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DO: Hongkong-Kino - Von Kung Fu bis Wong Kar-Wai

Hongkong-Kino - Von Kung Fu bis Wong Kar-Wai

(tsch) Was passiert, wenn man Poesie, Horror und Action zusammenwürfelt und ungefähr 60 Filme pro Jahr daraus macht? Wenn man manchmal die Logik außen vor lässt und stattdessen mit Slapstick und Humor für Auflockerungen zwischen Martial-Arts-Kampfszenen sorgt? Oder die graue Wirklichkeit in atemberaubend bunten Bilderfantasien untergehen lässt. Was dann passiert? Ganz einfach: Die Filmindustrie funktioniert. So wie in Hongkong. Die ehemalige britische Kronkolonie mit ihren sieben Millionen Einwohner ist so etwas wie Asiens Kinomotor. Nicht was die Anzahl der Produktionen betrifft, wohl aber die thematische Vielfalt und künstlerische Experimentierfreudigkeit. All das inspirierte ARTE nun zu dem Themenabend "Hongkong-Kino - Von Kung Fu bis Wong Kar-Wai".

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Mit "Fist of Legend" von Jing Wu Ying Xiong geht die Reise nach Fernost im deutsch-französischen Kulturkanal um 20.40 Uhr los. Der Film ist ein Kracher, einer dieser typischen Hongkong-Mischungen aus Martial Arts, Action und einem anbetungswürdigen Star. In der Produktion aus dem Jahr 1994 ist es Jet Li, der Mann, der nicht viel später auszog, Hollywood zu erobern. Hier wird verraten, geschworen, gerächt.

Eigentlich ist über den Film, der von einem Studenten handelt, der seinen hinterrücks ermordeten ehemaligen Kampfkunst-Meister posthume Genugtuung verschaffen will, nicht viel zu sagen. Außer, dass er zu Beginn des japanisch-chinesischen Krieges 1937 spielt und von Quentin Tarantino als einer der besten Actionfilme überhaupt bezeichnet wurde. Übersetzt heißt das: Handlung und Logik sind zweitrangig, Look und Inszenierung umso wichtiger.

Im Anschluss (22.25 Uhr) zeigt eine Dokumentation die "Kinometropole Hongkong" von einer anderen Seite. Regisseur Yves Montmayeur hat Christopher Doyle begleitet, einen Kameramagier aus Australien. Seit mehr als 30 Jahren lebt Doyle nun schon Hongkong, ist besonders für seine Arbeiten mit einem anderen Filmzauberer bekannt. Wong Kar-wai, der große Melancholiker und Liebessuchende, hat fast alle seine Filme von Christopher Doyle bebildern lassen.

Von "Fallen Angels" bis "In The Mood For Love" und "2046" haben sie zusammen einen ganz speziellen, unverwechselbaren Stil kreiert. Unvergessliche Farben, lebendige Strukturen, der Blick in die Tiefe und die Neugier, wie die Menschen in der unberechenbaren Metropole Hongkong leben, machen aus jeder Einstellung ein Fest. Doyle selbst sagt dazu: "Ich suche das Beständige in der sich in atemberaubendem Tempo verändernden Kultur und Gesellschaft dieser Stadt, in der die meisten Straßen nach ein paar Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sind."

Hongkong, das ist ein Ort, an dem man in einer halben Stunde von China nach Los Angeles gehen kann. Hier gibt es Ost und West, oben und unten, Luxus und Armut auf engstem Raum. Und alles geht fließend ineinander über. Die Vielfalt ist beeindruckend, schwärmt Doyle. Und deswegen spielt die Stadt immer auch eine zentrale Rolle in den Filmen, die er bebildert.

Um 23.20 Uhr schließlich beschäftigt sich eine Dokumentation von David Martinez mit "Leslie Cheung: Hongkong-Star". Der Schauspieler und Popstar war im Westen vor allem im Arthaus-Kino bekannt, anders als Jackie Chan und Jet Li. In seiner Heimat jedoch war Leslie Cheung Kwok-wing ein Superstar, der neben seiner großen Rolle im Cannes-Gewinner "Lebewohl, meine Konkubine" oder dem zweiten Teil von "A Chinese Ghost Story" als vielbeschäftigter und vielfältig besetzter Leinwandstar sowie als Pop-Sänger erfolgreich war. In Interviews und Rückblicken erinnern sich John Woo, Ang Lee, Maggie Cheung und Wong Kar-wai an Leslie Cheung, der sich 46-jährig am 1. April 2003 das Leben nahm und eine zentrale Rolle während des Aufstiegs des Hongkong-Kino spielte.

Andreas Fischer


Nur gemeinsam sind Huo Ting-An (Chin Siu-Hou, links), der Meister der Jiung-Wu-Schule, und Chen Zhen (Jet Li) stark genug, den Attentäter in "Fist of Legend" zu bezwingen.
Nur gemeinsam sind Huo Ting-An (Chin Siu-Hou, links), der Meister der Jiung-Wu-Schule, und Chen Zhen (Jet Li) stark genug, den Attentäter in "Fist of Legend" zu bezwingen. (ARTE F)

Liebe in Kriegszeiten: Chen Zhen (Jet Li) und Mitsuku Yamada (Shinobu Nakayama) suchen gemeinsam nach dem Mörder ihres Vaters.
Liebe in Kriegszeiten: Chen Zhen (Jet Li) und Mitsuku Yamada (Shinobu Nakayama) suchen gemeinsam nach dem Mörder ihres Vaters. (ARTE F)

Der in Australien geborene Kameramann Christopher Doyle hat die Ästhetik des internationalen Films von Hongkong aus verändert.
Der in Australien geborene Kameramann Christopher Doyle hat die Ästhetik des internationalen Films von Hongkong aus verändert. (ARTE F)

Datum: 30.08.2007

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