(tsch) Von der bissigen Highschool-Göre über die fragile Tänzerin zur taffen Spezialagentin mit Herz: Julia Stiles hat mit nur 26 Jahren eine Karriere vorzuweisen, die selbst in Hollywood als außergewöhnlich gilt. Gerade hat sie die Dreharbeiten zu "Gospel Hill" abgeschlossen, einem Rassendrama, in dem ein Stadtteil mit überwiegend schwarzer Bevölkerung von weißen Golfplatzinvestoren ausradiert werden soll. Zunächst aber ist sie wieder an der Seite von Matt Damon im dritten Agentenabenteuer von Jason Bourne, des Mannes ohne Gedächtnis, zu sehen. "Das Bourne Ultimatum" startet in Deutschland am 06. September.
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teleschau: Sie gelten nicht als Anhängerin von Fortsetzungen im Kino. Nun sind Sie schon zum dritten Mal neben dem Agenten Jason Bourne zu sehen ...
Julia Stiles: Es ist keine einfache Wiederholung des zweiten Teils, sondern eine eigenständige und glaubhafte Geschichte. Vor allem aber geht es darum, einen jungen Mann zu zeigen, der sich so patriotisch fühlt, dass er sich seinem Land freiwillig als Soldat zur Verfügung stellt. Doch er wird missbraucht, um Menschen umzubringen - ohne Sinn, Verstand oder auch nur das Recht dazu.
teleschau: Hatten Sie Vorstellungen von den tatsächlichen Machenschaften des US-Geheimdienstes?
Julia Stiles: Es wäre kein Geheimdienst, wären seine Operationen nicht geheim, oder?
teleschau: Aber was vermuten Sie?
Julia Stiles: Ich denke, dass der Film ein realistischeres Szenario zeigt als andere Spionage-Filme. Aber interessanter, als zu schauen, was wirklich abläuft, ist doch erst einmal auf das Thema aufmerksam zu machen und es kritisch zu hinterfragen.
Julia Stiles: Er ist großartig. Obwohl seine Karriere seit der "Bourne Identität", also dem ersten Film, explodiert ist und er eigentlich in ganz anderen Sphären schweben müsste, ist er ganz natürlich geblieben. Und er arbeitet wirklich hart. Gleichzeitig schafft er es, viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Das fordert mir viel Respekt ab. Manchmal wirkte er wegen der Belastung zwar etwas ausgelaugt, aber wenn seine Familie am Set erschien, blühte er förmlich auf.
teleschau: Sie müssen sich in Ihrer Rolle stark zurücknehmen. Ist es nicht frustrierend, das Rampenlicht den männlichen Kollegen zu überlassen?
Julia Stiles: Für Frauen meines Alters ist es schwierig, Filme zu finden, in denen es weibliche Hauptrollen gibt. Meistens ist es ein Kerl, und wir müssen uns mit der Rolle der Freundin oder Frau begnügen. Ich kam damit meistens ganz gut zurecht. Aber ich freue mich schon aufs Älterwerden. Mittlerweile bekommen Frauen ihre besten Rollen im fortgeschrittenen Alter.
teleschau: Sie könnten eine berühmte Frau der Zeitgeschichte verkörpern ...
Julia Stiles: Ich fände es sehr interessant, einen Film über Hillary Clinton zu machen. Es gibt eine Periode in ihrem Leben von 1965 bis 1975, in der sie an der Yale Law School studierte. Sie war eine der drei Personen, die die Nixon-Watergate-Bänder anhören durften, weil sie einem Komitee angehörte, das den Fall untersuchte. Dann lernte sie Bill kennen und lehnte dreimal seinen Heiratsantrag ab, weil sie ihre eigene Karriere aufbauen und nicht in Arkansas leben wollte. Doch letztlich nahm sie ihn an, weil sie Bill liebte und dem Ruf ihres Herzens folgte. Ihre Freunde sagten, das sei der größte Fehler ihres Lebens gewesen. Gerade aus heutiger Perspektive ist das ein faszinierendes Kapitel in Hillary Clintons Biografie. Aber seien wir ehrlich: Es wäre schon merkwürdig, ein Biopic über eine Person zu drehen, die der erste weibliche Präsident der USA werden könnte.
teleschau: Wie haben Sie sich selbst im Vergleich zu Ihrer Anfangszeit in Hollywood verändert?
Julia Stiles: Nun, es gibt sicher eine Entwicklung zum Konservativen hin. Und das ist ja auch ganz natürlich: Ich werde älter und kann keine Teenager-Rollen mehr spielen. Was mir übrigens auch entgegenkommt, denn ich war immer neugierig genug, mir bis dato völlig fremde Rollen auszusuchen. Es ist ungesund, wenn sich dir Eitelkeit bei der Erkundung eines Charakters in den Weg stellt, was häufig bei jungen Schauspielerinnen zu beobachten ist.
teleschau: Sie drehten diesmal in Spanien und Nordafrika. Hatten Sie zwischendurch Zeit, abseits der Dreharbeiten die Städte zu erkunden?
Julia Stiles: Ich versuche immer, von Auslandsdrehs zu profitieren. Wenn ich schon mal in einem fremden Land bin, möchte ich auch ein bisschen Touristin sein. In Madrid habe ich die Stadt bei Tag und Nacht erleben können. Doch in Marokko war das nicht so einfach. Dort war es mir untersagt, mich aus Sicherheitsgründen weit von der Filmcrew zu entfernen. Also bin ich einfach ausgebüxt und sah mich ein wenig in den Gassen von Tangier um. Plötzlich fragte mich in einem kleinen Laden die Verkäuferin, was für ein Mann mir da ständig folgen würde. Da bekam ich schon einen Schreck. Doch es war ein Aufpasser von der Crew, der mich verfolgt hatte.
teleschau: Hatten Sie schon in Ihrer Jugend den Plan, als Schauspielerin erfolgreich zu werden?
Julia Stiles: Ich hatte früh Spaß daran und wollte unbedingt ein erstes Engagement, um mir sicher zu sein, dass ich auf der richtigen Bahn bin. Als ich die Universität abgeschlossen hatte, war das für mich eine Art Wendepunkt: Ich sah all meine ehemaligen Kommilitonen, die ihr Leben als Ärzte, Künstler oder sonst was begannen. Ich hatte also den direkten Vergleich mit Gleichaltrigen und fragte mich, was mich glücklich machen würde? Ich konnte mir nichts anderes vorstellen, als mein Glück beim Film zu suchen. Und es hat sich herausgestellt, dass das die richtige Entscheidung war.
teleschau: Werden Sie häufig von Fans auf der Straße angesprochen?
Julia Stiles: Ich lebe in New York, da dreht sich nicht alles um das Thema Film. In Los Angeles wäre das anders. Klar finde ich es nett, wenn mir Leute Komplimente machen und meine Arbeit würdigen. Aber wenn sich jemand in mein Privatleben drängt, ist das weniger angenehm.
teleschau: Die Boulevardpresse lässt Sie weitestgehend in Ruhe. Wie gelingt es Ihnen, Ihr Privatleben so uninteressant zu halten?
Julia Stiles: Je mehr ich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf lenke, desto größer wird die Gefahr, dass die Situation aus dem Ruder läuft. Dann gibt es kein Zurück mehr, niemals. Die beste Taktik ist also, nicht zu viel von sich preiszugeben, sonst werden auch alle Rollen, die man spielt, unglaubwürdig. Von den besten Schauspielern weiß die Öffentlichkeit meist nichts Persönliches.
teleschau: Ihr attraktives Äußeres ist ein wichtiger Trumpf für Sie ...
Julia Stiles: Na ja, heute Morgen hatte ich viele Helferinnen, die mich aufgepäppelt haben (lacht).
teleschau: Was tun Sie selbst dafür?
Julia Stiles: Früher war ich eine Weile lang Veganerin, aber mittlerweile esse ich wieder Fisch und ganz selten auch mal Fleisch. Damals wurde ich stark durch alle möglichen Horrorgeschichten über die Milchindustrie und Hormone im Fleisch beeinflusst. Doch mit der Zeit merkte ich, dass es nicht besonders gesund ist, Veganer zu sein - vor allem, wenn man viel auf Reisen ist. Wenn ich mich mangelhaft ernähre, sehe ich das zunächst an meiner Haut. Also ernähre ich mich ausgewogener und viel gesünder. Außerdem bekomme ich bei jedem Film jede Menge Schönheitstipps von Make-up-Experten.
Leif Kramp
Julia Stiles stellte ihren neuen Film "Das Bourne Ultimatum" (Start: 06.09.) in Berlin vor. (Universal Pictures / Norbert Kesten)
Julia Stiles und Matt Damon spielen die Hauptrollen in "Das Bourne Ultimatum". (2007 Universal Studios)
Julia Stiles findet lobende Worte über ihren Kollegen Matt Damon: "Obwohl seine Karriere seit der 'Bourne Identität', also dem ersten Film, explodiert ist und er eigentlich in ganz anderen Sphären schweben müsste, ist er ganz natürlich geblieben." (2007 Universal Studios)