(tsch) Vielen gilt er als der Größte, und nicht wenige Kollegen eiferten ihm nach, von Kevin Costner bis James Dean. Er war der ewige Rebell - und zugleich der Romantiker, dessen Sehnsucht nach Liebe unermesslich erschien. Mit Filmen wie "Der Wilde", "Die Faust im Nacken" oder "Endstation Sehnsucht" wurde er zum Leitbild einer ganzen Generation. Marlon Brando (1924 bis 2004) war der Erste, der auf der Leinwand die Rebellion der Jungen gegen überkommene Gesellschaftsformen verkörperte. "Was wir ersehnten, war jemand, der nicht Clark Gable oder Gary Cooper oder Jimmy Stewart war, jemand, den man uns nicht schon in unserer Kindheit zu lieben, zu ehren und zu gehorchen gelehrt hatte", schrieb einer seiner Bewunderer, Richard Schickel, in seiner Biografie. Brando kam - und siegte. Just zu einem Zeitpunkt da bei Turner Classic Movies eine große dreistündige Brando-Dokumentation herauskommt, die ihre Premiere auf dem Filmfest München feierte, zeigt nun das Erste zum Abschluss der "Legenden"-Reihe ein Porträt des Super-Schauspielers von Michael Strauven.
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So genial er war, so schwierig konnte der am 3. April 1924 in Omaha / Nebraska geborene Brando sein. Es würde ja wohl doch nur "gefrorene Affenkotze in Aspik", beschied er einmal eine Interview-Anfrage eines eifrigen Biografen. Schon mit der Schule fing es an: Die Eltern - der Vater war Handlungsreisender, später Manager und angeblich dem Alkohol zugeneigt, die Mutter Laienschauspielerin - nahmen den schwierigen Sohn wegen Unbotmäßigkeit von der Highschool, später musste er die als Rettungsanker gewählte Militärakademie verlassen. Brando schwieg sich über seine Jugend weitgehend aus, als er 1943 an der New Yorker New School ins Schauspielerleben trat und dort mit Stella Adler eine einfühlsame Lehrerin und spätere Förderin fand, die ihn eine von Stanislawski hergeleitete Form des Method Acting lehrte.
Nicht nur die Lehrerin erkannte sofort Brandos Kraft und Sensibilität. "Er ist wie ein begabter Puncher beim Baseball. Er holt nicht 25-mal aus. Er tritt einfach auf und schlägt den Ball aus dem Feld", so lobte den jungen Schauspieler früh schon der Regisseur Arthur Penn. Brando knipste das Licht an - und war da. Das war seine Stärke, die ihn - Szene für Szene - zum Filmschauspieler prädestinierte. Möglicherweise war es aber auch genau diese Sicherheit, die ihn - neben frühen psychischen Verletzungen - immer mehr zu einem Schwierigen für Filmpartner und Regisseure werden ließ. "I'm the Duke", sagte er einmal zu Truman Capote, was man auf die Arbeit am Set genau so wie auf sein Privatleben beziehen kann. Skandale führten zu dem Urteil, er verschwende sein Talent.
Doch mit Francis Ford Coppolas "Der Pate" kehrte er 1972 mit fulminantem Erfolg auf die Leinwand zurück, und mit "Der letzte Tango von Paris" gelang ihm gar so etwas wie ein persönliches Alters-Statement. Brando, der zahlreiche Frauen hatte, mehrfach verheiratet war und elf Kinder zeugte, blieb allerdings seinem unsteten Image bis an sein Lebensende treu. Aus seiner Ablehnung des Molochs Hollywood machte er nie einen Hehl. Sein größtes privates Unglück dürfte es indessen gewesen sein, als am 15. Mai 1990 sein Sohn Christian den Liebhaber seiner Tochter Cheyenne erschoss. Weinend gestand Brando vor Gericht seine Mitschuld als "Rabenvater" ein. Seine Tochter Cheyenne nahm sich 1995 das Leben.
Selbst einem versierten Kino-Sampler wie Michael Strauven, dem regelmäßigen Berlinale-Berichterstatter, kann es nicht gelingen, diesem außergewöhnlichen Leben in einer 45-Minuten-Dokumentation gerecht zu werden. So bleibt das Warten auf die große Brando-Dokumentation von Leslie Greif und Mimi Freedman, die allerdings vorerst nur bei Turner Classic Movies läuft.
Wilfried Geldner
Marlon Brando spielte in "Der Pate" seine berühmteste Rolle: die des Don Vito Corleone. Paramount veröffentlichte die drei Filme vor kurzem in einer DVD-Box. (Paramount)
"Meuterei auf der Bounty": Der erste Offizier Fletcher Christian (Marlon Brando, rechts) führt die Meuterei gegen den tyrannischen Kapitän Bligh (Trevor Howard, links) an. (SWR / Degeto)
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