(tsch) Auf den ersten Blick haben Winona Ryder und Angelina Jolie nicht viel gemein. Hier das zarte Rehlein, dort das tätowierte Energiebündel. Während man die eine ständig knuddeln und vor der bösen Welt in Schutz nehmen will, möchte man mit der anderen am liebsten hemmungslos durch die Laken toben. Winonas Unschuldsblick und Angelinas Lippen, prall wie Autoreifen - in James Mangolds Depri-Drama "Durchgeknallt - Girl, Interrupted" stießen 1999 Gegensätze aufeinander. Bei kabel eins darf der filmische Frontalzusammenstoß nun wieder einmal bewundert werden.
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Dabei ist das Thema des Films ein durchaus ernstes: Depressionen. Auch Winona Ryder litt nach Abschluss der Dreharbeiten zur Hollywood-Großproduktion "Das Geisterhaus" (1993) unter Angstzuständen und einem Burn-Out-Syndrom. Erst nach einem Aufenthalt in einer Spezialklinik konnte die Schauspielerin ihr gewohntes Leben fortsetzen.
Vor allem aus diesem Grund war "Durchgeknallt" nichts weniger als das Herzensprojekt der heute 36-Jährigen. Der Films basiert auf den autobiografischen Aufzeichnungen der Schriftstellerin Susanna Kaysen, die darin schonungslos und detailliert ihren Weg vom depressiven Teenager zur selbstbewussten Frau nachzeichnet.
Gespielt wird Susanna Kaysen selbstverständlich von Winona Ryder selbst. Zu Beginn des Film ist sie eine hochintelligente, aber auch extrem sensible junge Frau, die nach ihrem College-Abschluss in die Welt hinausgestoßen wird. Mit ihrem Leben weiß sie nichts Rechtes anzufangen, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie von ihrem hilflosen Hausarzt in die Nervenheilanstalt Claymoore abgeschoben wird. In diesem pathologischen Mikrokosmos trifft sie auf krankhafte Lügnerinnen, manisch Depressive - und die Soziopathin Lisa (Angelina Jolie), ein charismatisches Psycho-Luder, mit dem sich Susanna bald anfreundet.
"Durchgeknallt" ist alles andere als ein Rührstück. Ähnlich wie in Milos Formans "Einer flog übers Kuckucksnest" wird das Thema "psychische Krankheit" auch mal von der humorvollen Seite angepackt. Für Angelina Jolie, die ab 13. September in dem Kinodrama "Ein mutiger Weg" zu sehen sein wird, markierte der Film inklusive Oscar und Golden Globe für die beste Nebenrolle den bisherigen Höhepunkt ihrer Schauspielkarriere.
Gerd Hilber
Um sich die Zeit in der Klinik etwas zu vertreiben, schreibt Susanna (Winona Ryder) ein Tagebuch. (kabel eins / Columbia Pictures)
Krankenschwester Valerie (Whoopi Goldberg) gibt ihrer Patientin Susanna (Winona Ryder, links) ein paar Gratis-Ratschläge. (kabel eins / Columbia Pictures)
Allmählich wird Susanna (Winona Ryder) klar, dass sie wieder frei sein möchte. (kabel eins / Columbia Pictures)
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