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Beim ersten Mal

Beim ersten Mal

(tsch) Für den Faulenzer Ben geht ein Traum in Erfüllung: Unerwartet lernt er bei donnernden Disco-Rhythmen bei einer Party seine Traumfrau kennen und landet mit ihr dank zahlreicher Absacker im Bett. Doch als die Sonne aufgeht, graut es angesichts eines nackten stoppelbärtigen Moppels im Bett nicht nur dem Morgen, sondern auch der sonst so zurückhaltenden Alison. Das Ende kommt schnell und in beiderseitigem Einverständnis. Dennoch reagiert Ben mit Selbstherrlichkeit, als seine Bekanntschaft sich nach wenigen Wochen Funkstille wieder bei ihm meldet. Der Schrecken folgt jedoch auf dem Fuße, als sie ihm eröffnet, schwanger zu sein: Welch ungeahnte Folgen das haben kann, zeigt die ungewöhnliche US-Komödie "Beim ersten Mal" mit viel Herz und Sinn für die realen Probleme des Lebens.

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Fernab jeglichen Klamauks kombiniert Regisseur und Drehbuchschreiber Judd Adaptow authentische und fiktive Situationen zu einer ebenso lebendigen wie glaubhaften Erzählmischung, deren humorvoller Gehalt sich vor allem durch die sympathische Ausstrahlung der Darsteller entfaltet. Allen voran Seth Rogen überzeugt als sich selbst genügender Taugenichts, der nicht einmal Verantwortung für sein eigenes verkorkstes Leben übernehmen kann. Stattdessen wohnt er mit einer Truppe von Tagträumern in einem heruntergekommenen Haus und plant, mit einer Internetdatenbank reich zu werden, die Filme auflistet, in denen Schauspielerinnen ihre Brüste zeigen.

Sein grollendes Lachen, das übrigens genauso authentisch ist wie sein zeitweise glasiger Blick, lässt ihn als Proleten erscheinen, und zweifelsohne findet er auch Gefallen daran. Umso mehr Mitgefühl ist für die gepflegte, ehrgeizige Alison angebracht, die Katherine Heigl mit liebenswerter Natürlichkeit spielt. Sie versucht das Beste aus der - zumindest aus ihrer Sicht - misslichen Situation zu machen und eine gemeinsame Lösung zu finden, um dem Überraschungsbaby eine sichere Zukunft zu bieten. Doch ist es schwieriger als erhofft, mit einem Kind als einzige Gemeinsamkeit eine Beziehung aufzubauen, geschweige denn Liebe zu finden.

Die Handlung der verblüffend leise tretenden Beziehungskomödie ist aber gleichzeitig auch der Schlüssel zum Wesen eines Mannes, der dem Zuschauer nicht sofort ins Auge fällt: Paul Rudd, bekannt aus Komödien wie "Anchorman", "Jungfrau (40), männlich, sucht" oder Auftritten in der Sitcom "Friends", spielt zwar nur die (Neben)Rolle des zukünftigen Schwagers des bärigen Seth Rogen. Als ambivalenter Ehemann schwankt er jedoch zwischen bockiger Kindlichkeit und reifer Vaterrolle und karikiert sich damit selbst. Der Erfolg des Films ist vor allem seinen Erfahrungen aus eigener Ehe zu verdanken. Der Reiz der Geschichte um einen gedankenlosen One-Night-Stand und seine Folgen liegt in der Realitätsnähe der teils absurden, stets aber auch nachfühlbaren Szenen.

Wenn sich Darsteller Rudd in seiner Rolle des von der Ehe gelangweilten und doch zu allem eine gute Miene machenden Vaters Mitte 30 abends davonschleicht und seiner Frau erzählt, er müsse noch arbeiten, flüchtet er eigentlich nur aus der häuslichen Enge, um sich mit Gleichgesinnten über Baseball auszutauschen. Rudd kennt das aus eigener Erfahrung: "Fantasie-Baseball ist ein ernst zunehmendes Problem in meiner Ehe. Meine Frau ist es mehr als leid, mich immer nur von hinten zu sehen, weil ich ständig am Computer sitze und die Ergebnisse der imaginären Baseballspiele zu checken." Tatsächlich werden Fantasiewettbewerbe in allen nur denkbaren Sportarten immer populärer. In den USA treffen sich vor allem verheiratete Männer, um sich in Vereinstracht über ihren Lieblingssport auszutauschen und sich Turnierkonstellationen auszudenken. "Das ist das letzte Revier für uns Männer - neben Poker. Ich nehme es mir einfach heraus, mit meinen Kumpels regelmäßig in einem Clubraum zu sitzen und Karten zu spielen. Das gehört zum maskulinen Wesen", sagt Rudd, scheinbar augenzwinkernd, doch mit ernster Miene.

Auch ein weiterer zentraler Wendepunkt des Films ist seinem Erfahrungsschatz entnommen, räumt er ein: Wenn Protagonist Ben mehrere Ratgeberbücher über das Kinderkriegen erwirbt, mit denen er sich seiner Traumfrau als verantwortungsvoller Bald-Papa verkaufen möchte, diese aber nicht liest, kann Rudd nur spärlich darüber lachen. Es geht um Liebe, die Fähigkeit, sie auszudrücken, Träume und die Furcht, diese nie verwirklichen zu können. "Ich habe mich überhaupt nicht auf die Geburt meines Kindes vorbereitet. Meine Frau wurde verständlicherweise stinksauer, als sie merkte, dass ich keinen der vielen Babyratgeber gelesen habe, die sie gekauft hatte. Aber ich hatte einfach furchtbare Angst", erinnert er sich. Im Film wird sodann auch argumentiert, dass der Höhlenmann auch keine illustrierten Bücher zur Verfügung hatte, sondern einfach gemacht hat, was von ihm verlangt wurde, wenn die Höhlenfrau ein Kind gebar. Diese recht dominante männliche Perspektive wird aber ebenso feinsinnig auf die Schippe genommen wie die Paranoia und Bestimmungssucht von Ehefrauen.

Rudds bessere Hälfte spielt die Ehefrau von Regisseur Adaptow, Leslie Mann. Entgegen ihrer dramatischen Wutausbrüche, die sie als vernachlässigte und kontrollfreudige Gattin im Film erlebt, stellt sie ganz nüchtern fest: "Ich musste aufpassen, dass die Männer am Set nicht die Oberhand gewannen. Schließlich musste ich sicherstellen, dass die weibliche Sicht auf den Beziehungstrubel zur Geltung kommt." Die Mühe hat sich gelohnt. Am Ende ist die Balance zwischen den Geschlechtern hergestellt - zumindest insofern, dass klar wird, dass Männer zwar ihre Freiheiten brauchen, sich aber vor ihrer Verantwortung und dem Erwachsenwerden nicht drücken können.

Leif Kramp

Credits:
V:Universal, USA 2007, R: Judd Apatow, D: Katherine Heigl, Seth Rogen, Jonah Hill u.a.

Laufzeit: 129 Min.

Kinostart:
23. August 2007


Alison (Katherine Heigl, links) und ihre Schwester Debbie (Leslie Mann) warten gespannt auf das Ergebnis des Schwangerschaftstests.
Alison (Katherine Heigl, links) und ihre Schwester Debbie (Leslie Mann) warten gespannt auf das Ergebnis des Schwangerschaftstests. (2007 Universal Studios / Suzanne Hanover)

In der Babyabteilung toben sich Alison (Katherine Heigl) und Ben (Seth Rogen) richtig aus.
In der Babyabteilung toben sich Alison (Katherine Heigl) und Ben (Seth Rogen) richtig aus. (2007 Universal Studios / Suzanne Hanover)

Alison Scott (Katherine Heigl) kann nicht glauben, welche Folgen der One-Night-Stand vor acht Wochen für sie hat.
Alison Scott (Katherine Heigl) kann nicht glauben, welche Folgen der One-Night-Stand vor acht Wochen für sie hat. (2007 Universal Studios / Suzanne Hanover)

Datum: 19.08.2007

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Diskussion: "Beim ersten Mal"

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