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Kingdoms

Machtspiele im Mittelalter

Mit einem Langschwert allein kommt man nicht weiter. Wer im Mittelalter als König bestehen wollte, musste geschickt mit seinem Volk, dem Adel, dem Papst, mit Gegnern, Allianzen und der Wirtschaft jonglieren.

(tsch) Mittelalterliche Szenarien einmal ähnlich monumental auf dem PC erleben wie im Kino bei Ridley Scotts "Königreich der Himmel": Segas Strategie-Schwergewicht "Medieval 2: Total War" inszenierte im vergangenen Herbst erstmals ein umfassendes Panorama der Ritter-Ära mit politischen und militärischen Ränkespielen, das wirklich unter die Haut ging. Das jetzt erschienene Addon "Kingdoms" ist so umfangreich, dass andere Publisher vielleicht ein "Medieval 3" daraus gemacht hätten.

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Schon das Hauptprogramm "Medieval 2: Total War" ragte durch seine ungeheure Vielfalt an spielerischen Möglichkeiten und beeindruckende Spieltiefe hervor. Trotz der Komplexität des Programms erlaubten sich die Entwickler von Creative Assembly von Anfang an keine größeren Patzer - kleinere Schwächen im Einheiten-Balancing und in der Wegfindung konnten den Unterhaltungswert kaum beeinträchtigen, den man mit diesem stabilen Programm hatte. So mancher Mittelalter-Fan wird bis heute noch nicht alle Feinheiten von "Medieval 2" erforscht haben. Doch da schiebt Sega mit "Kingdoms" schon ein Addon nach, das mit vier vollwertigen Kampagnen und einem Hotseat-Mehrspielermodus nicht nur gänzlich neue taktische Herausforderungen, sondern auch zig Stunden Spielspaß verspricht.

Geboten wird weit mehr als eine Handvoll schnell zusammengestrickter Retorten-Missionen - jede der vier Kampagnen spielt sich deutlich anders als der Rest, jede legt das Schwergewicht auf einen anderen Aspekt mittelalterlicher Machtpolitik. So erleben PC-Ritter historische Ereignisse der Kreuzzüge im Nahen Osten, treffen dort auf den Sultan Saladin und heimsen truppenstärkende Relikte ein. Die englische Krone sieht sich eingekreist von gegnerischen Mächten und muss auch noch die wachsende Opposition im eigenen Lande fürchten. Die Spanier stehen in Amerika einer derartigen Übermacht an Kriegern gegenüber, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als mit Indianerstämmen Koalitionen zu bilden. Zudem kupfern die schlauen Apachen auch noch in kürzester Zeit die Technologien der spanischen Feuerwaffen ab. In Osteuropa prallen nicht nur Heidentum und Christentum aufeinander - der Spieler muss hier nach Möglichkeit die reichen Städte der Hanse unterjochen, um mit Hilfe von wirtschaftlicher Macht an neue, schlagkräftige Einheiten heranzukommen.

Frischen Wind ins Spiel bringen die neu eingeführten Reliquien und Helden, die ihren Armeen zu ganz eigenen Stärken verhelfen. Auftritte haben unter anderem Philipp II., Hernando Cortez und Richard Löwenherz, der es bestens versteht, die Kampfmoral seiner Mannen deutlich nach oben zu treiben. 13 neue Völker tummeln sich auf der mittelalterlichen Weltkarte, und mehr als 100 frische Einheiten schaffen Möglichkeiten für bislang ungekannte taktische Finessen. Besonders eindrucksvoll in Szene gesetzt: das Griechische Feuer, das brennende Geschosse mit angsteinflößendem Zischen auf die Gegner niederprasseln lässt und dort verheerenden Schaden anrichtet.

An der Oberfläche werden die Neuerungen des Addons nicht sofort sichtbar. Sie zeigen sich aber deutlich im Gameplay: in kleinen Verbesserungen bei der Einheitensteuerung und der Künstlichen Intelligenz der Computergegner. Problematisch ist nach wie vor die Wegfindung während der spektakulären Echtzeitschlachten in Städten, wo es in engen Gassen immer wieder zu ärgerlichen Staus kommt. Trotzdem: Wie schon beim Hauptprogramm fallen solche kleinen Schönheitsfehler angesichts der Qualitäten des Addons kaum ins Gewicht. Und die nach wie vor fehlende Möglichkeit, selbst Seeschlachten auszutragen, soll es im im angekündigten Nachfolger "Empire: Total War" geben, der sich mit der Zeit vom frühen 18. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts befassen wird ...

Herbert Aichinger




Datum: 04.09.2007

Diskussion: "Kingdoms"

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