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DI: Woodstock

Woodstock

(tsch) Auf das "Rattenfänger von Hameln"-Prinzip ist Verlass. Mit Musik können Massen bewegt werden. Den letzten eindrucksvollen Beweis hierfür lieferten die auf sieben Kontinenten ausgetragenen und von Al Gore ins Leben gerufenen "Live Earth"-Konzerte Anfang Juli. Doch angesichts großer Müllberge kam schnell die Frage auf, ob die Besucher dem Thema der Veranstaltung, die Umweltverschmutzung und der damit einhergehende Klimawandel, überhaupt Beachtung schenkten und nicht alleine die Musik die vielen Millionen Menschen in die Stadien trieb. Dass die Organisatoren des Woodstock-Festivals im August 1969 mit ähnlichen Problemen und Kritikpunkten zu kämpfen hatten, zeigt der von ARTE ins Programm genommene, Oscar-prämierte Dokumentarfilm "Woodstock". Bereits bei den Hippies spielte die Message des Events bald eine untergeordnete Rolle. Dafür wurde Musikgeschichte geschrieben.

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Nachdem Joe Cocker "With A Little Help From My Friends" zu Ende gegrölt hatte, zog am 17. August 1969 ein heftiges Unwetter über das im US-Bundesstaat New York gelegene Farmland. Am Anfang versuchten die knapp 500.000 Festival-Besucher noch mit "No Rain"-Rufen Petrus zum Umdenken zu bewegen. Schließlich ergaben sie sich ihrem Schicksal und vertrieben sich die Zeit bis zu Jimi Hendrix' Auftritt mit Schlammschlachten.

In dem knapp vierstündigen Film, den Martin Scorsese als Cutter aus über 100 Stunden Material zusammensetzen musste, wird viel über Drogen, strenge Eltern und die freie Liebe gesprochen. Der Protest gegen die amerikanische Regierung und den Vietnamkrieg spielt nur am Rande eine Rolle. Aus den zahlreichen Interviews mit den damals Angereisten wird schnell klar: Richtig politisch ist hier kaum jemand gewesen. Nach dem Motto "Wenn so viele hingehen, kann die Party nicht schlecht sein", strömten sie aus allen Himmelsrichtungen herbei. 50.000 Zuschauer wurden von den Veranstaltern erwartet. Als knapp eine halbe Million Menschen auftauchten, waren nicht nur die Müllberge hoch, sondern auch die Initiatoren ruiniert. Nachdem die Massen die Zäune niedergetrampelt hatten, mussten alle Bemühungen, Eintritt zu verlangen, aufgegeben werden.

Durch seine langen Einstellungen und den Verzicht auf jegliche Kommentierung wirkt "Woodstock" authentisch. Es findet keine Bevormundung des Zuschauers statt, dem die Interpretation und Bewertung von Aussagen bekiffter Hippies selbst überlassen wird. Der Film ist gerade deshalb zu einem bedeutenden Zeitdokument geworden, das streckenweise einer raffiniert zusammengesetzten Diashow gleicht, für die reichlich Geduld und Zeit eingeplant werden sollte. Regisseur Michael Wadleigh begleitete das Event von den Vorbereitungen bis zu den Aufräumarbeiten. Für den Filmemacher zahlte sich die Mühe in doppelter Hinsicht aus: 1971 wurde sein Film, der in den ersten 18 Wochen fünf Millionen Dollar einspielte, als beste Dokumentation mit einem Oscar ausgezeichnet. Leer gingen am Schluss nur die Woodstock-Organisatoren aus, für die das Festival zu einem finanziellen Desaster wurde.

Julia Köhler


Die Konzertbesucher waren eigentlich nach Woodstock gekommen, um zu protestieren. Doch das ein oder andere Sonnenbad wurde auch nicht verachtet.
Die Konzertbesucher waren eigentlich nach Woodstock gekommen, um zu protestieren. Doch das ein oder andere Sonnenbad wurde auch nicht verachtet. (ARTE F)

Einen Schlafplatz zu ergattern, war beim Woodstock-Festival kein leichtes Unterfangen.
Einen Schlafplatz zu ergattern, war beim Woodstock-Festival kein leichtes Unterfangen. (ARTE F)

Woodstock-Gast Joe Cocker kam, sang und ging, bevor der große Regen einsetzte.
Woodstock-Gast Joe Cocker kam, sang und ging, bevor der große Regen einsetzte. (ARTE F)

Datum: 20.08.2007

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Artikel ID 188213

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