengesichtiges Überbleibsel aus den 80-ern, das mit seiner aufgemotzten Karre eiskalt lächelnd junge Frauen um die Ecke bringt. "Death Proof" heißt die dreckige Hommage an das Grindhouse-Kino (Start: 19.07.), in der der 56-Jährige in Sachen Stunts und Coolness noch einmal so richtig aufdreht. Im Interview spricht Kurt Russell über Mädchen, die zurückschlagen, seinen Kultstatus und seine ungewöhnliche Beziehung zur Schauspielerin Goldie Hawn.

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teleschau: Mr. Russell, wie fühlte es sich an, Mitglied im Tarantino-Universum zu sein?

Kurt Russell: Nun, eigentlich war es genau so, wie ich mir das Business und die Arbeit an einem Film vorstelle: Wir hatten Spaß, es entstand eine lockere, offene Atmosphäre. Beängstigend war nur, dass er jeden meiner Filme kannte. Er zeigte mir ohne jede Scham seine Bewunderung. Klar, dass ich da mit einem großen Selbstvertrauen in die Zusammenarbeit ging.

teleschau: Ein Film wie "Death Proof" benötigt Schauspieler, die aus den eher eindimensionalen Figuren echte Charaktere machen …

Russell: Exploitation-Movies sind voll mit comicähnlichen Figuren. Doch hier bekommen einige die Chance, in besonderer Weise herauszutreten. Die Stuntfrau Zoe zum Beispiel. Als aus ihrem Spiel auf der Motorhaube Ernst wird, zeigt sie überzeugend die Angst - das geht unter die Haut, der Zuschauer leidet mit. Und auch bei dem verrückten Killer Mike kommen am Ende Gefühle auf die Leinwand.

teleschau: Wie fühlt es sich an, als echter Kerl am Ende von ein paar sexy Girls verprügelt zu werden?

Russell: Es ist ja inhaltlich absolut stimmig, und ich habe sogar noch einen draufgesetzt. Wir sprachen viel über die letzte Szene. Mike sitzt verletzt in seinem Autowrack, und die Mädchen ziehen ihn ohne Rücksicht auf gebrochene Glieder raus. Ich war der Meinung, um das vorgesehene Bild des "Feiglings" noch besser umsetzen zu können, müssten noch Laute her. Also improvisierte ich das lächerliche Gewinsel. Quentin kam mit gesenktem Kopf danach auf mich zu und meinte: "Vielleicht etwas weniger?" Ich war aber der Meinung, dass es perfekt passt.

teleschau: War's demnach keine Überwindung für Sie?

Russell: Nein, in solch einem Fall kenne ich keine Hemmungen - und wenn ich jammern muss wie ein Waschweib. Am Ende war dann genau diese Aufnahme im Film drin, denn hier stimmte auch das Timing perfekt. Bei Typen wie Mike fällt im Genre-Film normalerweise nie die Maske. Und ausgerechnet dieser Mann entpuppt sich hier am Ende als weinerlicher Feigling.

teleschau: Was hält denn Goldie Hawn von dieser demütigenden Szene?

Russell: "Super, die Mädchen haben recht!" Das hat sie gesagt! Auch Mikes Gejammer fand sie genau richtig und glaubwürdig. Damit hat der Film für sie besser funktioniert.

teleschau: Zweifelte sie zunächst an dem Film?

Russell: Als sie das Drehbuch gelesen hatte, war sie nicht überzeugt. Sie konnte sich das Projekt einfach nicht vorstellen und dachte, dass es einer dieser modernen Movies wäre, bei denen ein Bösewicht attraktive Frauen abmurkst und dann geschnappt wird - das war's. Ich jedoch sah den Film vor mir, so wie er heute ist. Jetzt, da sie "Death Proof" gesehen hat, versteht sie, warum ich diese Rolle spielen wollte.

teleschau: Wie wichtig ist Ihnen beiden die Meinung des Partners?

Russell: Goldie liest nicht alle meine Drehbücher - außer, ich bitte sie darum. Sie sagt, ich wisse schon, was ich tue in meinem Genre - sie macht eben selbst andere Filme. Ich wiederum lese alles, was sie bekommt und spreche mit ihr darüber. Ich biete ihr meine Meinung an und nehme auch Änderungen im Script vor. Sie entscheidet dann, was sie damit anfängt.

teleschau: Respekt vor dem anderen - ist das das Geheimnis ihrer langjährigen Ausnahme-Beziehung unter Hollywood-Stars?

Russell: Wir kümmern uns um den anderen, freuen uns, wenn ihm etwas gelingt und teilen mögliche Enttäuschungen. Wenn man so aufeinander eingeht, sind auch ganz große, spezielle Momente möglich. Wir leben ein normales Leben - zumindest empfinden wir das so, auch wenn natürlich von außen mit Kameras auf uns geschaut wird. Wenn wir zusammen sind, vergessen wir, dass sie Goldie Hawn ist und ich Kurt Russell bin - wir sind einfach ein Paar und kümmern uns um unsere Kinder. Dass es ihnen gut geht, ist das Wichtigste.

teleschau: Auch Ihr Stuntman im Film hat Erfolg bei den Frauen: Bevor es blutig wird, flirtet der verschlagene narbengesichtige Stuntman Mike noch mit den aufreizenden jungen Frauen in der Bar. Und er schleppt eine ab ...

Russell: Er ist der einzige echte Kerl in der Bar. Die anderen Jungs wissen dagegen überhaupt nicht, wie sie mit dieser Sorte Frau umgehen sollen. Allerdings haben sie es auch mit Mädchen zu tun, die beeindrucken wollen, indem sie sich wie üble Typen aufführen, verdorben daherreden, kiffen und sich betrinken. Da fragt man sich: Warum bist du nicht einfach Frau, genießt das und versuchst keine schlechte Männer-Kopie zu sein? Exploitation-Movies haben meist immer eine kleine Moral ...

teleschau: ... die in diesem Fall lautet?

Russell: Sei so, wie du wirklich bist!

teleschau: Von Ihrem Kultfilm "Die Klapperschlange", den sie Anfang der 80er-Jahre mit dem Regisseur John Carpenter drehten, soll es in Kürze ein Remake geben. Sie haben deutlich gemacht, dass Sie dem gelassen entgegensehen. Was bedeutet Ihnen Snake Plissken heute?

Russell: Ich habe ihn nicht gespielt, ich habe ihn erschaffen. Es war aufregend zu sehen, wie er für so viele Menschen zu einer Ikone wurde und sie so viel daraus ziehen konnten. Für mich war das eine fantastische Zeit, damals, mit John Carpenter. Es war cool, es war ein Spaß. Aber es ist Vergangenheit.

teleschau: Nach Tarantinos "Pulp Fiction" wurde John Travolta zur Kultfigur für eine junge Generation. Erhoffen Sie sich nun, zum zweiten Mal nach Snake Plissken, einen ähnlichen Effekt?

Russell: Das lässt sich nicht planen. Dafür, dass etwas zum Kult wird, sind wohl eher die Journalisten zuständig. Außerdem musste ich nicht aus der Versenkung geholt werden. Ich habe in erfolgreichen Filmen wie "Miracle", "Dreamer" oder "Poseidon" gespielt. Aber Stuntman Mike ist wirklich anders als alles, was ich bisher gemacht habe.

teleschau: Was wünschen Sie sich dann?

Russell: Eigentlich das, was mir in meiner Karriere immer mal wieder passiert ist. Ein Drehbuchautor, Regisseur oder Produzent sieht mich und bittet mich darum, bei seinem Projekt mitzumachen. So muss das sein, ich will unverzichtbar für einen Film sein.

Diemuth Schmidt


Nur als Snake Plissken in der "Klapperschlange" war er noch cooler: Kurt Russell.
Nur als Snake Plissken in der "Klapperschlange" war er noch cooler: Kurt Russell. (Senator)

Stuntman Mike (Kurt Russell) hat ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Frauen.
Stuntman Mike (Kurt Russell) hat ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Frauen. (Senator)

Darf mal wieder einen echten Bad Guy spielen: Kurt Russell.
Darf mal wieder einen echten Bad Guy spielen: Kurt Russell. (Senator)

Datum: 09.08.2007

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