(tsch) Sabrina Setlur gilt als die erfolgreichste deutsche Rapperin. Mit Alben wie "Die neue S-Klasse", "Aus der Sicht und mit den Worten von ...", "Sabs" und ihrem Best-of-Longplayer verkaufte sie so viele Platten, wie keine andere Künstlerin im Genre Sprechgesang. Anlässlich ihrer neuen Scheibe "Rot" sprach die frühere Schwester S über ihre geheime Sucht, ihre Band und über einen wichtigen Mann in ihrem Leben - Hund Kenzo.
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teleschau: Im Video zur ersten Singleauskopplung "Lauta" siehst Du aus wie Victoria Beckham. Waren diese Frisur und die große Sonnenbrille ein Seitenhieb?
Sabrina Setlur: Nein! Die Frisur hab' ich schon seit einem Jahr! Die roten Kleider zog ich wegen des Titels "Rot" an, und die Sonnenbrille kam aufgrund des Textes hinzu.
teleschau: Aus welchem Videozitat stammen die roten Mädels?
Sabrina Setlur: Aus Robert Palmers "Addicted To Love", bei dem die vielen schönen Frauen Gitarren umhaben. Meine Mädels wurden eben mit Ghettoblastern geschmückt. Die Frauen nennen sich die Terrorschwestern und sind eine Tanzgruppe aus Frankfurt. Ich finde die spektakulär und punkig. Sie haben gut zu mir gepasst.
teleschau: Sprecht Ihr bei Deiner Plattenfirma 3p auch über Image?
Sabrina Setlur: Nein, das ist bei uns kein Thema. Mir kann keiner ein Image überstülpen, das nicht passt. Ich mache meine Platte, ich habe hart daran gearbeitet, und jeder ist eingeladen zuzuhören. Aber wer damit oder mit mir nicht klarkommt, der bleibt dem eben fern.
teleschau: Was hat es mit dem "Rot" auf sich? Sollte das nur ein roter Faden sein, im wahrsten Sinne des Wortes?
Sabrina Setlur: Mit der Idee zu "Rot" kam mein Produzent Moses Pelham an. Rot ist eine Signalfarbe und steht für Power. Das schreit nach: "Aufgepasst!". Die üblichen Assoziationen, wie Liebe und Leidenschaft, spielen natürlich auch eine Rolle.
teleschau: Könnte Sabrina Setlur auch ein Album machen, das "Blau" heißt?
Sabrina Setlur: Das weiß ich nicht. Vielleicht mache ich in zehn Jahren eines, das "Lila-Violett" heißt. Es geht nicht nur um die Farbe, sondern um die Gefühle, die die Farbe Rot hervorruft und symbolisiert.
teleschau: Wer sind die Sänger im Video?
Sabrina Setlur: Alle, die in dem Video auftauchen, sind auch auf der Platte zu hören. Charles Simmons, Dominik Steegmüller, Miriam Skroban, Julia Liebe, Sebastian Hämer, Kaye-Ree oder Martin Haas gehören dazu. Das sind auch alles meine Backingsänger, wenn ich Auftritte absolviere. Mit meiner Band spiele ich schon seit zwölf Jahren zusammen, und im Herbst gehen wir wieder alle zusammen auf Tour.
teleschau: Bei "I Think I Like It" hört man Annie Lennox durch. Außerdem rappst Du auf Englisch!
Sabrina Setlur: Oft bin ich nicht dabei, wenn Moses und Martin die Playbacks machen. Wenn sie mir dann vorgespielt werden, bin ich immer wieder völlig fasziniert von diesem Reichtum an irgendwie bekannten Sachen. Ich rappe bei "I Think I Like It" ja auf Deutsch, nur der Gesang ist Englisch. Das passiert manchmal, weil ich bilingual aufgewachsen bin. Ab und zu passt ein englischer Gesang einfach gut dazwischen. Aber grundsätzlich denke und formuliere ich lieber auf Deutsch. Es gibt so viele englischsprachige Rapper, warum sollte ich mich da quälen?
teleschau: Wie entstehen die Songs?
Sabrina Setlur: Erst machen Moses und Martin das Playback, hin und wieder habe auch ich zuerst ein paar Textzeilen parat. Aber beispielsweise bei "Lauta" war das Playback zuerst da, dieses quirlige Lebensgefühl, dieser Sonnenbrillen-Groove. Oft kommen mir die Textideen dann erst über den Beat.
teleschau: Bist Du in die Produktion involviert?
Sabrina Setlur: Ja, und wenn mir was nicht gefällt, fliegt es raus. Aber bei uns gibt es nie das "Ich hab Recht"-Gefühl, sondern ein Geben und Nehmen. Wir wissen, dass wir gemeinsam an diesem Traum arbeiten wollen, und da wäre es falsch, egoistisch zu denken. Ich bin dankbar für jede Kritik, aber ich darf auch kritisieren.
teleschau: Moses Pelham, Martin Haas und Du, Ihr arbeitet schon seit 13 Jahren zusammen. Versteht Ihr Euch noch so gut wie zu Beginn?
Sabrina Setlur: Aber ja, ganz normal, wie in jedem Arbeitskontext. Wenn wir uns nicht verstehen würden, könnten wir kein Album miteinander machen. Wir arbeiten als Team stark zusammen, und sind als Gemeinschaft sehr effektiv. Wir gönnen uns keine Zeit für Streit. Wir kennen uns schon so lange, und selbst wenn mal einer schräg drauf ist, hindert das niemanden daran, ins Studio zu kommen.
teleschau: Wie lebst Du mittlerweile nach all den erfolgreichen Jahren?
Sabrina Setlur: Im Abrisshaus mit 20 Anarchisten. (lacht) Nein, in einer ganz normalen Wohnung, weder toll noch schlecht.
teleschau: Was machst Du denn dann mit Deinem Geld, wenn Du es nicht in Immobilien steckst?
Sabrina Setlur: Ich schmeiß es nicht maßlos aus dem Fenster, schließlich weiß ich, dass ich, wenn ich was verdiene, später dafür auch einmal Steuern zahlen muss. Andererseits bin ich wie jede andere Frau: Steck mich in ein Schuh- oder in ein Sonnenbrillengeschäft, und es ist hinterher leer!
teleschau: Hast Du noch andere geheime Süchte?
Sabrina Setlur: Smoothies, diese Obstshakes, die es jetzt überall gibt. Ich kann keinen Tag ohne einen leben!
teleschau: Sehr gesund. Überhaupt siehst Du so gesund und schlank aus. Was tust Du für Dich?
Sabrina Setlur: Ich habe einen kleinen Hund, Kenzo, mit dem ich jeden Tag raus muss. Ich bewege mich durch die Spaziergänge regelmäßig. Dazu versuche ich, mich immer ein bisschen zu mäßigen. Ich achte drauf, dass ich gesund aussehe, das befiehlt einfach das Gesetz der Eitelkeit. Schlaf, Bewegung, Ernährung, viel Tee ... oder eben Smoothies!
teleschau: Könntest Du jemals wieder zurück an die Uni und BWL studieren?
Sabrina Setlur: Oh Gott, das war vor zwölf Jahren, das hab ich nur angefangen, weil mein Vater Banker ist und ich irgendetwas studieren wollte. Aber dann kam ja zum Glück die Musik.
Kati Hofacker
Sabrina Setlurs derzeitiges Lebensgefühl spiegelt sich auf "Rot", ihrem neuen Album, wieder. (3p)
Bitte keine Verwechslung mit Victoria Beckham: Das ist Deutschlands erfolgreichste Rapperin Sabrina Setlur. (3p)
Ist mit ihrem Produzenten Moses Pelham ganz dicke: Sabrina Setlur. (3p)